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Montag • 11:30
7.2.2005
Der Erfinder der "Smokythek" Sven Olsen
Von Jens Wellhöner

Sie ist aus den Supermärkten kaum noch wegzudenken, die "Smokythek". Auf Kopfdruck gibt sie an der Kasse die gewünschte Zigarettenschachtel frei. Erfunden hat das System Sven Olsen aus Flensburg.
Für ihn war die "Smokythek" der Start zu einer steilen Karriere. Und zwar nicht nur als Erfinder, sondern als so genannter "Innovationsmanager".
Das Geheimnis seines Erfolgs: Er kann gewinnbringende Ideen förmlich riechen.

"Jetzt reicht's mit den Zigaretten-Dieben!" - dachte sich Sven Olsen 1992. Immer wieder verschwanden aus seinem Geschäft in Flensburg die Schachteln mit den Glimmstängeln, zum Teil mehrmals pro Woche.

Ich habe einen Supermarkt gehabt. Und im Rahmen eines Umbaus, als ich dann alle Probleme lösen wollte, stellte ich fest, dass es keine adäquate Problemlösung für diesen Zigarettendiebstahl gab. Und so habe ich mich ans Zeichenbrett begeben und die Smokythek entwickelt.

Der Supermarkt-Filialleiter zeichnete einen Kasten, bei dem der Kunde auf Knopfdruck sich eine Schachtel Zigaretten aussuchen kann. Die dann über eine Miniatur-Rutsche gleitet und beim Kassenpersonal landet. Seine Erfahrungen als Maschinenbau-Student kamen. Sven Olsen beim Entwerfen zugute. Mit den Zeichnungen im Koffer machte sich der findige Flensburger ans Klinkenputzen und Briefeschreiben. Zuerst musste der 27-jährige seine Smokythek patentieren lassen. Und danach eine Firma suchen, die bereit war, den Apparat auch zu bauen.

Also ich hab' in den ersten Jahren die Erfahrung machen müssen, dass es nicht sehr viel Hilfe und auch nicht viel konstruktive Unterstützung für Erfinder gibt, auf diesem Weg.

Aber Sven Olsen blieb hartnäckig. Nach anderthalb Jahren fand er schließlich Unterstützung bei einer Firma in Nordrhein-Westfalen. Die Smokythek ist seitdem ein Verkaufsschlager. Und zwar weltweit. Der Erfolg beflügelte den jungen Erfinder. Fortan wollte er verhindern, dass andere Tüftler ähnlich mühsam nach Förderern aus der Industrie suchen müssen wie er selber.

Aus diesen Erfahrungen, die ich habe sammeln können, habe ich 1995 ein Geschäftsmodell entwickelt und die Innovationsgesellschaft gegründet, die genau dieses tut.

Selber Erfinder entdecken, beraten und für sie den Kontakt zu Firmen herstellen: Unter diesem Motto änderte der damals 30-jährige Flensburger seine Zukunftspläne radikal. Er verkaufte seinen Supermarkt. Heute, zehn Jahre später, sitzt er als selbständiger Unternehmer in einem schicken Büro mit Panoramablick auf die Flensburger Förde. Die Geschäfte gehen gut. Mit modischem Kurzhaarschnitt und legerem Anzug ohne Krawatte empfängt Olsen seine Besucher mit gewinnendem Lächeln. Still sitzen ist nicht seine Sache. Unruhig bewegt er ständig seine Finger. So, als ob er im nächsten Moment wieder etwas Neues anpacken wollte.
Seine Lebensphilosophie:

Es gibt nichts Gutes außer man tut es. Also, wenn die Idee da ist, ran! Umsetzen und das Beste draus machen. Und zwar schnellstmöglich.

Sven Olsen hat einen guten Riecher für Ideen, die Gewinn bringen. Und das nicht nur bei Erfindern, die seinen Rat suchen. Auch ihm selbst fallen wie damals beim Zigarettendiebstahl im Supermarkt immer wieder ganz alltägliche Dinge auf, die er ändern will. Beim Gang durch die Stadt, Zeitung lesen oder: Beim Mittagessen. Vor rund zwei Jahren aß Sven Olsen mit seinem Freund und Hausarzt Ludwig Bässe. Der klagte darüber, dass seine Patienten viel zu wenig trinken. Der Arzt erinnert sich:

Wir saßen zusammen beim Mittagessen. Und wir haben darüber gesprochen, was man machen könnte. Und dann kam diese Idee. Er ist ja Erfinder, und er hat Ideen. Und so haben wir dann die sogenannte Trinkuhr entwickelt.

Die Trinkuhr am Armband: Ein Mikroprozessor, programmiert mit der ärztlich verordneten täglichen Trinkmenge. Nimmt man ein Glas Flüssigkeit zu sich, muss man auf einen Knopf drücken. Geschieht das nicht regelmäßig, erinnert zum Beispiel ein Piepton ans Trinken. Auf der Anzeige erscheint dann auch, wie weit man in Verzug ist. Im Mai kommt die Uhr auf den Markt.
Dann ist wieder ein Problem gelöst, sagt Sven Olsen:

Ich bin nicht wirklich ein Weltveränderer. Aber ich bin an der Stelle wirklich von einer großen Neugier getrieben. Wir müssen zwar die Welt akzeptieren, so wie sie ist. Aber wir müssen sie nicht so lassen wie sie ist!

Griffige Formulierungen gehen dem Innovationsmanager, wie er sich selber nennt, leicht von den Lippen. Zitate sammeln und im Gespräch einsetzen ist für ihn Hobby. Einer seiner Lieblingssätze: Alles Denkbare ist auch machbar!

Ich glaube, dass jeder Erfinder sein kann. Wenn er denn nur an die Kraft seiner Träume und Ideen glaubt. Und bereit ist, diese umzusetzen!

Mit Formulierungskunst und Spaß an neuen Ideen hat Olsen mittlerweile ein Netz von Geschäftspartnern um sich geknüpft. Der Beruf ist für ihn Lebensaufgabe, richtige Freizeit hat der erfolgreiche Unternehmer kaum. Und braucht sie auch nicht, sagt er. Sein neuestes Faible: Die Architektur. Ein neues Geschäftszentrum hebt Sven Olsen mit seinen Partnern gerade aus der Taufe. Für den quirligen Ideenmanager aus Flensburg die nächste Herausforderung.
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