WortSpiel - ZeitReisen
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Samstag • 19:05
5.3.2005
"Imaginäre Realitäten"
Gedankenkräfte - oder vom Wunsch, Berge zu versetzen
Von Josef Schnelle

Was bewirkt die Kraft der Gedanken? (Bild: dradio.de/Andreas Lemke)
Was bewirkt die Kraft der Gedanken? (Bild: dradio.de/Andreas Lemke)
Gibt es tatsächlich Fälle, in denen der Geist Materie direkt zu beeinflussen vermag? Verbogene Löffel, Stühle, die durch die Luft fliegen, Würfel, die so fallen, wie der Verstand es erzwingt? Physik und Psychologie beschäftigen sich wissenschaftlich mit dem Phänomen: Können wir allein mit unserem Willen Berge versetzen?

Szene aus "Star Wars":
Luke: Also, das glaub ich einfach nicht.
Yoda: Darum versagst du … Konzentriere dich, fühle wie die Macht fließt. Guuut ruhig, jaaa

Steine zum Schweben bringen, Raumschiffe aus dem Sumpf heben, Berge versetzen - allein mit Gedankenkraft, das ist im Kino keine große Sache. Meister Yoda, der putzige Chef der Jedi-Ritter in der "Star Wars"-Serie, beklagt höchstens den Mangel an Konzentration, wenn seinem Jünger Luke Skywalker wieder einmal ein Stein vor der Zeit herunterfällt. Telekinese ist in der Welt der Filmfantasie so unspektakulär, dass sie nur noch eine Vorübung für die Beherrschung mysteriöserer Mächte ist - ein Spiel, Training, esoterisches Jogging.

Szene aus "Star Wars":
Yoda: Beherrschung, Beherrschung, lernen musst du Beherrschung zu üben

Doch wie steht's wirklich um den Traum von der Zaubermacht des Willens über die Dinge? Gibt es tatsächlich Fälle, in denen der Geist Materie direkt zu beeinflussen vermag? Verbogene Löffel, Stühle, die durch die Luft fliegen, Würfel, die so fallen, wie ein starker Wille es erzwingt, Steine von Geisterhand geworfen. Walter von Lucadou, Physiker und Psychologe, Chef der parapsychologischen Beratungsstelle in Freiburg, forscht seit vielen Jahren mit seriösen wissenschaftlichen Methoden dem Phänomen hinterher. Können wir allein mit unserem Willen Berge versetzen?

Lucadou: Wir wissen nicht wie groß die Berge sein können. Gegenwärtig können wir nur kleine Krümel hochheben, und die nur unzuverlässig und immer dann, wenn wir's geschafft haben, dann ist es schon vorbei.

"Gedankenkräfte konnten den Zug nicht aufhalten." Unter dieser Überschrift landete vor ein paar Jahren der Bericht über ein fatales Selbstexperiment in der Spalte "Kurioses" der Tageszeitungen. Ein Mann war von einem Zug überfahren worden. Am Bahndamm fand man sein Tagebuch. Ein paar Ereignisse in seinem Leben hatten den Mann davon überzeugt, dass er allein durch Geisteskraft Gegenständen seinen Willen aufzwingen könnte. Der schwere Eisenbahnzug sollte der ultimative Test für die These sein, denn nur existentielle Angst, dessen war der Mann sicher, konnte die rätselhaften psychokinetischen Kräfte mobilisieren, die ihn beschäftigt hatten.

So wie in diesem Fall um Leben und Tod geht es bei der Psychokinese eigentlich selten. Unter all den Sparten der paranormalen Disziplinen ist die Idee von den Gedankenkräften, die Dinge in Bewegung setzen, die spielerischste. Sie erfordert keine Besuche aus dem Jenseits, ist weder mit Kräften des Himmels noch mit der Hölle im Bunde, verspricht auch keine tieferen Einsichten in die Natur der Zeit wie die Wahrsagerei und hat auch praktisch kaum einen Nutzen.

