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Auch Euro-Rettungsschirm von Herabstufung bedroht

US-Ratingagentur Standard & Poor's knüpft EFSF-Rating an Bonität der Euroländer

Mächtige Agentur: S&P (picture alliance / dpa - Justin Lane)
Mächtige Agentur: S&P (picture alliance / dpa - Justin Lane)

Auch der Rettungsschirm EFSF könnte von einer Herabstufung durch die US-Ratingagentur Standard & Poor's betroffen sein. Sollte einem oder mehreren Euroländern die Bestnote entzogen werden, würde S&P auch das derzeitige "AAA"-Rating des EFSF senken, teilte das Unternehmen mit.

Zuvor hatte Standard & Poor's die Überprüfung von 15 der 17 Eurostaaten angekündigt. Der Europa-Chefanalyst von Standard & Poor's, Moritz Kraemer, begründete die Maßnahme damit, dass in den vergangenen Wochen die systemischen Risiken in der Eurozone "deutlich zugenommen haben". Konkrete Politikempfehlungen gebe er jedoch nicht. Es müssten aber "Maßnahmen ergriffen werden, die geeignet sind, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen".

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble forderte angesichts der Drohung der Ratingagentur rasches Handeln. Im Hinblick auf den EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag sei die Ankündigung der Agentur "eine zusätzliche Bestätigung, dass wir alles daran setzen müssen, zu einem guten Ergebnis zu kommen". In Brüssel müssten überzeugende Entscheidungen getroffen werden, um eine Stabilitätsunion zu schaffen, betonte der CDU-Politiker bei einer Podiumsdiskussion in Wien.

Der Bundesrepublik droht der Entzug der Bestnote AAA und die Abwertung um eine Stufe, was Kredite am Markt teurer machen kann. Als Grund nannte Standard & Poor's die verschärfte Krise der europäischen Gemeinschaftswährung. Unkoordiniertes und unentschlossenes Handeln der Politiker in der Eurozone sei ebenfalls ein Grund für die Entscheidung, so die Ratingagentur. Neben Deutschland haben Frankreich, die Niederlande, Finnland, Luxemburg und Österreich in der Eurozone die Bestnote von "AAA".

Kritik an Ratingagenturen wegen Herabstufung

Die Ratingagenturen stehen seit geraumer Zeit wegen der Herabstufung der Kreditwürdigkeit einiger Länder in der Kritik. "Ratings orientieren sich viel zu eng an der aktuellen Marktentwicklung", bemängelt der Chefvolkswirt der Allianz-Gruppe, Michael Heise. Er hält es nicht für sinnvoll, dass einzelne Institute "so weit reichende Entscheidungen" haben, dass sie auch die europäische Integration beeinflussen könnten.

Der amtierende EU-Ratsvorsitzende und Ministerpräsident von Luxemburg, Jean-Claude Juncker (AP)Jean-Claude Juncker übt Kritik an Ratingagenturen. (AP)Als maßlos überzogen und ungerecht kritisierte der Vorsitzende der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, die Ankündigung von Standard & Poor's. Der luxemburgische Premierminister setzt angesichts der Schuldenkrise auf eine rasche Reform der EU-Verträge - und unterstützt damit die Haltung von Merkel und Sarkozy. Falls der Gipfel Ende der Woche die nötigen Beschlüsse fasse, könnten die Vertragsänderungen bis März unter Dach und Fach sein, sagte Juncker. Der schottische EU-Abgeordnete Graham Watson bezeichnete die angedrohte Herabstufung der Kreditwürdigkeit mehrerer Euroländer als grundlos.

IWF gibt weitere Notkredite für Griechenland frei

Unterdessen gab der Internationale Währungsfonds weitere Kredite in Höhe von rund 2,2 Milliarden Euro für Griechenland frei. In der vergangenen Woche hatte die Eurogruppe bereits 5,8 Milliarden Euro nach Athen überwiesen. Wegen seines hohen Haushaltsdefizits und einer schrumpfenden Wirtschaft kann sich das Land derzeit nicht an den Märkten refinanzieren.

Die Schuldenkrise und ihre Auswirkungen auf die Demokratie

Irland, Portugal, Slowakei, Griechenland, Spanien, Italien, jetzt auch Slowenien: Die Eurokrise lässt reihenweise gewählte Regierungen aus dem Amt stürzen. In Rom und Athen stehen nun Technokraten an der Spitze, Finanzexperten, die sich keiner demokratischen Wahl stellen mussten. Die Bevölkerung wurde nicht gefragt. In Zeiten der Krise macht die Demokratie erst mal Pause, analysiert der DLF-"Hintergrund".

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:46 Uhr

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