Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Asselborn will UNO-Mandat für Libyen

EU erwägt Sanktionen

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn (AP Archiv)
Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn (AP Archiv)

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn hat die internationale Gemeinschaft aufgerufen, das brutale Vorgehen der libyschen Führung gegen Demonstranten zu stoppen.

Was in dem Land geschehe, sei "Völkermord" in höchster Potenz, sagte Asselborn im Deutschlandfunk. Staatschef Muammar al-Gaddafi habe die Menschen gegeneinander aufgehetzt und zum Bürgerkrieg aufgerufen. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Welt zuschauen werde, wie Tausende Menschen abgeschlachtet werden.

Angesichts der unsicheren Lage in Libyen verlassen derzeit tausende Menschen das Land - viele fliehen nach Angaben von Hilfsorganisationen nach Tunesien und Ägypten. In Medienberichten heißt es übereinstimmend, die Straßen in Tripolis seien leer - wirklich gesicherte Informationen gibt es jedoch kaum noch. Der italienische Außenminister Franco Frattini erklärte inzwischen, Schätzungen über 1000 Tote in Libyen seien glaubwürdig. (mp3-Audio)

Die Außenbeauftragte der Europäischen Union, Catherine Ashton, erklärte, die EU sei zu Sanktionen bereit - falls die Gewalt in Libyen anhalte.

Jean Asselborn erklärte, Sanktionen seien nicht das richtige Druckmittel. Dies sei ein schwaches Wort für solche Phänomene. Nötig sei ein UNO-Mandat, um die Menschen zu schützen. Die Vereinten Nationen sollten beschließen, dass alle Flüge nach Libyen kontrolliert werden. Dadurch könne verhindert werden, dass weitere Söldner ins Land kommen können. Auch die Arabische Liga sei gefordert. Die Europäische Union könne innerhalb kurzer Zeit ein Einreiseverbot gegen Mitglieder des Gaddafi-Clans verhängen und Bankkonten einfrieren. Die Koordinatorin des Deutsch-Libyschen Wirtschaftsforums, Katrin Laskowski, forderte ebenfalls internationale Sanktionen gegen Libyen. Die Gewaltanwendung gegenüber den eigenen Bürgern sei ein "absolutes No-Go".

Der FDP-Außenpolitiker Rainer Stinner widerspricht dagegen der Forderung Asselborns nach einem Einschreiten der UNO in Libyen. Wer einen militärischen Einsatz fordere, müsse auch sagen, "welche Soldaten er hinschicken möchte". Stinner gestand aber ein, dass EU und UNO derzeit nicht über geeignete Hebel verfügten, das Morden zu beenden.

Familie Teusch aus Kassel verlässt den Ankunftsbereich des Flughafens von Frankfurt am Main, nachdem sie mit einer Sondermaschine der Lufthansa aus Tripolis gelandet war. (picture alliance / dpa)Flughafen Frankfurt: Deutsche Familie kehrt aus Tripolis zurück. (picture alliance / dpa)

Deutsche kehren aus Libyen zurück

Viele Staaten versuchen derzeit, ihre Bürger aus Libyen herauszuholen. Am Frankfurter Flughafen sind am Mittwochmorgen die ersten deutschen Passagiere angekommen, die aus Libyen ausgeflogen wurden. (MP3-Audio) Die USA wollen ihre Bürger mit Fähren auf die Mittelmeerinsel Malta bringen. Mit zwei Schiffen holt die Türkei rund 3000 Staatsbürger nach Hause.

Auch China und Indien wollen Landsleute ausfliegen. Wie es in Neu Delhi heißt, sollen rund 18.000 Inder aus Libyen ins Nachbarland Ägypten gebracht werden. Der chinesische Staatschef Hu Jintao und Regierungschef Wen Jiabao ordneten nach einer Krisensitzung erste Maßnahmen an. So sollen Schiffe von Staatsunternehmen vor die Küste des nordafrikanischen Staates geschickt werden. Schätzungen zufolge halten sich mehr als 30.000 Chinesen in Libyen auf.

Der UNO-Sicherheitsrat in New York fordert ein sofortiges Ende des Blutvergießens (MP3-Audio) und verurteilte das gewaltsame Vorgehen gegen Demonstranten in Libyen.

