Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Asyl für verfolgte Homosexuelle

Wer wegen seiner sexuellen Orientierung bedroht wird, soll künftig in der EU Schutz finden

Verfolgte Homosexuelle können auf Asyl in der EU hoffen (AP)
Verfolgte Homosexuelle können auf Asyl in der EU hoffen (AP)

Bekennende Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender, die in ihren Heimatländern aufgrund ihrer Sexualität mit strengen Strafen rechnen müssen, können nach Ansicht einer EU-Gutachterin in Europa auf Aufnahme als Flüchtling hoffen.

Die Generalanwältin Eleanor Sharpston hat vor dem Europäischen Gerichtshof dafür plädiert, verfolgten homosexuellen Menschen Asyl in der EU zu gewähren. Die Behörden müssten dazu prüfen, ob die Betroffenen in ihren Heimatländern mit schweren Strafen oder anderer Verfolgung rechnen müssen, sollten sie ihre Sexualität offen ausleben. Ein Urteil wird erst in einigen Monaten erwartet. In den meisten Fällen halten sich die obersten europäischen Richter an die Empfehlungen ihrer Generalanwälte.

Asyl, wenn Menschenrecht verletzt wird

Drei homosexuelle Männer aus Sierra Leone, Uganda und dem Senegal hatten in den Niederlanden Asyl beantragt. Als Grund gaben sie an, wegen ihrer Sexualität verfolgt zu werden. In allen drei afrikanischen Ländern drohen den Männern schwere Strafen, zum Teil sogar lebenslange Haft. Die Strafbarkeit von homosexuellen Praktiken im Herkunftsland allein ist laut Sharpston jedoch noch kein Grund für Asyl. Vielmehr sei von den Behörden zu prüfen, ob ein Asylbewerber wegen seiner sexuellen Orientierung tatsächlich verfolgt oder durch Repressionen in seinem Menschenrecht verletzt werde.

Das niederländische Ministerium für Einwanderung und Asyl hatte die Auffassung vertreten, Ausländern sei es zuzumuten, sich "beim öffentlichen Ausleben ihrer Homosexualität" in den Herkunftsländern zurückzuhalten.

Homosexualität in 38 Ländern Afrikas strafbar

Genau in diesem Punkt widerspricht die Generalanwältin der Auffassung des niederländischen Ministeriums. Homosexuellen Menschen sei es eben nicht zuzumuten, dass sie ihre sexuelle Ausrichtung in der Heimat geheimhalten, um einer Verfolgung zu entgehen. Homosexuelle müssen nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen in vielen Ländern Afrikas mit Verfolgung rechnen. Nach Angaben von Amnesty International ist Homosexualität in 38 Staaten des Kontinents gesetzlich verboten.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Heilige Pflichterfüllung in der Duma - Kritik an Masse und Qualität der neueren Gesetze
Schwulenwitze als politische Botschaften - Ein Kölner Autor analysiert das Thema Homosexualität in der Fernsehserie "Die Simpsons"
Religiöser Hass gegen Schwule und Lesben - Homophobie unter Afrikas Glaubensgemeinschaften

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:14 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 08:50 Uhr Presseschau

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 08:50 Uhr Buchkritik

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 06:30 Uhr Hielscher oder Haase

Aus unseren drei Programmen

"Umvolkung"AfD lockt CDU-Politikerin nach Twitter-Entgleisung

Die sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla (privat / Laurence Chaperon)

AfD-Vize Beatrix von Storch lädt die umstrittene CDU-Abgeordnete Bettina Kudla nach ihrem "Umvolkungs"-Tweet zum Parteiwechsel ein. Und die Unions-Fraktion streitet heftig über den weiteren Umgang mit der Kollegin. "Twittert nicht gleich alles in die Welt!"

Zum Tod von Shimon Peres"Mahner für den Frieden"

Israelischer Ec-Präsident Schimon Peres (dpa / Jens Büttner)

Shimon Peres sei das "Gewissen Israels" gewesen, sagt unser ehemaliger Israel-Korrespondent Sebastian Engelbrecht. Der frühere israelische Präsident habe immer wieder zu neuen Anläufen bei den Friedensgesprächen mit den Palästinensern aufgefordert - auch in Zeiten der rechtsgerichteten Regierung.

Politische RhetorikAbscheu ist keine Lösung

Abscheu ist etwas Körperliches: Diese Frau ist angewidert von ihrem Getränk. (imago/Westend61)

Abscheu ist eine körperliche Reaktion auf etwas Widerwärtiges, ähnlich dem Ekel, und liegt damit im vorpolitischen Raum. Wer politische Positionen und Gegner verabscheut, verlässt den Raum der deliberativen Demokratie, meint der Journalist Alexander Kissler.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Israel  Trauer über den Tod des früheren Präsidenten Peres | mehr

Kulturnachrichten

Rechtsstreit um Gurlitt-Erbe zieht sich hin  | mehr

Wissensnachrichten

Plastikteilchen in der Umwelt  Jeder Waschgang ist ein Problem | mehr