Tacheles
Tacheles • Das Streitgespräch
Freitag • 18:05
27.6.2003
Sabine Christiansen
TV-Moderatorin und UNICEF-Botschafterin

Übermorgen läuft zum 250.Mal Ihre Sendung 'Sabine Christiansen'. Für das, was Sie jeden Sonntag Abend für rund 4 bis 5 ½ Millionen Zuschauer machen, gibt es ein geflügeltes Wort - nämlich die 'Christianisierung der Politik'. Das muss ja auf der einen Seite in Ihren Ohren wie Musik klingen. Auf der anderen Seite ist das ja nicht nur positiv gemeint. Wie bewerten Sie das?

Für mich bedeutet das zunächst mal Pioniergeist. Das heißt, wir waren die Ersten, die mit dieser Form von politischem Talk angefangen haben. Wenn Sie die negativen Vorzeichen von 'Christianisierung' ansprechen, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Wir haben die Politik zusammengebracht mit gesellschaftlichen Gruppen und aus dem Hinterzimmer heraus, in dem sie am liebsten nur miteinander diskutieren würden, weil man sich da eben in den immer gleichen Floskeln ergehen kann, weil man nicht unbedingt die Antworten parat haben muss, die vielleicht andere Gruppen auf ihre Fragen wollen. Wir setzen bei uns meistens in den Talk-Runden drei oder vier Vertreter aus der Politik zusammen etwa mit dem 'normalen' Mittelständler, mit dem Vertreter des normalen Bürgers sozusagen.

Nun ist das Parlament ja nicht gerade Hinterzimmer!

Das Wort von der 'Christianisierung' zielte ja auch nicht auf das Parlament!

Es zielt schon auch in diese Richtung, weil diejenigen, die von der 'Christianisierung' reden, ziemlich explizit die Sorge äußern, dass Politiker vorzugsweise bei Frau Christiansen auf dem Sofa ihre Meinung kundtun und darüber debattieren anstatt im Parlament.

Nein, sie tun beides - mit Ausnahmen, wenn sich etwa ein Gesundheitspolitikers die Medien gewählt hat, seine Meinung zu äußern. Aber da hat er auch nicht alleine eine Talkshow gewählt, sondern er hat sich mehrere Medien ausgesucht: eine Nachrichtensendung, eine Zeitung und eine Talkshow. So kann man das natürlich machen. Das ist aber der moderne Umgang der Politik mit den Medien. Sie tun beides. Wir ersetzen ja nicht das Parlament! Das ist ja ein absurder Vorwurf, wenn es denn überhaupt einer ist. Ich meine, dann muss die Politik sich selber hinterfragen, was sie dann noch im Parlament macht, wenn sie das als Vorwurf versteht. Das Parlament diskutiert natürlich Themen viel ausführlicher als wir es je können - und entscheidet letztendlich ja auch. Aber was wir können in der zugespitzten Form die uns gegeben ist: wir können ein Tempo vorgeben. Wir können vielleicht mal sagen, dass eine Debatte - sagen wir - über die Gentechnologie im nächsten halben Jahr auf uns zukommen wird und wir beginnen sie jetzt schon mal. Wir stoßen sie jetzt mal an. Und damit sie überhaupt breit gesellschaftlich diskutiert wird, sollte sie auch in den Medien diskutiert werden. Und welches Medium das ist, ob es eben eine Tageszeitung ist oder bei uns, ist in dem Fall völlig irrelevant...

Das ist doch nicht irrelevant! Wie etwas diskutiert wird, wird doch auch durch das Medium in dem diskutiert wird, geprägt! Es ist doch etwas Anderes, ob man etwa ein Thema in der Zeitung diskutiert oder im Fernsehen!

Ja, aber es geht doch nur darum eine Debatte anzustoßen. Und wer sie anstößt - ob ich jetzt einen Artikel zuerst in der Zeitung lese und dann bei uns eine Debatte daraus mache oder ob ich erst debattiere und dann übernimmt die Zeitung das Thema - das ist nur ein wechselseitiges Geben und Nehmen.

