Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Athen braucht noch mehr Zeit

Finanzminister der Euro-Zone beraten über Lösung

Griechisches Parlament will Haushalt für 2013 beschließen (picture alliance / dpa / Arno Burgi)
Griechisches Parlament will Haushalt für 2013 beschließen (picture alliance / dpa / Arno Burgi)

Grünes Licht für die nächste Tranche wird es wohl noch nicht geben - es seien noch eine Reihe von Fragen zu Griechenland offen, hieß es kurz vor Beginn des Finanzministertreffens der Eurogruppe in Brüssel. Die Troika hat zwar inzwischen ihren Bericht vorgelegt - der Tenor ist positiv. Aber: Das Land braucht zwei Jahre mehr Zeit.

Die Bundesregierung begrüßte den Beschluss des griechischen Parlaments zum Haushalt 2013. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe es "mit großem Respekt zur Kenntnis genommen", sagte Regierungssprecher Georg Streiter in Berlin. Zusammen mit dem vergangene Woche beschlossenen Sparpaket sei dies "eine große Kraftanstrengung insgesamt, die anzuerkennen ist, aber auch nicht zu früh kam". Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker lobte, das Parlament habe für ein "sehr ambitiöses" Reformprogramm votiert. "Jetzt liegt es an uns, zu liefern."

Die Minister müssen entscheiden, ob Griechenland die Bedingungen für weitere Hilfen erfüllt hat. Die nächste Hilfstranche umfasst 31,5 Milliarden Euro. Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums sagte, eine Entscheidung sei noch nicht zu erwarten, da vor einer neuen Auszahlung der Bundestag darüber abstimmen müsse. Dafür benötige man zudem den Troika-Bericht. Die Einschätzung des Stands der Reformen durch den Internationalen Währungsfonds, der Europäischen Zentralbank und der EU-Kommission liegt in seiner endgültigen Fassung noch nicht vor. Aber den Finanzministerien ging schon einmal der Entwurf zu, teilte Juncker mit. Der Bericht der Troika fällt nach Angaben von Juncker positiv aus.

Troika-Bericht: Griechenland soll zwei Jahre mehr Zeit bekommen

Juncker bestätigte, dass beim Euro-Finanzministertreffen keine endgültigen Beschlüsse zur nächsten Kreditauszahlung anstünden. Der Termin für eine weitere Sitzung stehe noch nicht fest, so Juncker. Er strebe an, vor dem EU-Sondergipfel am 22. und 23. November zu einer Entscheidung zu kommen.

Nach Medieninformationen geht aus dem Berichtsentwurf der Troika hervor, dass Griechenland für die Umsetzung seiner Sparziele zwei Jahre mehr Zeit erhalten soll. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur wird dies mit der wirtschaftlichen Rezession begründet, die schärfer sei als erwartet. Durch die Verschiebung müsse 2013/2014 eine Finanzlücke von 20,7 Milliarden Euro geschlossen werden.

Immer mehr und immer brutalere Übergriffe auf Ausländer

In Griechenland selbst leidet unterdessen der Lebensstandard der Normalbürger immer stärker. Ein Viertel der Erwerbsfähigen ist arbeitslos, unter den jungen Leuten sogar mehr als die Hälfte. Immer mehr Menschen können sich Güter des täglichen Bedarfs und Gesundheitsleistungen nicht mehr leisten. Vor diesem Hintergrund wird nun im dritten Jahr der Krise verstärkt vor zunehmenden Angriffen auf Ausländer gewarnt, die von einigen zu Sündeböcken gemacht würden. Die Zahl rassistischer Gewalttaten ist Menschenrechtsgruppen zufolge im vergangenen Jahr geradezu explodiert - mit einem bemerkenswerten Anstieg seit den Wahlen im Mai und Juni, bei denen die rechtsextreme Partei Chrysi Avgi kräftig zulegte. "Jeden Tag sehen wir jemanden, der über rassistische Gewalt klagt", sagte Nikitas Kanakis, Leiter der griechischen Sektion von Ärzten der Welt.

