Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Aus Trümmern auf die Tartanbahn

Die Läuferin Zamzam Farah aus Somalia

Von Antje Diekhans

Von optimalen Trainingsbedingungen kann die Leichtathletin Zamzam Farah nur träumen.
Von optimalen Trainingsbedingungen kann die Leichtathletin Zamzam Farah nur träumen. (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)

Somalia kommt hierzulande als Rückzugsgebiet von Piraten vor. Im Land tobte ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg, dann folgte eine Hungerkatastrophe auf die nächste. In all diesem Chaos ist Zamzam Farah aufgewachsen. Die 18-jährige Athletin läuft in London über 400, 800 und 1500 Meter.

Ihre Trainingsstrecke sind die Straßen von Mogadischu. Zamzam Farah läuft vorbei an Häuserruinen und Militärposten. Die somalische Hauptstadt ist zwar etwas sicherer geworden, seit die radikal-islamische Shabaab-Miliz im vergangenen Jahr ihre Stellungen hier aufgeben musste. Aber noch immer ist sie einer der gefährlichsten Orte der Welt.

Zamzam musste sich beim Training vor Sprengsätzen fürchten – trotzdem hat die 18-Jährige nicht aufgegeben und darf für ihr Land jetzt zu den Olympischen Spielen fahren:

"Ich gehe beim 400-Meter-Lauf an den Start und trete auf den Mittelstrecken an – 800 und 1500 Meter. Somalia hat noch nie eine Medaille gewonnen – aber ich hoffe, dass es diesmal anders ist."

Ihr Trainer scheucht Zamzam und andere Läufer durch das Stadion von Mogadischu. Bis vor Kurzem war hier noch ein Lager der Islamisten. In den Rängen sind Einschusslöcher zu sehen. Überall liegen Haufen von Schutt

Diese Bedingungen sind alles andere als optimal für die Athleten, sagt Zamzams Laufkollege Mohamed Hassan Mohamed:

"Es ist schwierig zu trainieren, während das Land sich im Krieg befindet. Allein wie das Stadion aussieht – das ist kein Vergleich mit anderen Trainingsplätzen irgendwo auf der Welt. Wir haben auch keine Laufbänder oder Ähnliches. Wir müssen sehen, wie wir zurechtkommen."

Mohamed wird zusammen mit Zamzam nach London fliegen. Sie sind die einzigen Teilnehmer aus Somalia. Das Olympische Komitee des Landes hat lange gewartet, bis es die Namen der beiden bekannt gab. Es wurde befürchtet, dass sie Opfer von Anschlägen werden könnten. Im April hatte ein Selbstmordattentäter einen Sprengsatz bei einer Versammlung mit vielen Sportfunktionären in Mogadischu gezündet. Der Vorsitzende des Olympischen Komitees und der Chef des nationalen Fußballverbandes wurden getötet.

Zamzam hat schon häufig Anfeindungen erlebt. Viele streng Islamgläubige lehnen es ab, dass sie als Frau in Trainingskleidung durch die Straßen läuft.

"Es gibt hier kaum Frauen, die Sport machen – vor allem nicht in der Leichtathletik. Manchmal beschimpfen mich die Menschen, aber davon darf ich mich nicht abhalten lassen."

Ihre beste Zeit auf der 400-Meter-Strecke liegt bei 58 Sekunden – mehr als zehn Sekunden über dem Weltrekord. Ein Platz auf dem Siegerpodest ist für Zamzam darum wohl eher unwahrscheinlich. Aber wer weiß. Dass sie es überhaupt bis London geschafft hat, ist schon ein Wunder. Vielleicht passiert ja noch ein Zweites.

Mehr zum Thema auf dradio.de:
Mein Olympiafavorit für London 2012 - Korrespondenten stellen außergewöhnliche Sportler vor, die Beiträge der Reihe in der DKultur-"Ortszeit"
Portal - Olympische Sommerspiele in London



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 11:55 Uhr Verbrauchertipp

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 11:07 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Genschers Balkon-RedeEndlich! Ausreise!

Der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) steht am Mittwoch (30.09.2009) auf dem berühmten Balkon der Deutschen Botschaft im tschechischen Prag.

Es waren rund 4000 Menschen, die sich in der Botschaft der Bundesrepublik in Prag verschanzt hatten und auf ihre Ausreise in den Westen warteten. Dann trat der Außenminister der Bundesrepublik, Hans-Dietrich Genscher, auf den Balkon.

25 Jahre Genscher-Rede in Prag"Zurückgehen wollte von uns keiner"

Ausreisewillige DDR-Bürger steigen am 29.9.1989 mit ihren Kindern über den Zaun der bundesdeutschen Botschaft in der tschechoslowakischen Hauptstadt Prag.

Vor 25 Jahren teilte Außenminister Genscher den DDR-Flüchtlingen in der deutschen Botschaft in Prag mit, dass sie in die BRD ausreisen dürfen. Christian Bürger war damals Sprecher der Flüchtlinge. Noch heute habe er ein Gänsehaut-Feeling, wenn er sich an den Moment erinnere, sagte er im DLF.

Daniel BahrVom Gesundheitsminister zum Versicherungsmanager

Daniel Bahr, hier bei einer Kabinettssitzung 2013, arbeitet nun für eine Krankenversicherung

Im letzten Jahr lobte der damalige Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sich noch selbst für seinen "Pflege-Bahr", eine Zusatz-Pflegeversicherung, die unter anderem die Allianz anbietet. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik wird er nun just bei dieser Versicherung führender Manager.

Misshandlung von Flüchtlingen"Die Aufsichtsbehörde hat versagt"

Porträtbild von Harald Olschok, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Sicherheitswirtschaft

Schon jetzt müsse jeder Beschäftigte in der Sicherheitsbranche ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Sicherheitswirtschaft, Harald Olschok, im DLF. Wenn einige unseriöse Unternehmen trotzdem Menschen mit Vorstrafen einstellten, zeige das auch, dass die Aufsichtsbehörde nicht ausreichend kontrolliert habe.

Internationaler ÜbersetzertagDer ferne, verkannte Bruder des Schriftstellers

Eine Person - man sieht nur die Hand - trägt einen Karton mit einem Stapel Deutsch-Polnischer Wörterbucher

Er selbst überträgt Literatur ins Deutsche. Zum Internationalen Übersetzertag widmet sich der Schriftsteller Michael Kleeberg der sehr intimen Beziehung zwischen Originalautor und dem, der sein Werk in einer anderen Sprache schreibt.

EU-Kommissar OettingerDer "Faktenstaubsauger" will sich das Neuland erobern

Günther Oettinger mit ernstem Blick. Sein Gesicht wird halb verdeckt von einer Europa-Flagge. 

Mit Günther Oettinger soll ein Mann EU-Digitalkommissar werden, dem viele den Job nicht zutrauen. Im EU-Parlament stellte er sich den kritischen Fragen der Abgeordneten und musste sich dabei auch Spott von Satiriker Martin Sonneborn anhören.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Jäger  will an privaten Betreibern von Flüchtlingsheimen festhalten | mehr

Kulturnachrichten

Bayerische Staatsoper ist Oper des Jahres | mehr

Wissensnachrichten

Sucht-Forschung  Alkohol macht Lächeln bei Männern ansteckender | mehr