Aber stellen Sie da Ihr Licht nicht ein bisschen unter den Scheffel? Man muss ja schon sagen, dass diese große Quote ihrer Sendung von bis zu 20 % der Zuschauer jedenfalls dazu beiträgt, dass Politik in Deutschland wieder mehr wahrgenommen wird. Darauf haben Sie ja auch schon mehrfach in Gesprächen hingewiesen. Das hat natürlich die Kehrseite, dass nämlich den demokratischen Gremien die Debatte ein Stück entzogen, oder zumindest vorgeschaltet wird. Der Sonntag als Sendetermin ist ja auch bewusst gewählt. Haben Sie nicht manchmal das Gefühl, dass Sie da sozusagen im sehr legitimen Interesse Ihrer Sendung, ein bisschen was von dem rein politischen Diskurs zu Unterhaltungszwecken vorwegnehmen?

Nein, das habe ich überhaupt nicht. Ich glaube, wenn sich die Politik das entziehen lassen würde, das wäre ja wirklich sozusagen die Zerstörung des Parlaments! Und ich glaube nicht, dass das im Interesse irgend eines Politikers liegt! Medien haben insgesamt Macht. Man sieht das immer wieder - egal ob jetzt eine große Wochenzeitung oder wer auch immer beschließt, etwas gegen den einen oder anderen Politiker zu schreiben. Wenn sie singulär bleibt, wird auch der Artikel in der nächsten Woche wieder verschwunden sein. Wenn sie aber Nachfolger findet, dann bedeutet das, es ist in der Medienlandschaft ein großes Thema geworden. Und genau so, können wir eben auch nur ein Thema anstoßen. Wenn man darüber nicht weiter debattiert, Montag, Dienstag, Mittwoch - dann haben wir das eben mal gemacht, aber dann war es das. Wenn wir es aber schaffen, damit eine Debatte auszulösen, dann haben wir, glaube ich, viele Medien, die uns nachfolgen und dann wird es ein großes Thema. Allein für sich genommen hat keine einzelne Sendung oder keine einzelne Zeitung die Macht.

Es ist ja offensichtlich so, dass nicht nur Sie die Themen anschubsen oder anstoßen, sondern dass auch Politiker ganz bewusst in Ihre Sendung drängen. Fühlen Sie sich da manchmal vor einen Karren gespannt?

Ich kenne das, was Sie sagen eher von Kollegen, die Personality Shows machen, dass man da, vorzugsweise natürlich vor den Wahlen, hineindrängt. Das ist das Prinzip, das man in Amerika erkennen kann, wo alle Parteien beim letzten Wahlkampf gesagt haben: 'Was sollen wir die teuren Dollar ausgeben für Werbung? Wir gehen einfach verstärkt in Personality Shows'. Das hat zu einer Erhöhung der Präsenz von Politikern im Fernsehen um vierzig Prozent geführt. Die Parteien und die Kandidaten haben so viel Geld gespart. Eine Personality Show hat den großen Vorteil, dass man dort mit seiner Geschichte hingehen kann, wird nett zur Familie befragt, hat gewirkt und ist wieder draußen. Wir fragen meistens dann bei jemandem an, wenn es gerade nicht so gut läuft und deswegen drängt man auch nicht so sehr bei uns in die Sendung...

Politiker sind also eher scheu???

Nein, sie sind nicht scheu, sondern sie wollen über den Zeitpunkt ihres TV-Auftritts selber bestimmen, wenn sie 'good news' haben und nicht wenn es 'bad news' sind. Genau dann fragen wir natürlich meistens an, weil für uns 'bad news' 'good news' sind.

Sie haben in einem Gespräch mal gesagt, Sie hätten keine Macht mit dieser Sendung, sondern Einfluss. Was ist denn für Sie der Unterschied zwischen Macht und Einfluss?

