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1.3.2005
Vom Exil im Exil
Porträt des "größten Satirikers" der Emigration
Von Uta Beiküfner und Judith Heitkamp

Hermann Borchardt (1888-1951) gilt als bekannter Unbekannter, er war Studienrat, Schriftsteller, Mitarbeiter Bertolt Brechts, Freund von George Grosz. Der Nazis wegen ging er in die Sowjetunion, kehrte enttäuscht zurück, wurde in insgesamt drei Konzentrationslager deportiert und schaffte schließlich mit zerschlagener Hand und zerschlagenem Trommelfell die Flucht ins amerikanische Exil.

In seinem Lagerbuch berichtet er schonungslos vom sadistischen Alltag im KZ, in dem auch die Häftlinge sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen. Viele, die sich an der Vorstellung einer echten Solidarität unter den Gefangenen festgeklammert haben, werfen ihm das als Verrat vor.

Im Exil kommt es immer wieder zu heftigen Brüchen mit alten Freunden, oft wegen politischer Differenzen, manchmal wegen Plagiatsstreitigkeiten. Brecht bricht den Kontakt zu seinem einstigen Mitarbeiter ab. Der findet neue Freunde und lästert mit Grosz über die alten. Borchardt berät die Kongressabgeordnete Claire Booth-Luce, verfasst Dramen und schreibt einen 2000-Seiten Roman, "Die Verschwörung der Zimmerleute". Erfolg hat er damit zu Lebzeiten nicht.

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