Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Assads Truppen stürmen Hochburg des Protests

Syrien: Panzer rücken in Dschisr al-Schughur ein

Syrische Soldaten dringen in ein Dorf nahe Dschisr al-Schughur im Norden Syriens vor (AP)
Syrische Soldaten dringen in ein Dorf nahe Dschisr al-Schughur im Norden Syriens vor (AP)

Syrisches Militär hat die Stadt Dschisr al-Schughur gestürmt, die ein Schwerpunkt der Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad ist. Die Regierungstruppen sind laut Berichten von Einwohnern in der Nacht mit Panzern in die seit einigen Tagen eingekesselte Stadt vorgerückt.

Zuvor sei Dschisr al-Schughur wahllos von Panzern beschossen worden, hieß es in Berichten von Augenzeugen. Es habe zahlreiche Tote unter den Zivilisten gegeben. Die meisten der 50.000 Einwohner der Stadt waren in den vergangenen Tagen aus Furcht vor den heranrückenden Truppen geflohen. Ähnlich waren die Sicherheitskräfte auch in anderen Hochburgen des Protests vorgegangen.

In der Türkei sind inzwischen mehr als 5000 syrische Flüchtlinge eingetroffen. Am Sonntag kamen weiter Menschen über die Grenze, um Angriffen der Truppen des Machthabers Baschar al-Assad zu entkommen, wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Sie werden in Zeltstädten des Türkischen Roten Halbmondes untergebracht. Die türkische Regierung hat mehrfach versichert, dass sie die Grenze zu Syrien nicht schließen wird.

Immer mehr verdichtet sich das Bild, dass Assads Regime mit dem Rücken zur Wand steht. An der Erstürmung von Dschisr al-Schughur soll die gefürchtete 4. Division der "Republikanischen Garde" beteiligt gewesen sein, die von einem Bruder des Präsidenten befehligt wird, berichtet Felix de Cuveland im Deutschlandradio Kultur (Audio-Beitrag). Außenpolitisch stehe Assad vor einem Scherbenhaufen. Der französische Außenminister Juppé sprach ihm sogar die Legitimation ab, das Land weiter zu regieren.

Syriens Präsident Baschar al-Assad (AP)Syriens Präsident Baschar al-Assad (AP)Die USA haben die syrische Führung aufgefordert, die Gewalt gegen die eigene Bevölkerung sofort zu stoppen. Mit dem jüngsten Vorgehen im Norden des Landes zeige das Regime seine Geringschätzung für die Würde des Volkes, erklärte das Weiße Haus in Washington. Die Europäische Union strebt zusammen mit internationalen Partnern einen Sicherheitsrats-Beschluss gegen die Unterdrückung in Syrien an. In dem Land müsse auf die legitimen Forderungen der Menschen eingegangen werden, teilte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in der Nacht mit.

Amateurvideo aus der syrischen Stadt Daraa, die am 25.4. 2011 von Regierungstruppen besetzt wurde (AP)Amateurvideo aus der syrischen Stadt Daraa (AP)Seit Mitte März demonstrieren die Menschen in Syrien für mehr Freiheit und Mitbestimmung, gegen Korruption und staatliche Willkür. Die brutale Gewalt der syrischen Sicherheitskräfte gegen die Regierungskritiker dokumentieren die Aktivisten selbst in Form von Videoaufnahmen. Eine Opposition, die an Profil gewinnt, erste Abtrünnige innerhalb der Streitkräfte und grausame Videos getöteter Teenager - das syrische Regime kämpft nun an verschiedenen Fronten.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Syrische Opposition gewinnt an Profil: Erste Abtrünnige innerhalb der Armee

Resolutionen und Sanktionen wertlos - Fehler des Auslands mit Syriens Regime sind viel älter

Eskalation der Gewalt - Syriens Machtapparat geht rigide gegen Demonstranten vor

UNO schafft es nicht, Syrien zu verurteilen

Die Demonstrationen in Syrien bereiten der Türkei Sorgen

NATO darf nicht "Dauertüröffner für Regimewechsel" werden - CDU-Außenpolitiker Kiesewetter warnt vor Militärschlag gegen Syrien

Die Revolution, die keine wird - Die Krise in Syrien

Protestwelle erreicht Syrien: Einblicke in die aktuelle Situation im Land



Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Syrische Opposition gewinnt an Profil

 

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:42 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 11:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 11:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Islamexperte Ahmad Mansour"Antisemiten sind selbstbewusster geworden"

Ahmad Mansour, Psychologe und Programmdirektor der European Foundation for Democracy (Imago / Jens Jeske)

Der Islamexperte Ahmad Mansour fordert ein nationales Konzept für den Umgang mit Antisemitismus. Judenfeinde seien selbstbewusster geworden und hätten weniger Hemmungen sich zu äußern, sagte der Psychologe im Dlf. Den aktuellen Antisemitismus hält er für herkunftübergreifend.

Vor 30 Jahren Warum ein Verkehrsunfall zur Gründung der Hamas führte

Anhänger der Hamas demonstrieren am 14.12.2016 in Gaza-Stadt. (dpa / EPA / Mohammed Saber)

Ein tragischer Verkehrsunfall und Gerüchte waren der Auslöser für die Gründung der Hamas am 14. Dezember 1987. Seitdem kämpft die radikal-islamische Bewegung für das palästinensische Volk und "seine Freiheit, seine Rückkehr und seine Unabhängigkeit im Namen Gottes".

Anke Engelke über "Sowas wie Angst"Gefühle sind stärker als Statistiken

Die Schauspielerin und Autorin Anke Engelke schaut 01.12.2017 in Köln (Nordrhein-Westfalen) nach einem dpa-Gespräch im die Kamera. (zu dpa «Anke Engelke: «Habe mich als Kind schon supergern verkleidet»» vom 03.12.2017) Foto: Henning Kaiser/dpa | Verwendung weltweit (dpa)

In einer WDR-Dokumentation macht sich die Schauspielerin und Moderatorin Anke Engelke auf die Suche nach der Angst in unserer Gesellschaft. Sie sagt, die Kriminalstatistik könnte einem eigentlich die Angst nehmen, aber bei Vielen seien die Gefühle eben stärker.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Piketty-Studie  Einkommensverteilung wie 1913 | mehr

Kulturnachrichten

Tenor Bruce Rankin verstorben  | mehr

 

| mehr