Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Ban fordert Stopp der Offensive gegen Aleppo

Assads Truppen rücken vor - Rebellen nehmen angeblich rund 100 Gefangene

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon (picture alliance / dpa / EPA / Adi Weda)
UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon (picture alliance / dpa / EPA / Adi Weda)

Die syrische Millionenstadt Aleppo steht offenbar kurz vor einem blutigen Showdown zwischen Rebellen und Truppen des Assad-Regimes. Die Vereinten Nationen warnen vor einer Eskalation der Gewalt. Regierungsgegner haben nach eigenen Angaben etliche Soldaten gefangen genommen.

Bei den Vereinten Nationen wächst die Sorge um eine Eskalation in Aleppo. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die syrische Führung dazu auf, die geplante Offensive gegen die Rebellen in der Wirtschaftsmetropole zu stoppen. Die Gewalt in der Stadt bereite ihm große Sorge, sagte Ban bei einem Treffen mit dem britischen Außenminister William Hague in London. Die Führung in Damaskus dürfe unter keinen Umständen Chemiewaffen einsetzen. Ban appellierte an beide Seiten, die Gewalt zu beenden.

Wie Aktivisten berichteten, haben Truppen des Regimes bereits mehrere Bezirke Aleppos mit Kampfhubschraubern unter Beschuss genommen. Schon bald könnte eine große Bodenoffensive gegen die Rebellen beginnen. In einem Zeitungsbericht war die Rede von der "Mutter aller Schlachten". Angesichts des erwarteten Großangriffs der Armee fliehen Tausende Menschen aus der Stadt. Rund 4000 Rebellen sollen sich in Aleppo verschanzt haben.

Die Regierungsgegner haben am Freitag nach eigenen Angaben rund 100 regimetreue Soldaten und Milizionäre in Aleppo gefangen genommen. In einem Video auf der Internet-Plattform Youtube sind in Zivil gekleidete Männer zu sehen, die sich offenbar in der Gewalt von Kämpfern der Freien Syrischen Armee befinden. Unabhängig überprüfen lässt sich das Video nicht.

Ein zerstörter syrischer Panzer in Aleppo (picture alliance / dpa / EPA)Ein zerstörter syrischer Panzer in Aleppo (picture alliance / dpa / EPA)Auch die USA warnen vor einer Eskalation der Gewalt in Aleppo. "Wir machen uns Sorgen, dass wir in Aleppo ein Massaker erleben werden, und es scheint, dass sich das Regime dafür in Stellung bringt", sagte Außenministeriums-Sprecherin Victoria Nuland. Es gebe "glaubhafte Berichte über Panzer-Kolonnen", die vor der Stadt zusammengezogen würden. Die Kämpfe in Aleppo dauern seit dem Wochenende an. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad hatte Tausende Soldaten in die Millionenstadt verlegt.

Deutschland mit Millionenhilfen

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) kritisierte am Freitag die Haltung Chinas und Russlands gegenüber dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad: "Die Tatsache, dass Russland und China bislang eine schützende Hand über das Regime von Assad halten, das ist natürlich ein großes Problem", sagte er im ZDF-"Morgenmagazin". Beide Länder hatten im UN-Sicherheitsrat bereits drei Versuche blockiert, die anhaltende Gewalt in Syrien zu verurteilen und der Führung in Damaskus mit Sanktionen zu drohen.

Syrische Flüchtlinge im Lager Reyhanli an der türkische Grenze zu Syrien (picture alliance / dpa - Jean Rene Auge/wostok Press)Syrische Flüchtlinge im Lager Reyhanli an der türkischen Grenze zu Syrien (picture alliance / dpa - Jean Rene Auge/wostok Press)Zudem erklärte Westerwelle in Berlin, dass Deutschland weitere drei Millionen Euro für die Opfer des Syrien-Konflikts bereitstellt. "Damit helfen wir Deutsche nun insgesamt mit elf Millionen Euro. Wir müssen davon ausgehen, dass eine Million Menschen in Syrien auf der Flucht sind", sagte er. Über 120.000 Menschen hätten das Land bereits verlassen.

Angesichts der zunehmenden Gewalt befürchtet die EU-Kommission eine Ausweitung des Flüchtlingsdramas. "Aus einer humanitären Perspektive hat sich die Situation im Laufe der vergangenen vier bis fünf Wochen erheblich verändert", sagte ein Mitarbeiter der Kommissionsabteilung für humanitäre Hilfe (ECHO). "Wir rennen einem Zug hinterher, der ständig beschleunigt."

