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Montag • 11:30
14.2.2005
Australiens künstliche Iglus
Von Andreas Stummer

Kunststoff-Iglu (Bild: Malcolm Wallhead & Associates)
Kunststoff-Iglu (Bild: Malcolm Wallhead & Associates)
Die Antarktis: Der menschenleerste und ungemütlichste Kontinent der Erde. Trotzdem lassen den australischen Polar-Forscher Rod Ledingham Eismassen und Schneestürme kalt. Denn egal wo er sein Lager aufschlägt, Rod wohnt fast wie ein Eskimo. In einem wind- und wasserdichten Iglu aus Kunststoff: Drei Meter im Durchmesser, zweieinhalb Meter hoch und "Made in Australien".

Die Iglus sind ausgesprochen komfortabel. Zwei Leute haben jede Menge Platz, es gibt Tische und viel Stauraum um Geräte oder Proviant unterzubringen. Wir haben auch schon zu viert in einem Iglu gewohnt. Die Kabine hat große Fenster und ist innen sehr hell. Eine Kerze genügt als Beleuchtung. Dazu gibt es noch einen kleinen Kerosin-Ofen. Das ist schon was anderes als in einem Zelt.

Hergestellt werden die etwa 250 Kilo schweren Kunststoff-Kabinen nur in Kettering, einem 350-Seelen-Ort im australischen Tasmanien. Der Bildhauer Malcolm Wallhead ließ sich Ende der 70er von der Kuppel-Form des Schnee-Iglus der Inuit-Eskimos inspirieren und gestaltete eine runde Allzweck-Kabine: Robust, wetterunabhängig, leicht zu transportieren, zusammenzubauen und wieder auseinander zu nehmen. Und was eigentlich als Fluchtlaube für Aussteiger gedacht war, machte seine Frau Anthea zum Bestseller für Arktis-Forscher.

Ein Iglu nach Anleitung zusammenzusetzen ist einfacher als einen Schrank von Ikea aufzustellen. In ihrer Werkstatt erklärt Anthea Wallhead wie die acht nummerierten Fiberglas-Panele ineinander verankert und dann mit Hartgummi-Bolzen und -Dichtungen verschraubt werden. Die isolierten Iglus aufzubauen dauert nur eine knappe Stunde und wenn sie erst einmal mit Tauen am Boden festgezurrt sind, dann bringen sie keine zehn Eisbären mehr von der Stelle.

In der Commenwealth-Bucht stand zehn Jahre lang eines unserer Iglus ohne weggeweht zu werden - und dort in der Antarktis hat es Stürme mit bis zu 300 Stundenkilometern. Anders als bei Zelten, bläst der Schnee einfach um das runde Iglu herum. Es bietet so wenig Luft-Widerstand, dass es sogar an einen Hubschrauber gehängt und mit Tempo 160 transportiert werden kann. Das schnellste, fliegende Gebäude der Welt.

Doppelt verglaste, wagenradgroße Polykarbonat-Fenster, Belüftungs- und Fluchtklappen, bis zu drei Schlafkojen, Tische, Regale und Stauraum. Die Iglus haben Solarenergie gespeiste Steckdosen für Computer, Koch- oder Heizgeräte - und, auf Wunsch, gibt es eine Spezial-Anfertigung mit Dusche und Toilette, genannt I-klo. Die Kunststoff-Iglus werden als Basislager für Expeditionen, als Labors, Lagerraum, Taucherglocken, Wetterstationen und Dunkelkammern benutzt. Im ewigen Eis wie im tropischen Dschungel. Und in allen Farben.

Die Behörden der Cocos- und Keeling-Inseln im Indischen Ozean haben drei grüne Iglus gekauft, um damit Vögel zu beobachten, erinnert sich Herstellerin Anthea Wallhead, die Iglus für die Antarktis sind meist rot, die Chilenen aber wollten blaue haben, die Spanier orangefarbene. Die Kabinen sind perfekt für Forschung in entlegenen Gegenden. Man ist unabhängig und kann die Iglus seinen Bedürfnissen anpassen.

Von Indien, Japan, Norwegen und den USA über Papua Neuguinea, Brasilien und Korea bis zu Italien und Neuseeland: Insgesamt 145 der australischen Kunststoff-Iglus werden von 15 Ländern weltweit genutzt, die meisten in der Antarktis. Mit 17 Kabinen im Einsatz ist Deutschland Anthea Wallheads bester Abnehmer. Vor allem das Bremerhavener Alfred Wegener-Institut, aber auch...

The Institut für Vermessungskunde und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.

Australische Iglus für den Rest der Welt. Der Stückpreis für das einfache Modell ohne Einrichtung liegt bei umgerechnet 6000 Euro. Seit Greenpeace eine der Fiberglas-Kabinen in Kanada aufgestellt hat, träumt Anthea Wallhead davon, eines Tages vielleicht auch mit den Eskimos ins Geschäft zu kommen. Doch die Erfinder des Schnee-Iglus bevorzugen - bisher - weiter das Original.
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