Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Atomgespräche mit Iran vertagt

Kein Durchbruch nach dreitägigen Verhandlungen

Die EU-Außenbeauftragte Ashton in der Gesprächsrunde mit US-Außenminister Kerry (links) und Irans Außenminister Sarif (rechts) (picture alliance / dpa)
Die EU-Außenbeauftragte Ashton in der Gesprächsrunde mit US-Außenminister Kerry (links) und Irans Außenminister Sarif (rechts) (picture alliance / dpa)

Bei den Gesprächen über das umstrittene iranische Atomprogramm hat es keine Einigung gegeben. Teheran sei noch nicht zu notwendigen Zugeständnissen bereit, hieß es. Die Gespräche sollen am 20. November fortgesetzt werden.

Der erhoffte Durchbruch bei den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm ist ausgeblieben. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sagte nach Ende der Gespräche, es habe in einigen Punkten konkrete Fortschritte gegeben, aber es seien auch Differenzen geblieben. Es gebe eine gute Chance, in den nächsten Wochen eine Einigung zu erzielen, sagte der britische Außenminister William Hague dem Rundfunksender BBC. Die Verhandlungen zwischen den UN-Vetomächten USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschland und der EU mit Teheran hatten am Donnerstag in Genf begonnen.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius fordert ein klares Entgegenkommen des Iran (picture alliance / dpa / Jean-Christophe Bott)Frankreichs Außenminister Laurent Fabius in Genf (picture alliance / dpa / Jean-Christophe Bott)Frankreich erklärte, die vorgeschlagenen Maßnahmen gingen nicht weit genug. Außenminister Laurent Fabius sagte, Teheran sperre sich gegen eine Reihe von Zugeständnissen, die im Gegenzug für die Lockerung der Sanktionen gegen das Land nötig seien. Ein Knackpunkt der Verhandlungen ist die Urananreicherung. Fabius erklärte, der Iran solle einen großen Teil seines auf 20 Prozent angereicherten Urans auf ein Level von fünf Prozent verdünnen. Dadurch würde es viel schwieriger werden, es rasch in waffenfähiges Material umzuwandeln. Dagegen beteuert der Iran, dass sein Atomprogramm rein friedlichen Zwecken diene. Der Westen zweifelt daran unter anderem deshalb, weil Teheran Uran höher anreichert, als dies zur Energiegewinnung nötig wäre.

Fabius hatte im französischen Radiosender "France Inter" bereits erklärt, dass sich der Iran bislang weigere, Bauarbeiten an dem Reaktor in Arak einzustellen. Im kommenden Jahr könnte der Reaktor in Betrieb gehen und innerhalb eines Jahres genug Plutonium produzieren, um mehrere Atomwaffen herzustellen. Dafür bräuchte der Iran allerdings zusätzliche Anlagen zur Verarbeitung des Plutoniums, für deren Existenz die Internationale Atomenergiebehörde bisher noch keine Anzeichen sieht.

Teheran zieht "rote Linie"

Hassan Rohani(l.) und John Kerry (AFP / Emmanuel Dunand/picture alliance / dpa / ITAR-TASS / Alexandra Mudrats/)Hassan Rohani(l.) und John Kerry (AFP / Emmanuel Dunand/picture alliance / dpa / ITAR-TASS / Alexandra Mudrats/)Trotz der Differenzen spricht US-Außenminister John Kerry von einem "bedeutenden Fortschritt". Es gebe einige wichtige Themen, die nun ausgearbeitet werden müssten. "Wir sind den Franzosen dankbar für die Arbeit, die wir zusammen geleistet haben", sagte Kerry. Die Gespräche brauchten Zeit, weil das seit langem existierende Misstrauen zwischen dem Westen und dem Iran überwunden werden müsse. Kerry warnte, das Fenster für die Diplomatie werde aber nicht unbegrenzt offenstehen. "Die Uhr läuft." Der israelische Wirtschaftsminister Naftali Bennett kündigte an, bei US-Kongressmitgliedern eine Kampagne gegen die angestrebte Einigung starten.

Irans Präsident Hassan Rohani beharrt weiter auf dem Recht seines Landes auf Urananreicherung. Die Nutzung von Atomenergie gemäß internationalen Rechts sei eine "rote Linie", die nicht überschritten werden dürfe, sagte Rohani nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Isna im Parlament in Teheran.

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sagte, er hoffe, die Unstimmigkeiten würden auf dem nächsten Treffen beigelegt. "Wichtig ist, dass alle Seiten die politische Zielstrebigkeit und den guten Willen für eine Lösung haben. Wir haben den ersten Schritt unternommen und werden trotz der Differenzen weiter an einer Lösung arbeiten." Die Verhandlungen am 20. November sollen mit Ashton und Sarif fortgeführt werden. Anstelle der anderen Außenminister werden Unterhändler der jeweiligen Länder teilnehmen.

