Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Assange erwägt, sich Schweden zu stellen

WikiLeaks-Gründer beschuldigt USA einer "Hexenjagd"

WikiLeaks-Gründer Julian Assange auf dem Balkon der Londoner Botschaft Ecuadors (picture alliance / dpa / Kerim Okten)
WikiLeaks-Gründer Julian Assange auf dem Balkon der Londoner Botschaft Ecuadors (picture alliance / dpa / Kerim Okten)

Eine Ausreise nach Ecuador von der Londoner Botschaft aus scheint unmöglich, deshalb erwägt WikiLeaks-Gründer Julian Assange, sich unter Bedingungen nun doch Schweden zu stellen. Erstmals seit seiner Flucht in die Botschaft gab der Australier vom Balkon aus eine Erklärung ab.

Seit zwei Monaten sitzt der Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, Julian Assange, in der Londoner Botschaft Ecuadors fest. Das Land hat ihm Asyl gewährt und ermöglicht ihm so, dass er nicht nach Schweden ausgeliefert wird. Nun gab der Australier erstmals eine Erklärung auf dem Balkon der Botschaft ab. Doch London will ihn nicht ausreisen lassen. Vor Hunderten Zuschauern dankte Assange seinen Unterstützern in den beteiligten Ländern. Er forderte schließlich die USA auf, sie "muss ihre Hexenjagd auf WikiLeaks aufgeben". Auf seine persönliche Situation ging Assange aber nicht ein und streckte am Ende seiner Rede beiden Daumen nach oben.

Derweil erwägt der 41-Jährige, sich nun doch den schwedischen Behörden unter bestimmten Bedingungen zu stellen. "Es gibt eine gute Grundlage für Verhandlungen, unter dieser Angelegenheit einen Schlussstrich zu ziehen, wenn die schwedischen Behörden partout ohne Vorbehalte erklären, dass Julian niemals von den Schweden an die USA ausgeliefert wird", sagte ein WikiLeaks-Sprecher der Nachrichtenagentur AFP. In Schweden soll Assange zu Vorwürfen befragt werden, er habe zwei Frauen sexuell belästigt beziehungsweise vergewaltigt. Der Australier fürchtet nach eigener Aussage, im Fall einer Auslieferung an Schweden weiter in die USA überstellt zu werden.

Die Vorgeschichte

WikiLeaks hatte vor zwei Jahren Geheimdokumente des US-Militärs über den Krieg in Afghanistan öffentlich gemacht und den Zorn der USA auf sich gezogen. Seitdem tobt auf dem diplomatischen Parkett ein Streit über eine Sperrung der Internetseite. Schweden warf schließlich WikiLeaks-Gründer Julian Assange in einem umstrittenen Ermittlungsverfahren "minderschwere Vergewaltigung" von zwei Frauen vor und erwirkte via Interpol einen internationalen Haftbefehl. In London wurde Assange im Dezember 2010 verhaftet; die Briten sind ein wichtiger Verbündeter der USA.

Die ecuadorianische Botschaft in London, wo WikiLeaks-Gründer Julian Assange Asyl gesucht hat. (picture alliance / dpa / Facundo Arrizabalaga)Die ecuadorianische Botschaft in London (picture alliance / dpa / Facundo Arrizabalaga)Seitdem wehrt sich der 41-jährige Australier mit allen Mitteln gegen seine Auslieferung an Schweden. Er befürchtet, dass er von dort letztlich an die USA ausgeliefert wird, die ihn wegen der Enthüllung der Geheimdokumente zur Rechenschaft ziehen könnten. Assange flüchtete vor zwei Wochen in die Londoner Botschaft Ecuadors, die ihm Asyl gewährt hat. Verlässt er die diplomatische Vertretung Ecuadors, wollen die Briten ihn sofort festnehmen. Das südamerikanische Land, das Assange Asyl gewährt, protestiert mit seinen Verbündeten aufs Schärfste gegen das Vorgehen.

Diplomatisches Gezerre

Die Internetseite WikiLeaks ist in Stralsund auf einem Laptop zu sehen. (picture alliance / ZB)Die Internetseite WikiLeaks (picture alliance / ZB)Der Ton zwischen Großbritannien und Ecuador war in der vergangenen Woche rauer geworden. London hatte angedeutet, notfalls in die Botschaft des Landes eindringen zu wollen, um Assange festzunehmen und so seine internationalen Verpflichtungen zu erfüllen. Der britische Außenminister William Hague sagte später, es habe keine solche Drohung gegeben. Ecuadors Präsident Rafael Correa bezeichnete das Vorgehen Londons als "inakzeptabel, intolerabel, taktlos und rücksichtslos". Sein Land habe "eine souveräne Regierung, die vor niemandem niederkniet".