Macht hat für mich ein großes negatives Vorzeichen. Zunächst mal meine ich es tatsächlich so, wie ich eben geschildert habe, dass Medien insgesamt ganz sicher auch Macht und Einfluss haben. Ich würde das gleichsetzen mit Möglichkeiten. Wenn man keinen Einfluss hat, hat man keine Möglichkeiten. Ich hätte nicht einen gewissen Einfluss mit dieser Sendung - sicherlich auch durch die gute Zuschauer-Quote bedingt - würden bestimmte Politiker nicht zu mir kommen und es ist wichtig, dass man diesen Einfluss hat. Wenn ich ein unbedeutendes Blättchen bin, kann ich nach einem Interview anfragen und keiner kommt. Das ist der Unterschied.

Kommenden Sonntag, den 29.Juni, läuft Ihre Sendung 'Sabine Christiansen' das 250. Mal. Wollen Sie es noch 250 Mal machen? Ich weiß, der Vertrag mit der ARD ist erst mal bis mindestens 2006 verlängert worden - gibt es denn nicht auch irgendwann einen Moment, wo Sie sich sagen, 'also jetzt kenne ich die alle und ich habe alle Themen siebzehn Mal durch; jetzt muss ich etwas Anderes machen'?

Es wird sogar, wenn wir in der Quote gut bleiben, bis Ende 2007 laufen. Da freue ich mich auch drauf. Die 'Tagesthemen' habe ich zehn Jahre lang gemacht. Da ist es mir nicht eine Minute, nicht eine Sendung so gegangen, dass ich gedacht habe, 'oh, jetzt hab en wir schon wieder den Blüm da und schon wieder die Rente'. Natürlich wurde die Ungeduld bei einigen Themen größer, wenn man sich sagen muss, schon wieder fünf Jahre, sechs Jahre vergangen sind, sich nichts verändert hat und wir immer die gleichen Sprüche kriegen. Aber es gibt natürlich auch immer wieder neue Themen und es gibt auch immer wieder neue Gesichter dazu und es gibt wieder neue Wahlen. Und es gibt sicherlich auch eine breitere Diskussion, die uns ja auch jetzt wieder im Sommer über die Politik hinaus und von der Politik wegführt. Ich finde es immer ganz wichtig, dass wir auch mal Raum für solche Themen finden, dass wir zum Beispiel die Frage diskutieren, wie es denn jetzt eigentlich um die Bildung steht. Wir haben erst um PISA einen riesigen Juchhei gemacht und dann plötzlich war nach PISA das Thema wieder weg.

Sie sind Journalistin und Sie werden natürlich auch von Journalisten kritisiert. Wie gehen Sie im Laufe der Zeit mit der Kritik um - nicht erst seit Sie die Talkshow machen, sondern die Sie auch - wie alle anderen Kollegen - in früheren Zeiten wahrgenommen haben? Man hat das Gefühl, dass bei Ihnen diese Kritik auf besonders scharfe Weise, konfrontative Weise zugespitzt wird. Lassen Sie das an sich ran?

Ich lese sicherlich nicht jede Polemik. Zum Glück gibt es nicht nur Kritik, wie in Ihrer Darstellung eben geschildert. Es gibt Zeiten, die sind so und Zeiten, die sind so. Wenn es nur Kritiken gehagelt hätte über fünfzehn Jahre, wäre ich, glaube ich, nicht mehr da.

Kritik kann ja auch positive Kritik sein. Ich meinte Kritik im Sinne der Bewertung allgemein.

Ich bewerte sie. Ich sortiere sie. Das habe ich im Laufe der Zeit ganz gut gelernt. Ich habe am Anfang, als ich die 'Tagesthemen' begann, damals die herbste Kritik ernten müssen. Das hieß damals: 'Die junge Journalistin, 30 Jahre alt, neben Hans Joachim Friedrichs - kann denn das gut gehen?' Dadurch war, glaube ich, ein ganz guter Lerneffekt gegeben. Beim zweiten Mal, am Anfang von 'Sabine Christiansen' wussten wir schon, was auf uns zukommt.

