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20.2.2005
"Die Brüder Brasch"
Eine deutsche Geschichte
Von Ralph Gerstenberg

Thomas Brasch bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises, 16.1.1982. (Bild: AP)
Thomas Brasch bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises, 16.1.1982. (Bild: AP)
Der Satyr Marsyas hat es gewagt, den Kunstgott Apollo zum öffentlichen Wettstreit im Flötenspiel herauszufordern. Diese Anmaßung bezahlt er mit dem Leben. Eitelkeit, Selbstüberschätzung oder der Triumph über das Mittelmäßige? Die Schindung des Marsyas ist eine Parabel auf die gewaltsame Züchtigung subversiver Kunst. "Vor den Vätern sterben die Söhne" wird Thomas Braschs Resümee der ihn erdrückenden DDR-Atmosphäre heißen. Seine Figuren messen die eigenen Erfahrungen an den propagierten "hehren Zielen" und scheitern. Am 19. Februar wäre der Schriftsteller und Übersetzer 60 Jahre alt geworden.

Thomas und Peter Brasch sind Söhne eines kommunistischen jüdischen Emigrantenpaares, das während der Nazi-Diktatur nach England emigriert war. 1976, im Jahr der Biermann-Ausbürgerung, ging Thomas Brasch mit seiner Lebensgefährtin Katharina Thalbach in den Westen. Sein Bruder, der Kinderbuch- und Hörspielautor Peter Brasch blieb in der DDR. Beide wollten sich nicht abfinden mit Zuständen im geteilten und später im geeinten Deutschland, verweigerten sich den Moden und hielten an gesellschaftlichen Utopien fest. Weggefährten und Freunde erzählen von ihren Begegnungen mit dem früh verstorbenen Bruderpaar.
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