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23.1.2005
Warum fahrt ihr das ganze Zeug zu den Juden?
Eine Freundschaft zwischen Leipzig und Riga
Von Nadine Dietrich

Lettische Haupstadt Riga (Bild: AP)
Lettische Haupstadt Riga (Bild: AP)
Ein Fernsehbeitrag ließ Sybille und Reinhard Enders 1993 den Atem anhalten: der Film zeigte, dass ehemalige lettische Angehörige der Waffen-SS eine Rente aus Deutschland bekommen, Überlebende des Holocaust dagegen nicht. Sie hatten es verpasst, in den 50er Jahren ihre Rentenanträge in Bonn zu stellen. Das Pfarrerehepaar aus Leipzig schrieb einem der Überlebenden, Alexander Bergmann, und bot ihm eine Rente an. Er lehnte ab. Also fuhren die Leipziger hin - vor zehn Jahren zum ersten Mal und seitdem, unterstützt von Freunden jedes Jahr wieder: mit Lebensmitteln, Kleidung und Medikamenten.

Doch vor allem hilft den Überlebenden, dass die Leipziger ihnen zuhören. In Lettland würde man sie nämlich am liebsten ignorieren. Die lettische Beteiligung am Judenmord passt nicht in das Selbstbild der Nation. "Ich würde niemals in einer lettischen Schule über mein Schicksal sprechen, ich habe Angst", sagt Alexander Bergmann, der mehrere Konzentrationslager überlebte. In deutsche Schulen gehe er dagegen gern. "Die Leipziger haben mir ein anderes Deutschland gezeigt, eines, das bereut, eines, das mitfühlt".
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