Sie hatten einfach auf der Seele schon ein bisschen Hornhaut angesammelt?

Ein bisschen, ja - aber auch nie so viel, dass man sagt ' das prallt an mir ab'. Da muss eine vernünftige Sortierung stattfinden. Wenn Sie Polemik an sich ranlassen, dann wird es böse, weil Sie dann wirklich jeden kleinen kritisierten Haarschopf oder so etwas von der Art viel zu ernst nehmen. Das geht nicht. Man muss da sieben. Wo haben die Kritiker das Gleiche an Kritikpunkten, was wir hier im Team auch haben, denn wir haben ja montags zum Beispiel auch externe Kritiker, Ressortchefs, Chefredakteure von Zeitungen da, die uns kritisieren - und auch sehr hart kritisieren. Wir haben, glaube ich, hier eine sehr kritische Redaktion auch. Wir wissen selbst ziemlich genau, wann etwas nicht so hundertprozentig gelaufen ist. Wir haben aber eben erreicht, ein Premium-Produkt aus der Sendung zu machen. Wenn Sie die Top-Marke sind in einem Segment, bedeutet dass natürlich, dass Sie sich dann einer besonderen Begutachtung stellen müssen. Dass da natürlich auch immer die Kritik viel härter ist, weil einfach die Begutachtung schon viel intensiver ist als bei den nachfolgenden Marken - das ist nun mal so.

In Ihrer übernächsten Sendung werden Sie die US-Senatorin und Gattin von Ex-US-Präsidenten Clinton, Hillary Clinton, zu Gast haben - eine Frau, eine öffentliche Person, eine Politikerin. Bahnt sich da eine besondere Begegnung an?

Ich bin sehr gespannt auf die Begegnung. Und ich hoffe, dass es eine Begegnung zumindest dreier Frauen wird - nämlich CDU-Chefin Angela Merkel, Hillary Clinton und meiner Wenigkeit. Beide Frauen schicken sich ja möglicherweise an, einmal das höchste Regierungsamt in ihrem jeweiligen Land zu übernehmen. Ich würde beide gerne dazu befragen. Damit zusammen hängt ja nicht nur die Frage einer 'anderen' Politik, die Frauen möglicherweise machen, sondern für beide Länder wäre es wieder ein großer Schritt, wenn sie es akzeptieren könnten, einen weiblichen Regierungschef zu haben. Ich weiß nicht, welches Land ist als erstes bereit. Bei welchem Land werden die Konstellationen als erstes so sein, dass es so kommen könnte. Man stelle sich vor, es säßen eines Tages eben nicht George Bush und Gerhard Schröder da, sondern es säßen zwei Frauen bei einem deutsch-amerikanischen Gipfeltreffen. Das finde ich eine hoch spannende Idee, muss ich sagen!

Es gibt eine Gemeinsamkeit zwischen Ihnen Drei, dass man nämlich - oder dass frau - eine extrem öffentliche Person ist. Nun hat das für Leute, die nicht von einer Art Öffentlichkeitssucht getrieben sind, natürlich auch immer eine Seite, die man 'Fluch' nennen könnte, denn es gibt eigentlich nichts wirklich Privates mehr. Wie gehen Sie damit um? Offensiv? Oder versuchen Sie sich abzuschirmen?