Andererseits handelt es sich bei dem Nachweis oder der Widerlegung psychokinetischer Phänomene um eine Art Grundlagenforschung. Gibt es tatsächlich und zweifelsfrei etwas, das uns die Physik nicht erklären kann? Dann ist doch wohl mehr möglich, als die Schulwissenschaften uns weismachen wollen. Der berühmte englische Physiker Michael Faraday hat zu dem Thema bemerkt:

Wenn durch die Kraft des Geistes auch nur ein Strohhalm bewegt werden könnte, so müsste unsere Auffassung vom Weltall geändert werden.

Müsste sie wirklich? Die Psychokineseforschung hat sich immer bemüht, seriös zu bleiben, nicht etwa die Wissenschaften frontal anzugreifen wie Wunderheiler oder Geisterseher. Sie hat sogar deren methodischen Ansprüche so weit wie möglich übernommen, Experimente entwickelt, Formeln vorgelegt, Skeptiker in ihre Forschung einbezogen. Und doch hat sie Scharlatane, Taschenspieler und Zauberkünstler angezogen wie kaum ein anderes Phänomen. Zu einer Art sportlichem Wettkampf zwischen Illusionskunst und Forschergeist.

Der Esoterikmarkt boomt. Der Bedarf, Scharlatane und falsche Sektenpropheten zu erkennen, die sich auf den Esoterikmärkten herumtreiben, ist immer weiter gestiegen. Lucadous parapsychologische Beratungsstelle in einem Freiburger Vorort wird vom Land Baden-Württemberg gefördert und ist Anlaufstelle für alle, die glauben, paranormale Erfahrungen gemacht zu haben oder die solche verarbeiten müssen. Freiburg im Breisgau ist durch Hans Bender, den inzwischen verstorbenen Vorkämpfer der wissenschaftlichen Erforschung der Parapsychologie, zur ersten Adresse in Sachen Grenzwissenschaften geworden.

Lucadou sieht sich als dessen kritischer Erbe. An der Wand seines winzigen Büros in einem unscheinbaren Bürgerhaus hängt eine Ahnengalerie der wichtigsten Protagonisten der Parapsychologie. Hans Bender schließt die Serie von kleinen gerahmten Photos am rechten unteren Rand ab. Dem nicht Eingeweihten sind die meisten Vorkämpfer der umstrittenen Wissenschaftsdisziplin unbekannt. Nur der Schweizer Psychiater C.G. Jung, der sich ,wie man weiß, sehr ausführlich mit PSI-Phänomenen beschäftigt hat, sticht heraus.

Das erste Bild der Serie stellt Franz Anton Mesmer dar, der im vorrevolutionären Paris des ausgehenden 18. Jahrhunderts versucht hatte, dem damals wie in allen Zeiten gesellschaftlicher Krisen sehr umtriebigen Aberglauben eine aufgeklärte Theorie des Übersinnlichen entgegenzusetzen. Er glaubte an ein allgegenwärtiges zwischenmenschliches "Fluidum", einen durch bestimmte Handbewegungen manipulierbaren Magnetismus, mit dessen Hilfe man Krankheiten heilen, aber auch eine sonst nicht erklärbare Kraft ausüben könne. Der vorfreudianische "Mesmerismus" hatte damals viele Anhänger, die allerdings oft seine aufklärerische Absicht leugneten und in spiritistischen Zirkeln landeten. Viele der Beobachtungen Mesmers aber kann man heute als frühe psychologische Forschung begreifen.

1882 wurde in Cambridge die "Society for Psychical Research" gegründet die sich der streng wissenschaftlichen Erforschung der PSI-Phänomene verschrieb, britische Premierminister und Schriftsteller sowie Naturwissenschaftler wie Madame Curie zu ihren Mitgliedern zählte und bis heute besteht. Psychokinese gehörte zu den bevorzugten Forschungsgegenständen der Gesellschaft. Man nahm sich vor, noch so abseitigen Phänomenen unvoreingenommen entgegenzutreten. In der Folge war man immer wieder mit Medien und deren übersinnlichen Fähigkeiten beschäftigt und damit herauszufinden, ob geschwindelt wurde oder nicht.