Gestern hatte Gadaffi im staatlichen Fernsehen erklärt, dass er als Revolutionsführer kein normaler Mensch und auch kein normaler Präsident sei. Bei seinem erneuten TV-Auftritt war Gaddafi wütend, schrie und schlug mehrmals mit geballter Faust auf einen Gegenstand, berichtet Peter Steffe im Deutschlandfunk. Notfalls werde er in Libyen als Märtyrer sterben, erklärte er. Schon in der Vergangenheit habe man Widerstand gegen westliche Staaten geleistet. Deshalb werde er auch diesmal nicht kapitulieren, betonte Gaddafi.

Libyens selbsternannter Revolutionsführer will weitermachen

Interview mit Geo-Redakteurin Riedle zur Situation in Libyen

Kommentar: Das Schweigen des Silvio Berlusconi



Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Libyens Diktator will weitermachen

 

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 06:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 06:00 Uhr Nachrichten

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

LebensmittelindustrieJunkfood und Mangelernährung in Südafrika

Ein Viertel aller südafrikanischen Kinder leiden unter Mangelernährung.  (picture alliance / Nic Bothma)

Viele arme Menschen in Südafrika ernähren sich von billigem Junkfood: Keksen, Chips und Maisbrei. Auch weil Nahrungsmittelkonzerne einheimische Lebensmittelproduzenten verdrängt haben.

HalbjahresbilanzDieselgate schrumpft VW-Gewinn

Logo von VW in Volkswagen reflektiert auf der Motorhaube eines VW-Autos (RONNY HARTMANN / AFP)

Die Dieselkrise zeigt immer noch Wirkung und drückt auf die Halbjahreszahlen von Volkswagen. Unter dem Strich sackte das Konzernergebnis im ersten Halbjahr um ein Drittel ab. Anders dagegen die wichtige Kernmarke VW-Pkw: Nach Verlusten im vergangenen Jahr, brachte sie immerhin wieder knapp 900 Millionen Euro Gewinn.

Kriminalpsychologie Medien sollten Glorifizierung von Tätern vermeiden

Heute erscheint sie mit Fotos: Die französische Tageszeitung "Le Monde" vom 27. November 2014 ( AFP / MATTHIEU ALEXANDRE)

Die französische Zeitung "Le Monde" will keine Gesichter von Terroristen mehr zeigen. Der Kriminalpsychologe Jens Hoffmann begrüßt diesen Schritt und mahnt die Medien zu mehr Zurückhaltung.

Sowjet-HippiesDie Blumenkinder der UdSSR

Plakat der Ausstellung "Soviet Hippies during the Cold War" im Wende Museum. (Deutschlandradio / Kerstin Zilm)

In den späten 60er-Jahren schwappte die Hippie-Bewegung vom Westen in die Sowjetunion. Die Zeugnisse der Hippie-Zeit sind weit verstreut und kaum geordnet. Das Wende-Museum archiviert nun kistenweise Fotos, Tagebücher, Konzertaufnahmen und Heimvideos.

Entscheidung des LandesarbeitsgerichtsFettleibigkeit als Kündigungsgrund

Eine Person in Arbeitshosen und Gummistiefeln geht an einer Reihe Blumentöpfe mit kleinen Blaufichten vorbei. Die Beine sind nur bis zum Oberschenkel zu sehen. (dpa / picture alliance / Sebastian Willnow)

In einigen Fällen kann es bei der Einstellung oder der Kündigung eine Rolle spielen, wie dick ein Arbeitnehmer ist, erklärte der Arbeitsrechtler Guido Weiler im DLF. So gebe es bei Polizeibeamten Anforderungen an den Body Mass Index. Im Fall des übergewichtigen Angestellten einer Gartenfirma einigten sich beide Parteien auf einen Vergleich.

Tarzan-FilmeWie Sprache das koloniale Weltbild ausdrückt

Der als Tarzan berühmt gewordene USA-Schauspieler Johnny Weissmuller (picture alliance / dpa / Gustav Unger)

"Pacy, Pacy, Kuja Hapa" - was reden die da eigentlich in den alten Tarzan-Filmen? Wir haben den Afrikanisten Guido Korzonnek gefragt: Ein koloniales Gemisch aus Siedler-Swahili und anderen Sprachen, sagt er. Der neue Tarzan-Film macht es besser.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

US-Demokraten  Clinton nimmt Nominierung als Präsidentschaftskandidatin an | mehr

Kulturnachrichten

ARD verändert Profil der Senderfamilie  | mehr

Wissensnachrichten

Südseestaat Tonga  Statt Sonnen lieber Skifahren bei Olympia | mehr