Zum Glück musste ich die meiste Zeit meines Lebens nicht damit umgehen, weil Berlin eine sehr entspannte Stadt ist. Ich glaube, hier halten sich viele für prominenter als die Berliner sie wirklich sehen. Ich mache die Erfahrung, relativ ungestört leben zu können und deswegen habe ich auch überhaupt keine - wenn man sie überhaupt so nennen will - 'Prominentenprobleme', was diese Öffentlichkeit angeht. Es gibt Situationen im Leben, wo ich mich entscheiden musste, wie gehe ich damit um. Lasse ich etwas mit mir geschehen, was dann die Boulevardpresse mit mir machen würde - mich nämlich langsam 'sezieren', Stück für Stück und ins Privatleben hineinzuschauen oder lasse ich das nicht mit mir geschehen. Ich habe immer natürlich ganz gerne ein Stück Privatleben für mich. Das ist das Einzige, was eben nicht öffentlich ist! So wie man manchmal am Ende eines Interviews auch gerne noch ein paar Geheimnisse hätte, so hätte man noch gerne noch einen Begriff von 'privat', der auch als solcher gelebt werden kann.

Werden Sie über dieses Thema mit Frau Merkel und Frau Clinton auch reden?

Ja.

Wie offen werden die Beiden sein? Die wollen vielleicht auch noch ein Stück Privatheit am Ende des Interviews haben!?

Es ist ja so, dass Hillary Clinton sich ja schon zu ihrem Privatleben geäußert hat. Sie hat dazu auch ein Buch geschrieben und sie hat in verschiedenen amerikanischen Medien jetzt dazu auch Stellung genommen. Es wird überhaupt kein Hauptbestandteil dieser Sendung sein, sondern es ist natürlich mal eine Frage, wie geht man mit Öffentlichkeit im Normalfall um? Wie geht man damit um, dass man sich daran gewöhnen muss? Ich weiß, dass das bei Frau Merkel, zum Beispiel, auch ein Punkt ist, wo sie immer sagte, 'ich mache hier meine Arbeit, was soll ich hier ein besonderes 'Styling' haben; ich mache doch nicht etwas nur für die Öffentlichkeit'. Man muss sich daran gewöhnen es doch zu tun. Das heißt, es beginnt so harmlos und kann enden in solch schwierigen Situationen wie die, die Hillary Clinton durchgemacht hat.

Nun hat Prominenz ja glücklicherweise auch noch ein paar positive Seiten - zum Beispiel die, dass man sie ganz gezielt für bestimmte gesellschaftliche Interessen einsetzen kann, für die man sich verwenden möchte. Bei Ihnen ist es seit zehn Jahren UNICEF. Sie sind seit sechs Jahren, glaube ich, auch UNICEF-Botschafterin. Warum gerade UNICEF? Es hätte auch ein Tierschutzverein sein können oder Greenpeace oder Terre des Hommes oder Amnesty International, wofür Sie sich engagieren.

Es gibt unter anderem UNICEF. Es gibt auch noch 'Reporter ohne Grenzen' und es gibt auch noch mehrere andere Organisationen, für die ich mich engagiere.

Aber doch ganz besonders für UNICEF, oder?

Ja, ganz besonders UNICEF. Ich glaube, bei UNICEF hat das einfach etwas mit meiner Zeit der Fliegerei zu tun . Ich war ja sieben Jahre lang bei Lufthansa. Ich habe in der Zeit sehr viele Projekte kennen gelernt, die ich damals noch privat unterstützt habe, wo wir kleine Gruppen hatten, die immer wieder nach Südafrika gekommen sind. Man war ja immer wieder in dem betreffenden Land. Später, nach den ersten Kontakten zu UNICEF-Mitarbeitern, die ich kennen gelernt habe, habe ich dann irgendwann beschlossen, die werde ich tatsächlich unterstützen. Die Kontakte waren sehr früh da. UNICEF hat dann irgendwann gefragt, ob ich denn nicht mehr nur einfach so sporadisch mitarbeiten möchte, sondern ins Komitee gehen möchte und 1997 kam die Botschaftergeschichte und dann folgte eigentlich eins aufs andere.

Wäre das nicht eigentlich auch ein Thema für Ihre Sendung - zum Beispiel aus Anlass des 50. jährigen Bestehens der deutschen Sektion am kommenden Montag?