Der spektakulärste Fall aus den Annalen der "SPR" ist derjenige der sizilianischen Bäuerin Eusapia Palladino. Sie wurde zwischen 1893 und 1908 von verschiedenen Kommissionen untersucht, vor denen sie immer wieder unter kontrollierten Bedingungen Gegenstände bewegte. Sie ließ sich mit Stricken festbinden, führte im Unterschied zu anderen Medien, ihre Fähigkeiten auch bei hellem Tageslicht vor und ließ immer neue Vorsichtsmaßnahmen zu, die sie an Tricks oder Betrügereien hindern sollten. Einer der Forscher, Hereward Carrington, hatte gerade ein Buch veröffentlicht, in dem er die Betrügereien von Medien lückenlos aufzudecken versprach. Mit zwei ebenfalls skeptischen Kollegen sperrte er Eusapia Palladino in einen abgedunkelten Raum. Während des Experiments riefen sich die Forscher ständig zu, was sie gerade taten. Aus dem minutiösen Protokoll einer Sitzung:

Der kleine Tisch kommt unter dem Vorhang zu meiner Rechten hervor, die Füße zuvorderst. Ein Tischbein ist auf meinen Stuhl gestiegen.(Geräusch)

Sprecher 1: Ich kann alles sehr deutlich sehen.

Sprecher 3: Ich auch.

Sprecher 2: Der kleine Tisch will auf den Sitzungstisch steigen und fällt zurück.

Sprecher 1: Ich kann alle Hände über dem Tisch, aber in Entfernung von ihm sehen, ebenso die Füße.

Sprecher 3: Füße in Ordnung

Sprecher 2: Das Licht ist gut. Ich sehe, wie sich der kleine Tisch auf mich zu bewegt, als folge davon, dass ich mit meiner rechten Hand Bewegungen gegen ihn ausführe. Die linke Hand des Mediums hält meine rechte und ist gut sichtbar. Sie drückt mit ihrem linken Fuß auf meinen rechten.

Sprecher 1: Ihr rechter Fuß ruht fest auf dem meinen. Ich habe soeben mit meinen Händen die Zwischenräume zwischen ihren Zehen geprüft. Medium bittet Carrington den kleinen Tisch aufzuheben und aufrecht hinzustellen. 11 Uhr 52. Vollständige Levitation des kleinen Tisches.

Sprecher 2: Meine rechte Hand auf der Tischplatte, ihre linke auf der meinigen, ihr linker Fuß drückt stark auf meinen. Der Tisch erhebt sich etwa 30 cm in die Höhe.

Sprecher 3: Ich stelle fest, dass zwischen dem Medium und dem Tischlein keine Schnur oder sonstige Verbindung ist.

Der Mediumismus, die systematische Untersuchung von Medien und ihren Fähigkeiten, beschäftigte die Psychokineseforscher noch bis in die Dreißiger Jahre. Angeblich oder tatsächlich begabte Medien gingen auf regelrechte Tourneen zu Forschergruppen, die sich immer phantasievollere Versuchsanordnungen ausdachten. Eine Telegrafentastatur wurde mit einer Glasglocke umgeben und darüber noch eine Seifenblase ausgebreitet. Die blieb heil und trotzdem wurde eine Taste gedrückt. Alles nur Show?

Lucadou: Eusapia Palladino hat immer gesagt zu den Wissenschaftler. Wenn ich betrüge da bin ich nicht für verantwortlich. Das ist eure Aufgabe da aufzupassen. Und ich finde da hat sie Recht gehabt. Aber die hat natürlich zugelangt, wo es nur ging. Die wurde natürlich öfter beim Schwindeln ertappt. Und natürlich haben die Wissenschaftler die die Eusapia Palladino untersucht haben sich warm angezogen. Die waren nicht naiv. Da waren Zauberkünstler dabei, die wirklich was von ihrem Fach verstanden und die haben gesagt. Nee, in der Sitzung konnte sie nicht tricksen. Und trotzdem ist was dabei herausgekommen.

