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Attraktivitätsverlust für deutschen Wissenschaftsstandort?

Nach Karlsruher Urteil zur Juniorprofessur

Die Richter des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe, Evelyn Haas, Vorsitzender Hans-Jürgen Papier und Renate Jäger, von links, verkünden das Urteil über die Ökosteuer im Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe (AP)
Die Richter des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe, Evelyn Haas, Vorsitzender Hans-Jürgen Papier und Renate Jäger, von links, verkünden das Urteil über die Ökosteuer im Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe (AP)

Nach dem negativen Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Juniorprofessur warnen Wissenschaftler und Politiker vor einem Attraktivitätsverlust des deutschen Wissenschaftsstandortes. Um der Gefahr einer Vielfalt unterschiedlicher Regelungen zur Juniorprofessur zu begegnen, soll die Föderalismuskommission jetzt Vorschläge für bundeseinheitliche Regelungen machen.

Derweil sagte Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD), sie wolle nach dem ablehnenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur bundesweiten Einführung der Juniorprofessur umgehend eine Gesetzesnovelle für das Vorhaben auf den Weg bringen. Diese sei nötig, um die nun entstandene "Rechtsunsicherheit für junge Wissenschaftler zu beenden", sagte Bulmahn im Deutschlandfunk.

Zugleich hielt die Ministerin an ihrem Vorhaben fest, durch eine bundeseinheitliche Regelung jungen Wissenschaftlern bessere Karriereperspektiven zu ermöglichen. Wenn Deutschland nicht zu
vergleichbaren Regeln komme wie andere europäische Länder, laufe man Gefahr, "dass Deutschland für junge Wissenschaftler an Attraktivität verliert", sagte Bulmahn.
Interview mit Edelgard Bulmahn

"Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen"

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Peter Gaethgens, hat sich nach dem Urteil gegen die ersatzlose Abschaffung des Hochschulrahmengesetzes ausgesprochen. Dies wäre ein Fehler, sagte Gaethgens im DeutschlandRadio Berlin. Gleichzeitig sprach er sich für eine Reduzierung des Gesetzes auf "wenige, ganz essenzielle Punkte" aus. "Natürlich dürften die Länder das, was ein reduziertes Rahmengesetz frei ließe, nicht durch eine übermäßige Regelungsdichte ausfüllen", sagte Gaethgens. Er hoffe, dass Hochschulen dann über mehr Selbständigkeit in der Regelung ihrer eigenen Angelegenheiten verfügten.

Zugleich warnte Gaethgens vor einem "Flickenteppich von unterschiedlichen Regelungen", wenn die Zuständigkeit über die Juniorprofessur in die Hände der einzelnen Länder gelegt würde. "Es darf nicht so sein, dass etwas in einem Land möglich ist, was in einem anderen Land völlig unmöglich ist. Denn das würde die Mobilität, der Wechsel von einer in eine andere Universität innerhalb Deutschlands, unmöglich machen." Insgesamt seien die Erfahrungen mit der Juniorprofessur "überwiegend positiv".
Interview mit Peter Gaethgens

Forderung nach bundesweiten Bestimmungen

Der Wissenschaftsrat fordert nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Juniorprofessur bundesweite Bestimmungen für die Universitäten. "Der Zugang zu den Hochschulen, die Abschlüsse und die Personalstruktur bedürfen einer bundesweit geltenden Regelung", sagte der Generalsekretär des Wissenschaftsrates, Wedig von Heyden, der "Berliner Zeitung".

Das Gremium, das Bund und Länder in Fragen von Wissenschaft und Forschung berät, hat die Sorge, dass durch unterschiedliche Bestimmungen in den einzelnen Bundesländern die Mobilität von Wissenschaftlern eingeschränkt werden könnte. Wissenschaft sei aber auf Internationalität und Mobilität angelegt, sagte von Heyden. Die Föderalismuskommission zur Neuordnung der Zuständigkeiten von Bund und Ländern sollte jetzt Vorschläge für bundeseinheitliche Regelungen machen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:06 Uhr

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