Signale
Archiv | Signale | Sonntag • 12:10
19.9.2004
Sind wir ein Volk?
Von Günter Kunert
Man könnte meinen, das Ende der Welt stünde bevor, hört man Politiker über die Divergenz zwischen Ost- und Westdeutschland reden. Entfremdung und Spaltung sind die Schlagworte, mit denen man um sich wirft. Diese fortwährende Besorgnis, Klagen und Kopfschütteln - das scheinen tradierte deutsche Verhaltensmuster.
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12.9.2004
Das Ende des staatsbürokratischen Humanismus
Von Josef Schmid
Wenn mein Blick über ein Regal ausländischer Bücher schweift, bleibt er häufig an einem Werk haften. Es trägt -frei übersetzt - den Titel "Kontinente unterwegs" und zeigt auf dem illustrierten Einband ein Stück Wüstensand mit Fußstapfen, die nach Norden weisen. Autor ist der französische Gelehrte Alfred Sauvy, Berater von Staatspräsidenten und Erfinder des Begriffs "Dritte Welt". In einer persönlichen Widmung bemerkte er zur Einbandillustration: "die einzig wahre Sicht auf das kommende Jahrhundert".
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5.9.2004
Wenn die Regierung nach dem Volk ruft ...
Von Cora Stephan
Wenn die Regierung nach dem Volk ruft, ist Misstrauen angesagt. Denn wozu braucht sie es? Liebe zur breiten Masse kann es nicht sein, die den SPD-Parteivorstand veranlasst hat, sich von der Regierung einen Gesetzentwurf zur Ermöglichung von Volksentscheiden und Referenden zu wünschen, darunter übrigens explizit auch ein Referendum über die Verfassung der Europäischen Union. Was also steckt dahinter?
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29.8.2004
Neid ist geil!
Von Eva Demski
Er hat wieder ein Buch geschrieben, der Idiot. Und wieder werden ihm bereitwillig Quadratmeter von Feuilletonseiten überlassen, in denen die Sachwalter der Literatur sich wortreich über die Hervorbringung beugen, respektvoll und unbegreiflich neugierig. Das naheliegende, das erleichterndste aller Gefühle ist aber streng verboten: Neid. Neid ist hässlich, quittengelb, gesellschaftlich unmöglich und darf niemals, niemals zugegeben werden.
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22.8.2004
Der Wille zur Verantwortung
Von Reinhard Kreissl
Wer war's, wem kann man die Schuld geben, wer sind die Väter und Mütter des Scheiterns? Der beste Kandidat war seit jeher das Wetter - das erklärt den Stau auf der Autobahn, die niedrige Wahlbeteiligung, den ausbleibenden Rückgang der Arbeitslosenzahlen. Früher machte man gelegentlich die Gesellschaft und die von ihr verantworteten Verhältnisse verantwortlich. Heute hingegen herrscht eine widersprüchliche Rhetorik, man beschwört die Verantwortung des Einzelnen.
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15.8.2004
Der hilflose Antikapitalismus
Von Wolfgang Sofsky
Der Kapitalismus hat einen ruinösen Ruf. Man empört sich über die Gehälter einiger Manager, beschimpft gewissenlose Währungsspekulanten, beschwert sich über die Vaterlandsverräter, die im Ausland investieren, weil dort Löhne und Nebenkosten niedriger sind als hierzulande. Gewinne sind ohnehin verdächtig, Renditen nichts als Teufelswerk. Profite können unmöglich mit rechten Dingen zustande kommen, Spekulation gilt als Betrug, stagnierende Löhne entfachen einen Proteststurm.
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8.8.2004
Ronaldo, Schumacher und Kant oder: Sport als ästhetische Erfahrung
Von Hans Ulrich Gumbrecht
Haben Sie sich schon einmal gefragt - im Ernst gefragt, meine ich, warum Sie unbedingt das nächste Fußballspiel oder noch ein Formel-I-Rennen sehen müssen, obwohl Sie dringende Arbeit zu erledigen haben und außerdem wirklich müde sind? Es ist eigenartig, aber statistisch wahrscheinlich, dass Sie dazu, falls Sie ein Sport-Fan sind, keine ernsthafte Meinung haben. Und es ist wohl noch bemerkenswerter, dass Sie dazu eher eine Antwort parat haben werden, falls Ihnen nichts am Sport liegt.
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1.8.2004
Kriege als Beschleuniger
Der "Vater aller Dinge" und seine Impulse
Von Michael Stürmer
Am ersten Tag des Zweiten Weltkriegs wurden noch Kavalleriesäbel geschliffen, am Ende verzehrte das nukleare Feuer zwei japanische Industriestädte mit allem lebenden und toten Inventar. Das Zeitalter von Stahl gegen Stahl war zuende, jedenfalls an der künftigen Hauptfront der Welt in der Epoche des Kalten Krieges. Nukleare Waffen wurden strukturbildend.
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25.7.2004
Rückzug ins Private?
Von Cora Stephan
Spätestens seit 2001 ist die deutsche Spaßgesellschaft einer Gemeinde gewichen, in der Heulen und Zähneklappern zum beherrschenden Ton gehört, wir wissen es, sehen es, hören es Tag für Tag. Fast sehnt man sich zurück nach den angeblich so unbeschwerten 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als die Aktienkurse noch täglich stiegen und die Muttermilch der Yuppies Champagner hieß, denn die Meldungen vom neuen Ernst des Lebens kommen im schwarzen Talar der Offenbarung daher.
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18.7.2004
Alt und einsam? Neue Lebensformen jenseits der Sechzig
"Zeit für Veränderungen" (10)
Von Gesine Schwan
Drei Tage vor meinem fünfzigsten Geburtstag fragte mich einer meiner drei - sehr geliebten - Neffen: "Na, fühlst Du Dich jetzt richtig alt?" Dabei lachte er, aber ein bisschen ernst meinte er es schon. "Ich fühle mich nicht alt," war meine Antwort. "Aber 'sechzig' wird dann wahrscheinlich doch, zumal für mich als Frau, eine Schallgrenze sein!"
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