Wir haben diese Themen immer wieder gemacht. Wir machen sie bestimmt einmal im Jahr - auf ganz unterschiedliche Art.

Die Steuerreform ist auf alle Fälle öfter Thema!

Ja, aber man kann auch nicht ein Thema nehmen, auf die Gefahr, dass die Leute dann abschalten. Man möchte ja, dass die Leute zuschalten. Wenn die Zuschauer sich sagen, jetzt diskutieren die zum sechsten Mal 'Gewalt gegen Kinder' - ich glaube nicht, dass wir damit den Zweck erfüllen würden, sondern wir brauchen den Aufmerksamkeitsgrad ja auch dafür. So etwas passiert nicht unbedingt, wenn gerade 50-Jahr-Feiern sind, sondern wenn politische Entscheidungen anstehen, die uns dazu drängen etwas zu tun und deutlicher zu machen in der Öffentlichkeit, wir sind dagegen oder wir sind dafür und das sind für uns wichtige Zeitpunkte. Ich glaube, wir haben z.B. zwei oder drei Irak-Sendungen gemacht, bei denen es auch um das Leiden der Kinder ging. Einmal war meine Botschafterkollegin, die Schauspielerin, Vanessa Redgrave dabei, die die Rolle von UNICEF ganz deutlich gemacht hat, die auch den Punkt ganz deutlich gemacht hat, was mit den Kindern ohnehin schon vor dem Krieg durch die Sanktionen geschehen ist, in welch schwieriger Situation sie leben. Wir bauen den Aspekt 'Situation von Kindern' immer wieder ein und wir machen das Thema explizit meistens ein bis zwei Mal im Jahr.

Sie haben in Ihrer Rolle als Botschafterin für UNICEF Mozambique besucht, waren in Afghanistan, Anfang Mai im Irak - was nehmen Sie von solchen Reisen mit außer Betroffenheit?

Am wenigsten Betroffenheit - die am wenigsten! Sondern am meisten ist das Gepäck eigentlich mit praktischen Projekten gefüllt. Das ist der wichtigste Grund hinzufliegen. Wissen Sie, ich glaube, ich habe über die Jahre so viele Slums und so viel Elend kennen gelernt, ich kann da auch keine Abstufungen vornehmen, wo es am schlimmsten war, welches Ereignis schlimmer war - die Flut in Mozambique oder der Krieg im Irak. Was ich mitnehme von solchen Reisen ist ganz konkret: Wo geht unser Geld hin? Was machen wir damit? Wie können wir sinnvoll unterstützen? Ist Unterstützung überhaupt sinnvoll? Es gibt ja überall die regionalen Arbeitsgruppen von UNICEF und die nationalen. Aber da, wo das Geld der deutschen Spender hingeht, setzen wir das sinnvoll ein, setzen wir es vernünftig ein und meine Reisen dienen dieser Überprüfung. Und gleichzeitig kommt hinzu - wie in Afghanistan oder im Irak - das ich natürlich auch um Spenden werbe. Für uns war es ganz wichtig, damals in Afghanistan, direkt nach Beendigung der Kämpfe da zu sein, um der deutschen Öffentlichkeit zu sagen: 'Seht her, so sieht es aus in dem Land und wir brauchen das Spendengeld'.

Und das kann eben breitenwirksam nicht 'Lieschen Müller' - sondern da muss dann schon jemand kommen, der einen Namen hat. Da ist dann eben Prominenz doch mal etwas ausgesprochen 'Sachdienliches'?

Ja, weil eine 'Lieschen Müller', um bei dem Namen zu bleiben, wird nicht ins 'Morgenmagazin' eingeladen. Nein, dafür muss man einfach einen prominenten Namen einsetzen - solange man ihn hat! Danach kann ich mich einreihen in die Gruppe der 8000 freiwilligen UNICEF-Helfer, die wir haben.
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