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18.1.2005
Piratenschiffe für Poetry
Eine unsentimentale Reise durch Londons upperclass & lowerground-Bühnen
Von Bernd Kempker

Um in einem der Londoner Poetry Venues wahrgenommen zu werden, muss man außergewöhnlich sein. Keltische Dichterschamanen konkurrieren mit William Blake-Epigonen, der letzte Cockney sprechende Bohemien mit einer britisch-pakistanischen Drag-Queen, ein Immer-noch-Punk mit gescheitelten Cambridge-Absolventen. Alle unmöglichen Exzentriker und Ethnien der Insel frequentieren Londons Bühnen für die darstellende Dichtkunst. "Performed Poetry" gehört im Londoner Westend fest zum etablierten Entertainment-Angebot.

Ganz anders im Eastend oder Brixton, wo nach wie vor ein Gefühl von Underground lebendig ist. Besonders in Kriegszeiten wie dieser.

Überstrahlt wird die Szenerie von Salina Salivas wöchentlicher Radioshow in Londons erstem freien Künstlerradio Resonance FM. Salina ist die Madonna der britischen Performance Poetry, und via Internet kann man auch aus Deutschland zuhören, wenn sie all die Dichter und Performer in ihre Show einlädt, die sonst nur in den Ecken und Winkeln von London auftreten, mit immer größerem Erfolg.

Selbst die arrivierten Dichter der "Page Poetry" schielen seit kurzem auf die theatralischen Fähigkeiten der "Stage Poets" und haben so ihre eigene Performance erheblich verbessert. Doch niemals würden sie es öffentlich zugeben.
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