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Assad droht Israel mit Golankonflikt

Syriens Machthaber: Regierungstruppen wieder auf dem Vormarsch

Israels Militär trainiert auf den Golanhöhen (picture alliance / dpa / Atef Safadi)
Israels Militär trainiert auf den Golanhöhen (picture alliance / dpa / Atef Safadi)

Neben dem Libanon droht nun auch Israel in den syrischen Bürgerkrieg hineingezogen zu werden. Syriens Präsident Assad erklärte, sein Volk fordere, eine neue Widerstandsfront auf den Golanhöhen zu eröffnen. Zugleich beklagte sich Assad, es laufe ein Weltkrieg gegen sein Land.

Mehr als 80.000 Menschenleben hat der Bürgerkrieg in Syrien seit 2011 gefordert. Die Weltgemeinschaft hat auf dem diplomatischen Parkett seitdem nichts erreicht. Der Konflikt greift allmählich auch auf die Nachbarländer über. Israel nennt Präsident Baschar al-Assad als nächstes Ziel.

"Es gibt eindeutig öffentlichen Druck, eine neue Widerstandsfront auf dem Golan zu eröffnen", sagte Assad dem Fernsehsender der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah, Al-Manar. Als Grund für die angebliche Forderung führte Assad "mehrere Faktoren" an, darunter "wiederholte israelische Aggression". Israel hatte mehrfach Ziele in Syrien bombardiert und wollte damit nach eigenen Angaben Waffenlieferungen an die Hisbollah verhindern.

Waffenlieferung aus Russland

Israel hält die Golanhöhen im Grenzgebiet zu Syrien seit dem Sechstagekrieg 1967 besetzt; zuvor hatte Syrien das Gebiet einige Jahrzehnte kontrolliert. Mehrfach kam es seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs zu Zwischenfällen. Israel meldete mehrfach Beschuss der Gegend aus Syrien. Zudem wurden UNO-Blauhelmsoldaten, die an der Waffenstillstandslinie zwischen den verfeindeten Ländern im Einsatz sind, von syrischen Rebellen entführt.

Assad zeigte sich in dem Interview zuversichtlich, dass seine Truppen in Syrien siegen werden. "Es läuft ein Weltkrieg gegen Syrien", beklagte er. Dennoch sei er "sehr überzeugt vom Sieg". Die Hisbollah-Miliz kämpfe an der Seite der Regierungstruppen - das Kräfteverhältnis habe sich zugunsten der Armee verschoben. Nach Assads Darstellung sind inzwischen auch erste russische Luftabwehrsysteme vom Typ S-300 in Syrien eingetroffen. Im kommenden Jahr werde er für eine dritte Amtszeit kandidieren, falls die Syrer dies wünschten, sagte Assad.

Friedensverhandlungen in Gefahr

Im Juni soll eine Friedenskonferenz für Syrien in Genf stattfinden. Datum und Teilnehmer stehen noch nicht fest. Am kommenden Mittwoch treffen sich Vertreter der Vereinten Nationen, der USA und Russlands, um die Konferenz vorzubereiten. Daran nehme auch der UNO-Sondergesandte Lakhdar Brahimi teil. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) drängte die Assad-Gegner zur Teilnahme an der Konferenz. In einer Mitteilung forderte er das Oppositionsbündnis Syrische Nationale Koalition "nachdrücklich auf, eine geeinigte Opposition zu schaffen und konstruktiv an der geplanten Syrien-Konferenz teilzunehmen".

Das Bündnis hatte gestern bei ihrer Konferenz in Istanbul erklärt, sie könne nicht an den Friedensverhandlungen mit Regierungsvertretern aus Damaskus teilnehmen, solange das Regime von Präsident Assad und die libanesische Hisbollah-Miliz in Syrien Verbrechen verübten. Zudem beschloss die syrische Opposition die Aufnahme von 43 neuen Mitgliedern. Dazu gehören der Generalstab der Freien Syrischen Armee sowie meherere Gruppen, die den Auftand gegen Assad mit ausgelöst hatten. Die Wahl eines neuen Vorsitzenden und die Abstimmung über eine Übergangsregierung wurden verschoben.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr

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