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Auch Deutschland stoppt Grippeimpfstoff

Weiße Partikel sorgen für Unsicherheit

Möglicherweise handelt es sich um Verklumpungen von Bestandteilen des Impfstoffs selbst (picture alliance / dpa /DB Novartis Behring)
Möglicherweise handelt es sich um Verklumpungen von Bestandteilen des Impfstoffs selbst (picture alliance / dpa /DB Novartis Behring)

Nach Italien und der Schweiz haben nun auch deutsche Behörden Grippeimpfstoffe des Novartis-Konzerns teilweise aus dem Verkehr gezogen. Erklärt wurde der Schritt mit einer Maßnahme zur Risikovorsorge.

In Langen teilte das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) mit, die Freigabe für vier Chargen des Impfstoffes Begripal und eine Charge des Impfstoffes Fluad werde zurückgenommen. In manchen Ampullen hätten sich "Ausflockungen" gezeigt. Zwar seien diese in Deutschland selbst bislang nicht beobachtet worden, zur Risikovorsorge würden die betroffenen Chargen dennoch zurückgerufen. "Diese Maßnahme dient dem Schutz der Patienten vor möglichen schweren Nebenwirkungen", betonte PEI-Präsident Klaus Cichutek. Wenn es zu Nebenwirkungen komme, dann träten diese innerhalb weniger Stunden nach der Impfung auf, heißt es im Bericht unserer Korrespondentin Katharina Wilhelm. Dabei könne es sich möglicherweise um Schockzustände ähnlich allergischer Reaktionen handeln.

Als erstes Land hatte am Mittwoch Italien reagiert. Das Gesundheitsministerium in Rom und die Pharmaziebehörde Aifa erklärten, es gehe um "möglicherweise gesundheitsgefährdende Qualitätsmängel". Bislang seien allerdings keine Beschwerden bekannt geworden. In Ampullen waren weiße Partikel nachgewiesen worden.

Vermutlich sind es Verklumpungen des Impfstoffs selbst

Als Reaktion darauf sei auch in der Schweiz ein Auslieferungsstopp angeordnet worden, bestätigte die Zulassungs- und Kontrollbehörde für Heilmittel Swissmedic in Bern. Die Schweizer Experten erklärten, vermutlich handele es sich dabei um Verklumpungen von normalen Bestandteilen des Impfstoffs. Man gehe davon aus, "dass Personen, die in der Schweiz bisher geimpft wurden, gesundheitlich nicht gefährdet sind", teilte Swissmedic weiter mit.

Auch in Österreich sind die Behörden alarmiert. Laut eines Gutachtens von Novartis sind die Partikel in den Impfstoffen unproblematisch. Man wolle dies aber selbst prüfen, sagte die Sprecherin des österreichischen Gesundheitsministeriums, Sigrid Rosenberger; das könne bis zu drei Wochen dauern. Ärzten sei allerdings empfohlen worden, bis auf Weiteres auf andere Hersteller umzusteigen: "Dies ist eine reine Vorsichtsmaßnahme, Hinweise auf eine Gefährdung für Patienten liegen derzeit nicht vor."

Novartis versucht zu beruhigen

Novartis-Chef Joseph Jimenez beteuerte, die Impfstoffe seien sicher und wirksam. Die in Italien hergestellten Mittel seien in mehrere Ländern Europas und Asiens exportiert worden, erklärte er bei einer Pressekonferenz zur Vorstellung der Novartis-Quartalszahlen in Basel. Die betroffenen Chargen habe Novartis bereits in Italien identifiziert und dort gar nicht erst ausgeliefert. Das spreche für die Qualitätssicherung des Konzerns. Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts hat sich Novartis bereit erklärt, die betroffenen Chargen in Deutschland unverzüglich zurückzurufen.

Begripal hatte in Deutschland erst kürzlich für Aufmerksamkeit gesorgt. In Bayern, Schleswig-Holstein und Hamburg hatte Novartis mit dem als kostengünstig gepriesenen Impfstoff eine Ausschreibung der Krankenkassen gewonnen, worauf diese Exklusivverträge mit dem Konzern abschlossen. Doch Anfang Oktober teilte Novartis mit, den fraglichen Impfstoff vorerst nicht liefern zu können. In den Regionen kam es zu Engpässen, obwohl die Kassen den Exklusivvertrag aussetzten. Über Engpässen bei der Belieferung mit Grippeimpfstoff wird auch in der Schweiz geklagt.

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Pharma-Multi mit großen Plänen- Teil 2 der Reihe "Schweizer Riesen": Novartis



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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:00 Uhr

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