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Montag • 11:30
28.2.2005
Die gläserne Treppe
Von Wolfgang Nording

Die erste freitragende Glastreppe der Welt (Bild: Informationsdienst Wissenschaft e.V.)
Die erste freitragende Glastreppe der Welt (Bild: Informationsdienst Wissenschaft e.V.)
Kaufhäuser und Einkaufspassagen legen Wert auf gediegene Eleganz. Das lockt Kunden und ist gut fürs Geschäft. In diese Marktlücke wollen Firmen stoßen, die repräsentative Glastreppen anbieten. Der Hamburger Professor Wolfgang Maier hat diesen Markt weltweit beobachtet.

Zum Beispiel Apple in den USA hat in repräsentativen Verkaufsräumen Glastreppen, die aber nicht freitragend sind, mit sehr hohem Aufwand, sehr hochpreisig gebaut, man benutzt in repräsentativen Situationen diese Treppen, um starke Widererkennungsmerkmale zu haben.

Meier ist ein Tüftler. Der gelernte Stahlschlosser hat sich zum Professor an der Technischen Universität Hamburg-Harburg hochgearbeitet. Hier ist er einer der ganz wenigen Spezialisten in Deutschland, die sich mit dem Bauen von Stahl und Glas beschäftigen. Glas kann mehr, als nur in Schieben von Fenstern verwendet zu werden, weiß der Fachmann, der Glas schon in vielen Bereichen ausprobiert hat.

Das beginnt mit einer Unzahl von Treppenbrüstungen, von Verglasungen verschiedenster Gebäude, von Überkopfverglasungen oder die andere Seite auf der Forschung haben wir uns damit beschäftigt, die sicherheitstheoretischen Grundlagen für diese Bauweise zu entwickeln und mit verschiedensten Tragwerksformen zu experimentieren, Tragwerksformen für Dächer oder für Fußgängerbrücken.

Glas ist ein unterschätzter Baustoff, sagt der Experte. Das hängt vor allem damit zusammen, dass Glas landläufig betrachtet schnell kaputtgeht.
Doch wenn man die spezifischen Eigenschaften von Glas kennt, kann dieser Baustoff enormen Druck aushalten. Das haben Maier und sein Team mit der ersten freitragenden Treppe der Welt bewiesen. Zusammen mit der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg und dem Hamburger Ingenieurbüro für Konstruktiven Glasbau stellte Maier seine Treppe der staunenden Fachwelt zum ersten Mal auf der internationalen Glastec-Messe in Düsseldorf vor. Die Glastreppe ist exakt 5,4 Meter lang und führte in den ersten Stock des Messestandes. Die Stufen bestehen aus 3,6 Zentimeter dicken Glasscheiben, zusammengehalten wird die Konstruktion von zwölf Millimeter dünnen Stahlstangen, die optisch allerdings kaum zu sehen sind. Um die Belastungsfähigkeit dieser Treppe zu testen, hatten die Tüftler sich etwas Besonderes einfallen lassen.

Sie können sich vorstellen, dass es mühsam gewesen wäre, eine Last von acht Tonnen in Form von Sandsäcken oder Stahlgewichten zur Messe zu transportieren und dort aufzubringen. So hatten wir uns eine vergleichsweise trickreiche Belastungseinrichtung mit einer Vielzahl von Seilzügen und Umlenkrollen überlegt,
das war ein Mitarbeiter, der ein begeisterter Segler ist, und der hat sozusagen die seemännische Hamburger Belastungseinrichtung für solche Treppen konstruiert und wir fanden das so überzeugend, dass wir der Meinung waren, wir sollten das als Schutzrecht anmelden.


Gleich nach der Messe gab es die ersten Anrufe. Bis nach Saudi-Arabien hatte sich die Weltneuheit herumgesprochen. Maier sagt, wo er die freitragenden Glastreppen einbauen soll.

Zwei Bürogebäude und ich weiß nicht, ob man dazu Privathaus sagen kann, eben die Residenz eines reichen Arabers.
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