Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Auch Assads Regierungschef kehrt ihm den Rücken

Riad Hidschab hat sich offenbar der Opposition angeschlossen

Syriens Ministerpräsident Riad Hidschab hat sich der Opposition angeschlossen.  (picture alliance / dpa /Youssef Badawi)
Syriens Ministerpräsident Riad Hidschab hat sich der Opposition angeschlossen. (picture alliance / dpa /Youssef Badawi)

Die Luft um den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad wird dünner: Nach zahlreichen hohen Militärs und Diplomaten soll sich nun auch sein Ministerpräsident Riad Hidschab ins Ausland abgesetzt haben. Dies gaben syrische Menschenrechtsaktivisten in Beirut und London bekannt. Mit Hidschab sollen auch noch drei Kabinettsmitglieder übergelaufen sein.

Hidschab und seine Familie befänden sich an einem sicheren Ort, sagte sein Sprecher. Damit bestätigte er Angaben von regierungskritischen Aktivisten, wonach der bislang ranghöchste Politiker in Syrien sich der Opposition angeschlossen hat. Die jordanische Regierung erklärte wenig später, Hidschab habe sich zusammen mit seiner Familie in das Nachbarland abgesetzt.

Ministerpräsident hat sich von "mörderischem Regime" losgesagt

"Ich erkläre heute, dass ich mich losgesagt habe von dem mörderischen und terroristischen Regime", heißt es in einer Erklärung Hidschabs, die ein Sprecher in seinem Namen im arabischen Fernsehsender Al Dschasira verlas. "Ich erkläre, dass ich von heute an ein Soldat in dieser gesegneten Revolution bin", heißt es in Hidschabs Stellungnahme. Allerdings verbreiteten die Staatsmedien kurz vor den Berichten über eine Flucht Hidschabs die Nachricht, dass dieser aus dem Amt entlassen worden sei. Ein Grund dafür wurde nicht genannt. Hidschab war erst zwei Monate im Amt. Sein Stellvertreter Omar Ghalawandschi soll vorübergehend die Amtsgeschäfte übernehmen.

Bombenanschlag in Damaskus

Rauchwolken über der syrischen Hauptstadt Damaskus (picture alliance / dpa)Rauchwolken über der syrischen Hauptstadt Damaskus (picture alliance / dpa)Die Kämpfe zwischen Aufständischen und Regierungstruppen in Syrien dauern derweil an. In der Hauptstadt Damaskus wurden bei einem Bombenanschlag auf ein Gebäude des staatlichen Fernsehens mehrere Menschen leicht verletzt. Informationsminister Omran al Subi machte Katar, Saudi-Arabien und Israel für den Anschlag verantwortlich. "Nichts kann die Stimme Syriens und des syrischen Volkes zum Verstummen bringen", sagte al Subi. "Wir haben Tausende Orte, von denen wir senden können." Syrien wirft den Golfstaaten und Israel vor, die Rebellen in ihrem Kampf gegen die Regierung von Präsident Baschar Assad zu unterstützen.

Der Anschlag war das jüngste in einer Reihe von Attentaten in Damaskus. Der für das Regime verheerendste hatte sich Mitte Juli ereignet, als vier Mitglieder von Assads innerstem Machtzirkel bei einem Anschlag in einem ebenfalls streng gesicherten Regierungsgebäude getötet worden waren. Das Attentat wirft auch neue Fragen darüber auf, wie groß die Kontrolle der Regierung über die Hauptstadt tatsächlich ist. Nachdem es im Juli in Damaskus zu heftigen Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen gekommen war, hatte die Regierung erst am Samstag behauptet, die Hauptstadt wieder vollständig unter ihre Kontrolle gebracht zu haben. Dennoch war es seither in einigen Vierteln zu Kämpfen gekommen. Zudem griffen Truppen des Assad-Regimes nach Darstellung der Opposition mehrere Stadtviertel in Aleppo an.

Interviews und Hintergründe zur Lage in Syrien auf dradio.de:

Lage in jordanischen Flüchtlingslagern ist erschütternd
- Menschenrechtsbeauftragter warnt vor Eskalation der Situation in Syrien

Reaktion auf Annan-Rücktritt in Syrien- Deutschland könnte aktive Rolle bei Vermittlung in Syrien spielen

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Lange Nacht

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Fazit

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Sahra Wagenknecht"Europa ist wesentlich unsozialer und brutaler geworden"

Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Sahra Wagenknecht. (Imago / Metodi Popow)

Nach dem britischen Votum für einen Brexit hat die Linken-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Sahra Wagenknecht, ein sozialeres Europa angemahnt. Gerade Regionen mit einer hohen Arbeitslosigkeit hätten für den Austritt aus der EU gestimmt, sagte sie im DLF. Der Sozialstaat dürfe nicht weiter zerstört, sondern müsse wiederhergestellt werden.

Reaktionen in den USADie Beziehung zu den Briten kühlt ab

US-Präsident Obama wirbt in einer außenpolitischen Rede in Hannover für einstarkes und geeintes Europa. (AFP PHOTO/ Jim Watson)

Washington reagiert besorgt auf das Brexit-Votum. Nicht nur zu Großbritannien wird die Beziehung der USA komplizierter, sondern auch zur EU. Innenpolitisch könnte allerdings einer profitieren.

Referendum als perfekter Serien-TwistGame of Brexit

Leave! Bei Game of Thrones wäre die Brexit-Abstimmung der perfekte Cliffhanger gewesen. Und wie in der Serie verlieren die Guten viel zu oft. Unser Autor Stephan Beuting ist trotzdem gaaanz leicht optimistisch.

Multimedia-ReportageGrimme Online Award für Deutschlandradio Kultur

Tausende Sizilianer zogen in den 1960er-Jahren nach Solingen, um dort zu arbeiten. Was wurde aus ihrem Heimatgefühl, was aus ihren Träumen? Darum geht es in der ausgezeichneten Multimedia-Reportage.

Der Grimme Online Award geht unter anderem an eine Multimedia-Reportage vom Deutschlandradio Kultur. "Trappeto-Solingen-Trappeto" erzählt von Zuwanderern aus Sizilien, die nach Solingen kamen.

EU-Austritt Großbritanniens"Schotten könnten Unabhängigkeit vom Königreich verlangen"

Graham Watson, Vorsitzender der Liberalen-Fraktion im Europäischen Parlament (ALDE) (imago stock & people)

In Schottland hat es beim Referendum eine große Mehrheit für den Verbleib in der EU gegeben. Wenn die Engländer nun auf den EU-Austritt bestünden, dann könnte es dazu kommen, dass es kein Vereinigtes Königreich mehr geben werde, sagte Graham Watson, britischer Abgeordneter der Liberaldemokraten im EU-Parlament, im DLF.

BayernVom Freistaat zum freien Staat?

Sogenannte "Schellenrührer" ziehen am beim Faschingstreiben in Mittenwald durch den Ort. Mit dem Lärm der großen Kuhglocken sollen nach altem Brauch die bösen Wintergeister ausgetrieben werden. (dpa / picture alliance /  Angelika Warmuth)

Bayern ist zwar nicht Großbritannien - doch für mehr Unabhängigkeit vom Bund sprechen sich rund 40 Prozent der Bayern aus. Folgt nach dem Brexit bald der bayerische Ausstieg?

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Brexit  Schulz fordert Austrittsantrag Großbritanniens für Dienstag | mehr

Kulturnachrichten

Homosexuelle wollen vor türkischer Botschaft protestieren  | mehr

Wissensnachrichten

Evolution  Haare, Federn und Schuppen haben ziemlich viel gemeinsam | mehr