Signale
Archiv | Signale | Sonntag • 12:10
23.11.2003
Die Grenzen der Gerechtigkeit
Von Wolfgang Sofsky
Nichts erzürnt Menschen mehr als eine Ungerechtigkeit. Wut und Empörung erfasst sie, wenn sie sich verletzt, verachtet oder verraten fühlen. Sie sehen sich um ihre Ansprüche betrogen, ihres Eigentums beraubt, um ihre Ehre gebracht. Gift und Galle möchten sie verspritzen; alle Welt soll erfahren, was ihnen angetan wurde. Tief bohrt sich erlittenes Unrecht in die Seele ein. Es ist nicht zu vergessen, es ist nur zu vergelten.
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16.11.2003
Immer notwendig, selten erreicht: Reformen
Von Claus Koch
Wo Reform drauf steht, ist oft wenig Reform drin. Reform bedeutet: Neue Ordnung, Herstellung klarer Form im Verhältnis zwischen Bürger und Staat, zwischen Lasten und Rechten, mehr Klarheit im Gemeinwohl. Macht man ein Reformpaket auf, so findet man meistens die alte Unordnung vor, nur neu arrangiert. Und meistens macht es Mühe, sich in der Reform zurechtzufinden.
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9.11.2003
Der richtige Feiertag ?
Von Cora Stephan
Was sei der Deutschen Feiertag? Der 3. Oktober oder der 9. November? Nun, der 3. Oktober ist seit seiner Einführung ein Tag, den man hinnimmt - vornehmlich als willkommene Freizeit, jedenfalls bei Schulkindern, Einzelhandel und Festangestellten. Insofern hat das Datum unzählig viele Vorzüge: es fällt kaum auf, inspiriert nicht zu patriotischem Überschwang, ist so steril, wie wir im Westen Deutschlands uns gewohnheitsmäßig zu Dingen von nationalem Belang verhalten, unterscheidet sich insgesamt also nur vorteilhaft von den blutrünstigen Feiern einiger unserer Nachbarn.
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2.11.2003
Kulturpolitik in Deutschland
Jammern als Prinzip
Rolf Schneider
Kultur ist unverzichtbar. Jedes Volk pflegt und fördert die seine und ist stolz auf sie, Kulturschaffende zählen zur Elite der Gesellschaft. Aus allen diesen Gründen lassen sich Staaten die Kultur etwas kosten, sie werfen Fördergelder aus und viele Arten von Subventionen.
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26.10.2003
History goes Pop
Die Banalisierung von Geschichte
Michael Stürmer
Wo der Ernst aufhört und Pop beginnt, das hat noch keiner zu bestimmen gewusst. 'Lili Marleen', die traurige Weise von Liebe und Tod der Soldaten, wurde im Zweiten Weltkrieg an allen Fronten gehört, und als der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels sie verbieten wollte, weil sie nach Tod und Verwesung klinge, da widersprach die Wehrmacht und setzte sich für einmal durch.
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19.10.2003
Lob der Arbeit
Cora Stephan
Während die halbe Welt über Arbeitslosigkeit klagt, versucht die andere Hälfte, Arbeit im Keim zu ersticken. Architekten und Baumärkte, Gartenhandlungen und Küchengerätehersteller haben sich verschworen, den Menschen alltägliche Verrichtungen abzunehmen, damit sie sich Größerem widmen können: der Erfindung des perpetuum mobile oder dem Studium aller Krimiserien im Fernsehen, bei denen ein Hund mitspielt. Zum Beispiel.
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12.10.2003
Weg mit der Souveränität!
Zur seltsamen deutschen Außenpolitik
Henryk M. Broder
Ist die Sicherheit dahin, kann man nicht mehr in einem Café sitzen oder Bus fahren, ohne um sein Leben fürchten zu müssen, ist es auch um die Souveränität geschehen, dann herrschen afghanische oder somalische Zustände. Deswegen kann keine Regierung, die ihren Job ernst nimmt, internen oder externen Terror dulden.
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5.10.2003
Zeit der Entscheidung
Wolfgang Sofsky
Für diesen Herbst ist der Ernstfall ausgerufen. Nach der Probefrist des Prüfens und Vertagens ist nun endlich die Zeit der Entscheidung gekommen. Diverse Maßnahmen stehen bevor. Nach aller Voraussicht werden sie den Wohlstand der Nation mindern und das Leben der Menschen verteuern.
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3.10.2003
In der Seele bohren, bis es sprudelt...
Das Gute an der Literaturkritik
Robert Menasse
So komplex Literatur ihrem Wesen nach auch ist und so differenziert Literaturkritik, wenn sie diesen Namen verdient, auch arbeitet, das Verhältnis zwischen Literaten und Kritikern ist denkbar primitiv: Es wirkt wie ein kindliches Abenteuerspiel, in dem die einen die edlen Wilden darstellen, und die anderen die Siedler, die, mit Platzpatronen schießend, in deren Jagdgründe einfallen, um ihnen am Ende ein Reservat zuzuweisen.
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28.9.2003
Können wir noch schauen? Eine Straßenszene
Wilhelm Genazino
Wo gibt es harmlose Ereignisse? Ich könnte zum Beispiel wieder zum Standesamt gehen und mir die frisch getrauten Paare anschauen. Das sind fröhliche Anblicke! Aber letzthin ist mir aufgefallen, daß in den festlichen Gesichtern der Paare auch der Schreck über die soeben aufgegebene Freiheit mitzittert, ein leichtes und doch genaues Beben, das sich um seiner Unerwünschtheit willen gerade in diesen Sekunden zeigen mußte. Wo können wir verweilen? Was können wir uns anschauen? Wessen können wir uns erfreuen?
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