Der ständige Wettbewerb zwischen vermeintlich betrügerischen Medien und den Parapsychologen auf ihrer Spur ist eine der Konstanten in der Diskussion um die Existenz von Psychokinese geblieben. Allzu gerne hätten die Wissenschaftler endlich einen Beweis der psychokinetischen Kräfte in den Händen gehabt, aber über jeden Zweifel sollte er schon erhaben sein. Doch aus der methodischen Grauzone des Varietés kamen diese Versuche nie ganz hinaus. Paradoxerweise weil zu viele Menschen an deren Erfolg interessiert waren. Die Aufmerksamkeit war stets groß und die Zweifel an der Beweiskraft der Vorführungen, aber auch daran, dass alle Effekte nur auf Geschicklichkeit und Tricks zurückzuführen seien.

Anfang der 70er Jahre löste der israelische Illusionist Uri Geller im Zweiten Deutschen Fernsehen noch einmal eine wahre Hysterie aus, die an die historischen Versuche mit Medien erinnerte. Allein durch sanftes Streicheln versprach er, massive Löffel verbiegen zu können, und führte es im Fernsehen vor. Dann forderte er in der "Bild-Zeitung" die Deutschen auf, es ihm nach zu tun. Es ereigneten sich zahllose Folgephänomene, denen der Freiburger Parapsychologe Hans Bender mit einem Team hinterher jagte.

Kaum ein Medienereignis ist daher wissenschaftlich besser dokumentiert wie der "Geller-Effekt". Viele betrügerische "Mini-Gellers" wurden enttarnt. Aber es gibt auch den bis heute ungeklärten Fall einer Familie in Karlstadt bei Würzburg, bei der sich unter Polizistenaugen 56 Teile eines sorgsam gehüteten Tafelsilbers verformten. Uri Geller ein Scharlatan oder Auslöser einer psychokinetischen Epidemie?

Lucadou: Das Problem besteht darin . Er behauptet in allen seinen Schriften. Er sei echt. Jeder weiß und das bestreitet er auch nicht, dass er ne Ausbildung zum Zauberkünstler hat. Viele seiner Präsentationen vor allem im Fernsehen, da kann mir niemand was erzählen, denn ich kenn mich aus in der Zauberkunst. Das sind Standardtricks. Davon bin ich überzeugt, obwohl ich sie ihm nicht nachweisen kann. Ich kann ja da nicht reinplatzen. Es sind Standardtricks, die man überall kaufen kann. Er führt sie meisterhaft vor. Er ist wirklich ein total guter Entertainer. Ich hab ihn ja miterlebt wie er dann selber wie son großer Junge begeistert ist "Look Look" Trotzdem will ich nicht unfair sein. Er hat vor meiner Nase einen Löffel verbogen. Ich hab nicht rausgefunden wie er's gemacht hat.

Seine Popularität als Löffelverbieger nutzte Uri Geller dazu mit Website und angeschlossener Einkaufsmeile ein regelrechtes Esoterikimperium aufzubauen.

Lucadou: Hans Bender, der Nestor der deutschen Parapsychologie hat immer geglaubt, man könne durch gute Dokumentationen, also mit Kamera ausgestattet, Mikrophonen und allem diesen Phänomenen auf die Spur kommen und dann mit Sicherheit nachweisen: Das war jetzt Psychokinese. Also ich muss ehrlich sagen. Ich hab das vollkommen aufgegeben. ..Selbst wenn man die beste Dokumentation hat. Selbst wenn sie einem gelingen würde. Es gibt eigentlich keine. Es gibt eine Dokumentation von einem sich drehen Bild in einem Spuk-Fall. Rosenheim Ist ja bundesweit bekannt. Selbst wenn man sich das jetzt anschaut ist das Dokument nichts wert. Weil jeder sagen kann. Da hat doch jeder die Möglichkeit gehabt zu schummeln. Dass da nicht irgendjemand einen Faden installiert hat.

In Rosenheim zerbarsten 1967 Neonröhren, Sicherungen sprangen ohne ersichtlichen Grund heraus, Schubladen öffneten sich. Das alles geschah in einem Anwaltsbüro und brachte eine hektische Aktivität der Parapsychologen in Gang. Filmteams kamen. Eine junge Frau wurde als Ursache der "spontan wiederkehrenden Spontanpsychokinese" ausgemacht. Ein letzter Beweis fehlt auch hier.

