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Bahr verteidigt Pläne zur Pflege-WG

Kritik von Sozialverbänden

Nach Ansicht von Daniel Bahr liegen Pflege-WGs im Trend (AP)
Nach Ansicht von Daniel Bahr liegen Pflege-WGs im Trend (AP)

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat sich erneut dafür ausgesprochen, die Wohngemeinschaften Pflegebedürftiger zu fördern, um Menschen eine Heim-Alternative zu bieten. Doch Sozialverbände halten die finanzielle Förderung für unzureichend. Eine Senioren-WG sei keine Patentlösung für die Pflege im Alter.

Die Zahl der Pflegebedürftigen werde in den kommenden Jahren deutlich zunehmen, sagte Bahr im Deutschlandfunk. Deshalb müsse die ambulante Pflege gestärkt werden. Er will die Gründung von Wohngemeinschaften pflegebedürftiger Patienten finanziell fördern. Damit entspreche man damit dem Wunsch der Bedürftigen, zu Hause gepflegt zu werden, so der FDP-Politiker. Die Pflege-WG sei auch nicht die Lösung aller Probleme, aber es handele sich dabei um ein zusätzliches Angebot. 70 Prozent der Pflegebedürftigen würden zu Hause versorgt. Für diejenigen könne das Leben in der Wohngemeinschaft eine Alternative sein.

Bahrs Pläne sehen vor, den Senioren für die Beschäftigung einer ambulanten Pflegekraft in den selbstorganisierten Wohngruppen eine Pauschale von 200 Euro monatlich zur Verfügung zu stellen. So steht es bereits in einem Gesetzentwurf zur Neuausrichtung der Pflegeversicherung vom Dezember 2011. Im Januar hatte Bahr zudem erklärt, dass eine Anschubfinanzierung von 2500 Euro pro Mitbewohner gezahlt werden soll, um die Gründung von Pflege-WGs zu erleichtern.

Zukunftsmodell Alten-WG

Wohngemeinschaft für demenzkranke Senioren (picture alliance / dpa /Bernd Thissen)Wohngemeinschaft für demenzkranke Senioren (picture alliance / dpa /Bernd Thissen)Das Modell der Pflege-WGs etabliert sich seit einigen Jahren zunehmend als Alternative zum Heim. In den ambulant betreuten Gruppen tun sich Menschen mit vergleichbarem Pflegebedarf zusammen. "Die Pflege-WG ist ein Trend, der sich noch verstärken könnte", glaubt Bahr.

Mit seiner geplanten Förderung könnten in einer WG mit vier Bewohnern bis zu 3400 Euro pro Monat zur Verfügung stehen, wenn man davon ausgeht, dass die Bewohner Pflegestufe 1 beziehen. Zusätzlich wurde ein Programm von 30 Millionen Euro aufgelegt, um bei der Gründung einer Pflege-WG Umbauten, etwa im Badezimmer, finanzieren zu können. "Dies sind bis zu 2500 Euro einmalig pro WG-Bewohner", sagte der Minister.

Sozialverbände: 200 Euro im Monat sind zu wenig

Der Sozialverband VdK hält den Vorschlag Bahrs zwar grundsätzlich für sinnvoll, kritisiert aber, dass die finanzielle Förderung von Pflege-Wohngruppen unzureichend sei. Eine zusätzliche Leistung von 200 Euro pro Person im Monat sei zu wenig, sagte die Verbandsvorsitzende Ulrike Mascher der "Passauer Neuen Presse".

Sie sorgt sich auch um die Qualität der Einrichtungen. "Leider zeigt die Erfahrung, dass es in dieser Branche schwarze Schafe gibt", sagte Mascher. Sie sieht in Senioren-WGs keine Patentlösung für die Pflege im Alter. Gerade in diesem sensiblen Bereich dürfe man nicht auf die komplette Selbstorganisation setzen. Sie sieht die Gefahr, dass die Pflegebedürftigen in der WG abkassiert, aber nicht professionell gepflegt würden.

Der Präsident des Dioakonischen Werks der Evangelischen Kirche in Deutschland, Johannes Stockmeier, forderte im "Hamburger Abendblatt", dass Fördermittel nicht nur in die Pflege-WGs fließen dürften, sondern auch für den stationären Bereich zur Verfügung stehen müssten. "Es ist nicht hinzunehmen, dass stationäre Pflegeeinrichtungen bei den Fördermöglichkeiten dieser Pflegeversicherungsreform insgesamt ignoriert werden."


Link auf dradio.de:
Kommentar von Andreas Baum zu den Plänen zu einer Pflege-WG

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:47 Uhr

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