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"Aus altruistischen Motiven"

Regierung streitet über Verbot von Sterbehilfe

Ein Angehöriger leistet einem unheilbar Kranken Beistand (picture alliance / dpa)
Ein Angehöriger leistet einem unheilbar Kranken Beistand (picture alliance / dpa)

Das Verbot von Sterbehilfe ist neues Streitthema in der Regierung. Die schwarz-gelbe Koalition ist sich uneinig darüber, wie weit die Neuregelung gehen soll. Die Bundesärztekammer lehnt eine Lockerung der Regelung strikt ab.

Nach dem Freitod von Fußballlegende Timo Konietzka streiten Union und FDP über ein Verbot der Sterbehilfe. Einig sind sich die beiden Parteien nur darin, dass Geschäfte damit verboten und bestraft werden sollen. Es geht um sprachliche Nuancen mit weitreichenden Folgen.

Die Debatte gewann mit dem Freitod des ersten Torschützen der Fußball-Bundesliga, Timo Konietzka, an Fahrt. Er starb am Montag im Alter von 73 Jahren in der Schweiz. Dort nahm er Sterbehilfe in Anspruch, weil er unheilbar an Gallenkrebs litt.

Streit um Profit mit Sterbehilfe

Die FDP warnt vor einer grundsätzlichen Strafandrohung gegen Beihilfe, da die Selbsttötung an sich straffrei sei. "Wir wollen niemanden strafrechtlich belangen, der aus altruistischen Motiven und ohne jede Gewinnerzielungsabsicht Menschen in auswegloser Lage berät", sagte der Bundestagsabgeordnete Michael Kauch der Zeitung "Die Welt". Mit Angeboten zur Sterbehilfe sollten "keine finanziellen Profite" gemacht werden. Weitergehende Forderungen lehne seine Partei ab.

Genau darauf drängt aber die CDU. Sie will Sterbehilfe gegen Geld grundsätzlich verbieten. Anders als die Liberalen wollen die Christdemokraten nicht unterscheiden, was finanzieller Profit ist und was nicht. Es reiche nicht aus, "das Verbot ganz eng auf die gewerbsmäßige Sterbehilfe einzugrenzen", sagte der niedersächsische Justizminister Bernd Busemann (CDU) der Zeitung.

Das von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) geführte Bundesjustizministerium müsse in einem Gesetzentwurf gewährleisten, "dass auch tatsächlich alle Fälle einer bezahlten Sterbehilfe unterbunden werden", sagte Busemann. Gestoppt werden müssten so alle "Strategien, bei denen die Kriterien der Gewerbsmäßigkeit unterlaufen werden".

Mehrheit der Ärzte gegen Sterbehilfe

Die Ergebnisse einer Blutuntersuchung können die Diagnose erleichtern. (Stock.XCHNG - Wojciech Wolak)Ärztepräsident Montgomery: Mediziner wollen keine Sterbehelfer sein (Stock.XCHNG - Wojciech Wolak)Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery will die Sterbehilfe-Regelung nicht lockern. "Die Delegierten des Deutschen Ärztetages haben sich zu mehr als zwei Drittel sowohl gegen aktive Sterbehilfe, also das Spritzen von Gift, als auch gegen den assistierten Suizid, also das Überreichen von Giftcocktails, ausgesprochen", sagte der Präsident der Bundesärztekammer der "Rheinischen Post". "Unsere Position ist eindeutig: Als Sterbehelfer stehen wir nicht zur Verfügung."

Palliativmediziner fordern unterdessen Nachbesserungen in der Ausbildung der Mediziner. Die Behandlung von unheilbar Kranken mit chronischen Schmerzen müsse in die Approbationsordnung aufgenommen werden, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie, Gerhard Müller-Schwefe, im Deutschlandfunk.

Das Verbot und eine Bestrafung von gewerbsmäßiger Sterbehilfe ist im Koalitionsvertrag festgeschrieben. In Deutschland wird seit einigen Jahren kontrovers über das Thema diskutiert, auch weil es immer wieder zwielichtige Angebote gibt. Nach Medienberichten begleitete die Schweizer Sterbehilfe-Organisation Dignitas im vergangenen Jahr rund 35 Prozent mehr Menschen in den Freitod als 2010, nämlich 144. Nur fünf davon seien Schweizer gewesen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:48 Uhr

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