Nicht umsonst spricht man auch vom "Poltergeist", wenn urplötzlich Gegenstände herum fliegen, Dinge zerbrechen oder ihre Konsistenz mit zum Teil explosiver Gewalt verändern. Es poltert mächtig, Küchengeräte und Möbel wackeln, Bilder fallen von der Wand und nie ist man sicher was eigentlich geschehen ist. Psychokineseforscher sind keine Geisterjäger, aber auch Walter von Lucadou wird rund einmal im Monat zu einem massiven "Spukfall" gerufen.

Lucadou: Der Spuk fängt dadurch an, dass was passiert, was die Leute nicht verstehen. Steine fliegen durch die Luft. Oder der Fernseher schaltet sich von allein ein oder aus. Wasserlachen entstehen. Oder Feuer entstehen. Und die Leute sagen immer. Wir waren's nicht ... Das Lustige ist, die Polizei wird geholt. Und die Polizei sagt, wir wissen nicht was es war. Die Fälle, wo man keine richtige Ursache findet, nehme ich einfach als gegeben hin und dann sag ich. Und dann sag ich , das hat was mit den Leuten selber zu tun. 50 - Es steckt ne Psychodynamik dahinter , wie bei den Versprechern und wenn man diese Psychodynamik kennt, dann kann man auf dieser Systemebene dieses Phänomen vollkommen vernünftig beschreiben und wenn man das gemacht hat, dann hörts auf zu spuken... 56 Wir betrachten das als sozialpsychopysikalisches Phänomen. So was wie so ein sozialpsychologisches Gewitter. Keiner weiß genau wies funktioniert. Aber es hat eine Botschaft. Es soll auf was hinweisen. Und wenn wir das herausgefunden haben hörts aus.

Handelt es sich also - egal wie die Effekte zu Stande kommen; durch vorsätzlichen Betrug oder Gedankenkraft - um Hilferufe nicht aus dem Jenseits sondern aus dem Unterbewusstsein wie bei den erwähnten freudschen Versprechern? Häufig sind bei den Poltergeistfällen pubertierende Jugendliche beteiligt, Krankheitsgeschichten und psychotische Hintergründe also leicht vorstellbar. Ist die Idee, Berge versetzen zu können, also nichts weiter als eine vielversprechende Fährte für den Analytiker?

Szene aus "Star Wars":
Yoda: Erleuchtete Wesen sind wir, nicht diese rohe Materie. Du musst sie fühlen die Macht, die dich umgibt.

Dass mehr als 100 Jahre Forschung und Enthusiasmus auf diesem Gebiet nicht so leicht beiseite zu schieben sind, lässt sich vor allem auf die Empiriker zurückführen. Wie holt man den Spuk ins Labor? Fragte sich in den 30er Jahren schon Joseph B. Rhine an der Duke Universität von North Carolina und läutete so die Etablierung der Parapsychologie als Universitätsdisziplin ein. Er wollte nicht länger den im Alltag vorgefundenen oder behaupteten Anomalien nachforschen sondern nachprüfbare Ergebnisse liefern. Mit systematischen Würfelexperimenten.

Lucadou: Die simpelste Idee war die von Josef Banks Rihne, der bereits in den 30er Jahren die Idee hatte. Wenn an der Vorstellung, dass Gedanken Berge versetzen können, was dran ist, dann lasst es uns doch einfach ausprobieren. Wie kann man das ausprobieren. In der Wissenschaft nennt man das Operationalisieren, in ein Experiment umgießen. Keine schwierige Idee. Es gibt doch viele Leute die Würfel spielen und es ist übrigens bekannt bei Glücksspielern, dass die alle son bisschen magische Vorstellungen haben ob sie ne sechs Würfeln oder ne eins. J.B Rihn hat dann ein Buch publiziert "The Reach of the mind" und er kam in diesem Buch zu dem Schluss, dass er mit wissenschaftlichen Methoden und absoluter Sicherheit nachgewiesen habe, dass es in der Tat Psychokinese gibt, dass also Menschen durch bloße Konzentration den Fall von Würfeln beeinflussen können.