In der Konsequenz hatte Ecuador seine amerikanischen Partner bei dem Asylstreit um diplomatische Hilfe gebeten. Die Außenminister des südamerikanischen Staatenbündnisses Unasur wollen heute in der ecuadorianischen Metropole Guayaquil über den Fall beraten. Kommenden Freitag trifft sich in Washington die Organisation Amerikanischer Staaten zu einer Dringlichkeitssitzung.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:57 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Radionacht Information

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Meisterwerke von Manet in HamburgWie der Maler trickreich das Publikum bannte

Drei Frauen betrachten in der Hamburger Kunsthalle das Bild "Das Frühstück im Atelier" des Künstlers Edouard Manet. Die Ausstellung "Manet - Sehen. Der Blick der Moderne" wird vom 27. April bis zum 4. September.2016 in der Hansestadt gezeigt. (Foto: Axel Heimken / dpa)

Eine Schau mit 35 Gemälden des Malers Edouard Manet will Publikumsmagnet in Hamburg werden. Kunsthallen-Direktor Hubertus Gaßner erklärt, mit welchem Trick der Maler Kunstgeschichte schrieb.

Streiks in FrankreichKleine und mittlere Unternehmen fürchten um Existenz

Mitglieder der Gewerkschaft CGT blockieren den Zugang zu einem Industriegebiet in Vitrolles in Südfrankreich. (AFP / Boris Horvat)

Bei einer Befragung von 700 französischen Unternehmen gaben 70 Prozent der Firmen an, in Kürze schließen zu müssen. Der Grund: Die andauernden Streiks in Frankreich und die damit verbundene Ressourcenknappheit. Doch nicht nur viele Firmenchefs, auch immer mehr Angestellte fühlen sich mittlerweile als Geisel im eigenen Land.

"Meinen Hass bekommt ihr nicht"Bericht aus einer Welt des Schmerzes

Der Journalist Antoine Leiris, der seine Frau bei den Terroranschlägen im Pariser Bataclan verlor und darüber ein Buch schrieb. (AFP / Dominique Faget )

Der französische Journalist Antoine Leiris verlor bei den Anschlägen von Paris seine Frau. In dem Band "Meinen Hass bekommt ihr nicht" hat er notiert, was dieser Verlust für ihn und seinen zweijährigen Sohn bedeutet.

US-WahlkampfObama wirft Trump Ignoranz vor

KOMBO - US Pr (EPA)

US-Präsident Barack Obama hat sich beim G7-Treffen kritisch über den republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump geäußert. Der zeige sich gegenüber der Außenpolitik ignorant und interessiere sich eher für Schlagzeilen als für Strategien für Amerikas Sicherheit, sagte Obama. Doch Trumps außenpolitische Positionen sind nicht nur bei den US-Demokraten umstritten.

Graphic Novel "Der Beeinflussungsapparat"Ein Comic-Manifest erklärt die Medienwelt

Ausschnitt aus der deutschen Übersetzung der Graphic Novel "Der Beeinflussungsapparat", geschrieben von Brooke Gladstone und gezeichnet von Josh Neufeld (Correctiv / David Schraven)

Der Journalismus hat zurzeit Probleme mit seiner Glaubwürdigkeit. Ob die Medien sogar fremdgesteuert sind, ist Thema von "Der Beeinflussungsapparat". Die Recherchegruppe Correctiv hat die Graphic Novel aus den USA nun auf Deutsch herausgegeben.

ChinaAKW Hualong 1 für den Sudan

China exportiert Reaktortechnik und baut im Sudan das erste Atomkraftwerk des Landes. Für China ist das der Auftakt. Geplant ist der Export von 30 Reaktoren bis 2030.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Ise-Shima  G7-Gipfel berät über Klimapolitik | mehr

Kulturnachrichten

"Refugee" ist britisches Kinderwort des Jahres  | mehr

Wissensnachrichten

Großbritannien  VR-Brillen bringen Geschworene an Tatort | mehr