Aus Sicht des Politologen Jochen Hippler ist das Misstrauen zwischen dem Iran und dem Westen sehr groß. Bis beide Seiten auf einer vertrauensvollen Ebene ankommen, werde es noch dauern, sagte er im Deutschlandfunk.

Übergangslösung auf dem Tisch

Auf dem Verhandlungstisch liegt eine Übergangslösung, wie es aus Delegationskreisen hieß. Demnach soll Teheran sein Atomprogramm zunächst aussetzen. Im Gegenzug sollen einige der gegen das Land verhängten Wirtschaftssanktionen aufgeweicht oder auf ausländischen Bankkonten blockierte Gelder aus Öleinnahmen freigegeben werden. In einem zweiten Schritt soll dann über ein umfassenderes Abkommen verhandelt werden.

Wie wichtig die Verhandlungen den teilnehmenden Nationen sind, zeigt die Besetzung. In Genf sind mittlerweile die Außenminister aller fünf Vetomächte im UNO-Sicherheitsrat und Deutschlands vertreten. Geleitet wird die Runde von der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton.


Weiterführende Informationen:
"Ich sehe die neue iranische Außenpolitik nicht als Folge der Sanktionen" - Politikwissenschaftler zu den Atomgesprächen in Genf
Das Interview mit Frankreichs Außenminister Fabius auf France Inter

 

Letzte Änderung: 14.11.2013 23:12 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Müllers "Marshall-Plan mit Afrika""Die Entwicklungskräfte der Länder stärken"

Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller, CSU (picture-alliance / dpa / Rainer Jensen)

Entwicklungsminister Gerd Müller will den ärmsten Ländern in Afrika helfen. Es gehe aber nicht darum, den Staaten Milliarden zu geben, sondern sie gezielt und stärker zu fördern, sagte der CSU-Politiker im Deutschlandfunk. Als Beispiel nannte er eine Stärkung der Wertschöpfungsketten.

Oscars und Politik"Hollywood hat die Künstler mobilisiert"

Die Gewinner in den Kategorien beste Haupt- und Nebendarsteller: Mahershala Ali, Emma Stone, Viola Davis und Casey Affleck (v.l.n.r.) (AFP / FREDERIC J. BROWN)

Die Oscar-Nacht sei "extrem politisch" verlaufen, beschreibt Kirsten Niehuus vom Medienboard Berlin Brandenburg die Stimmung in Hollywood. Die Academy habe die Künstler zu politischem Engagement aufgerufen - Kunst und Film komme eine wichtige Bedeutung zu.

Reformation"Luther war ein heiliger Krieger"

Der deutsche Reformator Martin Luther nach einem Gemälde von Lucas Cranach. (dpa/picture-alliance/Backhaus)

Michael Lösch ist DJ, Schriftsteller und Pfarrerssohn. Er kann nicht verstehen, warum der Thesenanschlag gefeiert wird. Luther war aggressiv und mittelalterlich, sagt er. In seinem neuen Buch träumt er von einer Welt ohne den Reformator.

Vor dem Raser-Urteil in Berlin "Wir brauchen eine deutliche Abschreckung"

Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Kirsten Lühmann  (imago / Metodi Popow )

Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD im Bundestag, Kirsten Lühmann, hofft auf ein Gesetz gegen illegale Straßenrennen noch in dieser Legislaturperiode. Sie sagte im Deutschlandfunk, Differenzen gebe es lediglich darüber, ob die Regelungen im Strafgesetzbuch oder im Straßenverkehrsgesetz verankert werden sollen.

Mit Gruß von Orwell & HavelBig Brother still watching you!

Wandbild von "Big Brother": Szene aus der britischen Verfilmung von George Orwells "1984" in den 1950er-Jahren.  (imago / United Archives )

In den Zeiten von Trump und Putin können Bücher mehr als nur Trost spenden: George Orwells "1984" oder Václav Havels "Versuch in der Wahrheit zu leben" haben nichts von ihrer subversiven Aktualität eingebüßt, meint der Schriftsteller Marko Martin.

Staatsschutz und PressefreiheitDas "Cicero"-Urteil und seine Folgen

Im Bundesverfassungsgericht (BVG) in Karlsruhe wird bei der Urteilsverkündung in Sachen "Cicero" eine Ausgabe des Magazins in die Kamera des Fotografen gehalten. Das Bundesverfassungsgericht hat den Schutz der Presse gegen polizeiliche Durchsuchungen gestärkt.  (dpa / Uli Deck)

In letzter Instanz musste das Bundesverfassungsgericht entscheiden: War die Durchsuchung bei der Zeitschrift "Cicero" wegen möglichen Verrats von Dienstgeheimnissen rechtmäßig? Heute vor zehn Jahren fiel das Urteil - zugunsten der Pressefreiheit.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Türkei  Untersuchungshaft für Yücel - Merkel: "Bitter und enttäuschend" | mehr

Kulturnachrichten

Schauspieler Martin Lüttge gestorben  | mehr

Wissensnachrichten

Namensforschung  Du siehst aus, wie du heißt | mehr