So Bahn brechend J.B. Rihns Experimente auch gewesen sind. Leider sind Würfel denkbar ungeeignete Objekte für die Forschung, ganz abgesehen davon, dass das Milieu der Würfler sich wieder einmal gefährlich nahe am Spielermilieu des Varietees befindet, von dem man doch gerade loskommen wollte. Und so ist bei aller methodologischer Sorgfalt Rhines die Aussagekraft der Würfelexperimente noch heute zu bezweifeln. Fallen Würfel überhaupt zufällig? Oder sind sie in der Verarbeitung schon zu unterschiedlich? Welchen Einfluss hat die Wurftechnik des Spielers? Der Weg schien richtig, aber andere unbezweifelbare Zufallsprozesse mussten den Experimenten zu Grunde gelegt werden.

Lucadou: Dann kam Ende der 60er in den 70er Jahren ein deutsch-amerikanischer Physiker namens Helmut Schmidt auf die Idee einen anderen physikalischen Prozess zu benutzen um Psychokinese nachzuweisen und das war der radioaktive Zerfall.Nun kann man sagen ist ja auch nur ein Zufallsprozess. Aber der hat theoretische Vorteile. Denn nach allem was wir heute wissen, wissen wir, dass der radioaktive Zerfall wirklich zufällig erfolgt. Dass es also keine Methode gibt, den radioaktiven Zerfall vorherzusagen oder im einzelnen zu erzwingen.. Wenn es also eine Versuchsperson schaffen würde, den radioaktiven Zerfall zu beeinflussen durch bloßes Wünschen oder wollen, dann wär man aus dem Schneider.

Eine Metaanalyse von mehr als 600 Psychokinese -Experimenten mit radioaktiven Isotopen in derartigen "Schmidtmaschinen" ergab 1989 einen nachweisbaren robusten psychokinetischen Effekt, eine signifikante Abweichung von der Zufallserwartung. Grafisch beschrieben ist das keine große Sache.

Normalverteilungskurven und andere, die minimal davon abweichen. Aus den großen Varieteesensationen werden kleine wissenschaftliche Formeln, deren Dramatik nur derjenige erkennen kann, der sich ein Leben lang damit beschäftigt. Fliegenbeinzählen, Krümel statt Berge. Und dann ist der Effekt auch noch wenig stabil.

Wenn ich so ein Experiment mit Würfeln oder eine Schmidtmaschine mache. Dann erhalte ich zwar Abweichungen vom Erwartungswert. Aber je länger ich das Experiment mache, je öfter ich's wiederhole, desto kleiner wird sie und irgendwann geht sie weg. Nach einer bestimmten Gesetzmäßigkeit. Eins durch Wurzel aus N wobei N die Anzahl der Wiederholungen ist.

Je entschlossener man zupackt, umso mehr entzieht sich also das Phänomen. Das war schon bei der Analyse von Poltergeist und Spukphänomenen zu beobachten. Und es entspricht auch der allgemeinen Wahrnehmung. Phantome, die man wirklich berühren kann, wo kämen wir denn hin. Psychokinese ist wohl nicht einfach eine Einwirkung unbekannter geistiger Kräfte auf die Materie, weswegen auch physikalische Gesetze nicht neu gedacht werden müssen. Aber die Sehnsucht danach, Berge versetzen zu können, tausend Jahre zu einem Tag zu machen, die wird wohl nicht so leicht verschwinden.

Lucadou: Der Traum zu fliegen, der Traum, alles zu vermögen. Wir hätten überhaupt keine technische Entwicklung, wenn dieser Wunsch nicht im Menschen drinstecken würde.

Am Ende noch einmal die Frage: Berge versetzen durch Gedankenkraft - geht das? Die Antwort muss wohl lauten. Vielleicht. Aber ist das nicht schon genug? Den Toaster einschalten oder den Koffer heben werden wir damit nicht. Notfalls können wir uns ja immer noch an Meister Yoda halten:

Szene aus "Star Wars":
Luke: Meister, Steine in Bewegung zu setzen ist eins, aber das hier das ist etwas völlig anderes.

Yoda: Nein, in deiner Vorstellung nur. Vergessen musst du das, was früher du gelernt.

Luke: Also gut, ich werd es versuchen.

Yoda: Nein, tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen.



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