Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Auch die Briten spähen Telefon und Internet aus

Medienbericht über weitreichende Datenabschöpfungen des Geheimdiensts

Das Hauptquartier des GCHQ in Cheltenham (Archiv) (picture alliance / dpa / Barry Batchelor)
Das Hauptquartier des GCHQ in Cheltenham (Archiv) (picture alliance / dpa / Barry Batchelor)

Die PRISM-Affäre setzt sich offenbar in England fort. Nur dort heißt sie Tempora. Einem Medienbericht zufolge zapft auch der britische Geheimdienst GCHQ Telefon- und Internetkabel an. Die deutsche Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger fordert rasche Aufklärung.

Wie die britische Zeitung "Guardian" berichtet, besteht das Programm mit dem Namen "Tempora" seit etwa eineinhalb Jahren. Demnach zapfen die Geheimdienstler Glasfaserkabel an, durch die der transatlantische Datenverkehr abgewickelt wird. Die Informationen dürften bis zu einem Monat lang gespeichert werden. Große Mengen von persönlichen Informationen wurden offenbar an die US-Behörde NSA weitergegeben.

Der britische Geheimdienst Government Communications Headquarters (GCHQ) arbeitet seit Jahrzehnten mit der National Security Agency eng zusammen. Laut dem Zeitungsbericht erfolgt die Spähaktion der Briten mit Hilfe von privaten Firmen. Deren Namen wurden allerdings nicht genannt. Sie seien per Gerichtsbeschluss zur Zusammenarbeit gezwungen worden und müssten die Anordnungen geheim halten, hieß es. Die Enthüllung dürfte den Druck auf die britische Regierung erhöhen, zu erklären, wie sie Daten sammelt und nutzt.

Leutheusser-Schnarrenberger: "Alptraum à la Hollywood"

Angesichts der Dimensionen des Spähprogramms forderte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) rasche Aufklärung gefordert. "Die Vorwürfe gegen Großbritannien klingen nach einem Alptraum à la Hollywood", sagte die Ministerin in Berlin. "Die Aufklärung gehört sofort in die europäischen Institutionen." Sollten die Vorwürfe zutreffen, wäre das eine Katastrophe.

Offizielle Strafanzeige gegen Snowden in den USA

Der 29-jährige frühere CIA-Techniker Edward Snowden steckt hinter den Datenenthüllungen über den Geheimdienst NSA (Praxis Films / Laura Poitras / Youtube)Der 29-jährige frühere CIA-Techniker Edward Snowden steckt hinter den Datenenthüllungen über den Geheimdienst NSA (Praxis Films / Laura Poitras / Youtube)Der "Guardian" beruft sich auf Dokumente, die ihm vom früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden zugespielt wurden. Der 29-Jährige war Angestellter der Servicefirma Booz Allen Hamilton und arbeitete für die NSA. Die US-Regierung stellte gegen ihn inzwischen Strafanzeige. Sie wurde vor einer Woche im Staat Virginia eingereicht und wird weitgehend unter Verschluss gehalten. Demnach wird Snowden unter anderem Diebstahl von Regierungseigentum und der Verrat von Informationen über die Landesverteidigung vorgeworfen. Aus US-Kreisen verlautete zudem, die Behörden bereiteten einen Auslieferungsantrag an Hongkong vor. Dort soll sich Snowden verstecken.

Snowden hatte in diesem Monat weltweit für Aufregung gesorgt, weil er dem "Guardian" und der "Washington Post" Informationen über ein US-Spähprogramm namens "Prism" zuspielte.
Dabei werden mit Hilfe von Internetkonzern große Mengen von Daten ausgewertet.


Mehr zum Thema auf dradio.de

Ströbele: "Die Frage ist, was lassen wir uns da gefallen"- Grünen-Politiker kritisiert Überwachung durch NSA im Internet>
US-Botschafter: Deutsche haben zu hohe Erwartungen in Obama gesetzt- US-Diplomat betont positive Leistungsbilanz des US-Präsidenten
Big Boss is watching you- Der Datenhunger der amerikanischen Geheimdienste und Unternehmer

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:13 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 20:05 Uhr Freistil

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 19:00 Uhr Ab 21

Aus unseren drei Programmen

Rittel/Karwelat: "Frauenprotokolle aus der Colonia Dignidad"Schockierende Einblicke in eine sadistische Sekte

Cover von "Lasst uns reden. Frauenprotokolle aus der Colonia Dignidad" von Heike Rittel und Jürgen Karwelat. (EFE/EPA/Mario Ruiz/Schmetterling Verlag)

Sie mussten Misshandlungen und Folter ertragen – und viele schauten weg. In "Lasst uns reden" von Heike Rittel und Jürgen Karwelat berichten Frauen über den menschenverachtenden Alltag der Colonia Dignidad in Chile.

Europapolitik der Bundesregierung"Dieses Zaudern und Zögern ist gefährlich"

Der schleswig-holsteinische Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis90/Die Grünen) spricht in Neumünster bei einem Parteitag. (dpa / Carsten Rehder)

Europa drohe, zu verfallen, sagte Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, im Dlf. Das zögerliche Verhalten der Bundesregierung sei gefährlich, denn für etwas Neues stehe nur ein sehr knappes Zeitfenster zur Verfügung - es gehe um die Zukunft des Westens.

"Eldorado"-Regisseur Markus Imhoof"Das Erste ist, dass es um Menschlichkeit geht"

Eldorado-Protagonist Akhet Téwendé (v.l.n.r.), Regisseur Markus Imhoof und Eldorado-Protagonist Raffaele Falcone.  (Maurizio Gambarini/dpa)

Der Ist-Zustand Europas werde sich durch die Geflüchteten zwangsläufig verändern, meint Markus Imhoof. Das sei auch richtig, so der Regisseur. Für seinen Film "Eldorado" hat er die Mare-Nostrum-Mission zur Seenotrettung begleitet.

Reformprojekt EuropaEine Chance für die Kanzlerin

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Emmanuel Macron  (picture alliance/dpa/Foto: Kay Nietfeld)

Der französische Staatschef Macron profiliert sich mit Reformideen, die Bundeskanzlerin zögert. Doch trotz ihrer Differenzen wollen Paris und Berlin bis zum Sommer Vorschläge für eine EU-Reform vorlegen. Die Chance sollte Merkel nutzen, meint Peter Kapern.

Koschyk zu NordkoreaErfolg der internationalen Gemeinschaft

Hartmut Koschyk (CSU), Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten (imago / reportandum)

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat die Aussetzung seines Atom- und Raketenprogramms verkündet. Dass damit Bewegung in die verfahrene Lage auf der koreanischen Halbinsel gekommen sei, liege am Zusammenhalt der internationalen Gemeinschaft, erklärte CSU-Politiker Hartmut Koschyk im Dlf.

Eine Lange Nacht über Vorbilder in der MusikGlühend verehrt, schmerzlich entzaubert

Der amerikanische Trompeter und Bandleader Harry James  (picture alliance/dpa/Foto: Heinz-Jürgen Göttert)

Der amerikanische Jazztrompeter Harry James war einer der ersten Vorbilder für Trompeter Manfred Schoof. Für die Cellistin Tanja Tetzlaff war musikalisch gesehen Heinrich Schiff prägend. Vorbilder können fördern und fordern. Doch nicht jeder ist auch zum Vorbild berufen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Reaktionen auf die neue SPD-Vorsitzende  "Eine gewisse Tragik" | mehr

Kulturnachrichten

Brasiliens Kult-Regisseur Dos Santos gestorben | mehr

 

| mehr