Patentes
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Montag • 11:30
24.1.2005
Der Einstein-Kühlschrank wird nachgebaut
Von Susanne Nessler

Albert Einstein (Bild: AP)
Albert Einstein (Bild: AP)
Einsteins Theorien haben die Physik grundlegend verändert. Seine praktischen Erfindungen dagegen kaum. Doch das Genie hat an die 14 Erfindungen zum Patent angemeldet. Eine davon bauen Wissenschaftler an der Universität Oldenburg jetzt nach. Keine leichte Aufgabe, denn der Patentprofi Einstein nutze alle Tricks, um seine Erfindung so zu verschleiern, dass Konkurrenten in die Irre geführt wurden.

Was machen Sie denn da?
Ich versuche aus dem provisorischen Kühlschrank den provisorischen Verdampfer zu entfernen und der ist festgefroren.


Seit drei Monaten versucht Wolfgang Engels Eiswürfel zu machen. Und zwar so wie Albert Einstein. Wolfgang Engels ist Physiker an der Universität in Oldenburg und baut für eine Ausstellung im Einsteinjahr, ein altes Albert Einstein Patent, einen Kühlschrank, nach.

Ich kann es jetzt schlecht zeigen, ich muss jetzt warten bis es wieder auftaut, es bildet sich ein richtiger Eisklumpen - Der Kühlschrank funktioniert also ziemlich gut. - der funktioniert ziemlich gut, ja.

Knapp 80 Jahre ist es her, dass sich Albert Einstein diesen Kühlschrank patentieren ließ. Die Besonderheit - denn 1926 gab es schon Kühlschränke - war das Kühlmittel: Es war Alkohol. Der wurde einem Unterdruck ausgesetzt, verdunstete dadurch und kühlte bis minus zehn Grad oder mehr. So steht es in der Patentschrift, sagt Wolfgang Engels. Ein einfaches Wirkprinzip, doch das Modellgerät nach Einsteins Unterlagen zu bauen, war schwierig.

Er hat es schon genau beschrieben, es ist aber eben keine Bauanleitung, es ist absichtlich so dargestellt, und so verändert und maßstäblich falsch dargestellt. Es sind keine Durchmesser angegeben, keine Maße, man weiß ja gut man kann es so machen. Aber Einstein hat lange am Patentamt gearbeitet und kannte natürlich die Kniffe, wie man etwas abguckt und wie man das verhindert.

Im Labor läuft Einsteins Kühlgerät jetzt 1 A. Als Versuchsanlage, die hat der Physiker nach wochenlangen Versuchen nun zum Laufen gebracht. Eine Pumpe saugt Luft aus dem Versuchskolben, der Alkohol steigt und verdunstet. Man kann richtig zusehen wie sich das Eis auf der Glasapparatur bildet. Jetzt muss das richtige Gerät nur noch gebaut werden. Als 3-D-Modell dreht sich der fertige Kühlschrank schon auf dem Monitor vom Ulf Harksen. Der Ingenieur an der Universität Oldenburg ist Leiter der historischen Werkstatt und soll den Kühlschrank originalgetreu anfertigen.

Der wird ca. 1,5 hoch sein, 70 cm breit und 50 cm tief, so nach der ersten Schätzung hat es das ergeben.

Und er wird aus Beton sein und an die 400 Kilo wiegen. So wurde er das bislang erste und einzige Mal vor 77 Jahren für eine große Ausstellung gebaut, sagt Wolfgang Engels.

Der Kühlschrank hat auf der Messe in Leipzig gestanden 1928.

In Serie gegangen ist das Gerät allerdings nie. Und Einstein selbst wollte nicht mit seinem Eisschrank in Verbindung gebracht werden. Die Firma musste ihm damals vertraglich zusichern, nicht mit seinem Namen zu werben. Heute beweist ein einziges Fotos, das das patentierte Kühlgerät überhaupt existiert hat.

Dieser Kühlschrank hat sogar ein Eisfach, also ein von außen zugänglicher Topf indem man Wasser einfüllen konnte und da kommt dann sozusagen ein dicker Eisblock raus. Es ist mir zwar noch nicht so ganz klar, wie man den da raus bekommt, weil der natürlich fest gefroren sein wird, aber wir werden es mal probieren, vielleicht funktioniert's.

Neben der Frage wie sich im Gefrierfach Einwürfel herstellen lassen, gibt es noch ein paar weitere technische Details zu klären. Die Wasserpumpe, die den Kühlschrank betreibt, muss noch gebaut werden, wie hoch genau der Druck war, ist noch unklar. Ebenso woher einige originale Materialien zu beziehen sind. Aber es wird den alten Einstein Kühlschrank sicher bald wieder geben.

Ich Halte das für relativ wahrscheinlich …

… sagt Ulf Harksen. Für den das kniffelige Einstein-Patent eine spannende Herausforderung ist.

... das macht man nicht jeden Tag und die ganze Sache hat noch einen historischen Hintergrund, es ist schon interessant, auf jeden Fall.

Der Kasten für den ersten Großversuch steht bereits in der Werkstatt und im Labor verbessert Wolfgang Engels ständig das Kühlverfahren.

Da unten sieht man schon was,… ja da unten ist ein bisschen Restalkohol, von dem vorherigen Versuch, aber an sich ist der Behälter oben leer.

Läuft alles nach Plan wird die Kühlbox des berühmten Physikers ab Mai in Berlin auf der großen Albert Einstein Ausstellung des Max Planck Instituts zu sehen sein.

Wenn ich jetzt hier unten dieses Ventil öffne, dann wir Alkohol nach oben gesogen.

Wie der letzte und entscheidenden Kühlversuch aussehen wird, das wissen die Oldenburger Forscher schon sehr genau.

Auf jeden Fall etwas Trinkbares, ich denke mal eine Flasche Champagner wird es werden.

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