Mehr auf bei dradio.de

Reichste Menschen haben bisher "wenig zur Lösung der Krise beigetragen" - Grüner Europapolitiker Giegold fordert fairere Verteilung der Kosten statt Schuldenschnitt für Krisenstaaten
Kommentar: Die Hilfe hilft nicht - Griechisches Sparpaket verabschiedet
Sendepause in Griechenland - Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind im Dauerstreik
Fristverlängerung für Griechenland? Zeitungsbericht: Zwei Jahre mehr zur Budgetsanierung
Troika schlägt weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vor - Öffentliche Gläubiger sollen auf Forderungen verzichten

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:01 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 02:30 Uhr Zwischentöne

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

ZeitforschungImmer schneller, immer mehr

Der Soziologe Hartmut Rosa hält unsere Gesellschaft für krank: Weil wir in immer kürzerer Zeit immer mehr erreichen wollen, rauben wir uns Zeit und Zufriedenheit. "Das ist vollständig bekloppt," sagt Rosa.

Folgen des Vietnam-Kriegs"Unglaubliche Kränkung für die USA"

Da Nang, Süd-Vietnam  (imago)

Vor 40 Jahren endete der Vietnam-Krieg mit einer Niederlage für die USA. Danach habe sich das US-Militär zunächst auf die Position zurückgezogen, sich nie wieder auf "kleine Kriege" dieser Art einzulassen, sagte der Historiker Bernd Greiner im DLF. Dann kam Afghanistan.

Das PhilosophiemagazinAuf den Hund gekommen?

Kostümierter Hund bei internationaler Hunde-Show "Eurasia - 2015" (picture alliance / dpa / Evgenya Novozhenina/)

Martin Balluch ebnet den Gattungsunterschied zwischen Tier und Mensch ein. Kuksi heißt der Hund, der immer an seiner Seite ist. Für ihn und alle anderen Vierbeiner hat der Österreicher das Buch „Der Hund und sein Philosoph" geschrieben. Er plädiert für die juristische Anerkennung von Tieren.

RomanGanz weit draußen

Wolken, Sterne, Galaxien: Manchmal wünscht man sich ganz weit raus. So wie Jeanette in "Weiter als der Himmel", die hinter ihrem Teleskop das Unsichtbare sucht. Der Roman von Pippa Goldschmidt ist das perfekte Buch für den Moment, in dem du dich hinaus ins weite Weltall wünschst.

Unterwandert von rechtsNeonazis im thüringischen Kloster Veßra

Im Hennebergischen Museum Kloster Veßra besichtigen Besucher die denkmalgeschützte Anlage. (picture alliance / dpa / Martin Schutt)

Ein Dorf wird nicht einfach so rechtsradikal. Wie bestehende Strukturen gezielt unterwandert werden, zeigt das Beispiel Kloster Veßra in Thüringen. Dort hat ein rechter Aktvist das Dorfgasthaus übernommen und einen neuen Szenetreff aufgebaut.

EU-Flüchtlingspolitik"Organisierte Nichtverantwortung"

Ein Dutzend Flüchtlinge drängen sich auf einem kleinen Boot im Mittelmeer, bevor sie auf das Schiff der Küstenwache gelangen können. (picture alliance / dpa / Alessandro Di Meo)

Der Soziologie Ludger Pries glaubt nicht daran, dass sich die EU künftig mehr um Flüchtlinge kümmert. Die Beschlüsse des EU-Gipfels zeigten, dass es um Abschottung gehe, sagte er im DLF. Er macht Vorschläge, wie die EU zu einer besseren gemeinsamen Flüchtlingspolitik kommen kann.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Koalitions-Spitzentreffen im Kanzleramt:  Mindestlohn vorerst unverändert | mehr

Kulturnachrichten

Erdbeben auch kulturgeschichtliche Katastrophe  | mehr

Wissensnachrichten

Namensstreit  Hersteller darf seine Brennstoffzelle weiter "Kraftwerk" nennen - auch wenn die Band dagegen ist | mehr