Mehr auf dradio.de:

Sorge um syrisches Kulturerbe - Direktor des Berliner Museums für Islamische Kunst: Kulturschätze der Metropole Aleppo in Gefahr

Israel blickt besorgt auf Syrien - Golan-Höhen geraten in den Fokus der Entwicklung

"Assad wird sich nicht halten können" - Nahost-Fachmann Jürgen Chrobog über die Zukunft Syriens

Der Anfang vom Ende des Assad-Regimes - ARD-Korrespondent: Anschlag markiert Wendepunkt im Syrienkonflikt

Nahostexperte warnt vor Gefahren eines Zerfalls Syriens - Leiter des Berliner Aspen-Instituts: Eingreifen in Syrien muss genau abgewogen werden

Neuer Anlauf für Syrien-Resolution - Arabische Länder rufen UN-Vollversammlung an

Türkei schließt Grenzübergänge zu Syrien - UNO zieht die Hälfte ihrer Beobachter ab

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:30 Uhr Kultur heute

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:30 Uhr Nachspiel

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 16:00 Uhr Einhundert

Aus unseren drei Programmen

Landlust/Landfrust (1/2)Dorfleben im Wandel

Zwei ältere Dame tragen nach einem Einkauf ihre Lebensmittel nach Hause. (picture alliance/ dpa/ David Ebener)

Die Sehnsucht nach Natur, Ruhe und Dorfidylle ist in der Gesellschaft groß. Mit der Realität hat diese Vorstellung des Landlebens oft wenig zu tun. Kerstin Faber hat sich intensiv mit ländlichen Regionen auseinandergesetzt. Ein Problem seien Dörfer mit großer Überalterung, sagte sie im DLF. "Da haben wir es mit einem Abbau der Daseinsvorsorge zu tun."

Berlinale 2017"Vollmundiger Jahrgang mit kratzigem Abgang"

Die Filmkritiker Peter Körte ("FAS") und Katja Nicodemus ("Zeit") nach ihrem Gespräch mit Deutschlandradio Kultur auf der Berlinale 2017. (Deutschlandradio / Cornelia Sachse)

Das Gleichnis eines guten Weines fällt der Filmkritikerin Katja Nicodemus zum Wettbewerb des diesjährigen Berliner Filmfestivals ein. "Ich habe wenig gesehen, was mich umgehauen hätte", hält ihr Kollege Peter Körte dagegen.

Hanya Yanagihara: "Ein wenig Leben"Ein umwerfender und suspekter Roman

"Ein wenig Leben" von Hanya Yanagihara. Im Hintergrund: die Skyline von New York. (Hanser / picture-alliance / dpa)

Dieser Roman geht an Grenzen: Die amerikanische Schriftstellerin Hanya Yanagihara erzählt in "Ein wenig Leben" von exzessivem menschlichen Leid. Im Zentrum stehen vier Männer aus New York. Einer von ihnen, Jude, ist von einem düsteren Geheimnis umgeben, das seine Freunde, aber auch den Leser in Bann hält.

Deutscher KolonialismusUnheilvolle Kontinuitäten

A performance shows the treatment of Hereros in 1904 at a ceremony commemorating the killing of thousands of Hereros by German troops, at Okakarara, 250 km northwest of Windhoek, Namibia, Saturday, 14 August 2004. Germany on Saturday asked the Herero people of Namibia to forgive it for the massacres committed by its troops during a three year uprising 100 years ago. (picture alliance / dpa / WIEBKE GEBERT)

Prügel mit dem Tauende oder doch mit der Nilpferdpeitsche? Die Frage, wie die zwangsverpflichteten schwarzen Arbeiter in den deutschen Kolonien "zur Arbeit erzogen", "zivilisiert" werden sollen, diskutierten Politiker und Mediziner vor etwas mehr als hundert Jahren in aller Öffentlichkeit.

GewaltenteilungFinanz als vierte Gewalt?

Legislative, Exekutive, Judikative und Finanzwesen: So zählt der Kulturwissenschaftler und Philosoph Joseph Vogl die Gewaltenteilung auf. Das mit dem Finanzwesen kennen wir aber so nicht aus der Schule. Er sagt: Wer das Finanzwesen als vierte Macht im Staate nicht (an)erkennt, sitzt einer Legende auf.

Petras inszeniert O'NeillSippe mit unheilvoller Vergangenheit

Armin Petras, der Intendant des Schauspiels Stuttgart, steht am 02.06.2016 im Opernhaus in Stuttgart (Baden-Württemberg) im Foyer an einer Treppe. (picture alliance / dpa / Bernd Weißbrod)

Eine Familie steuert in den Untergang: Überraschend fein und intim inszeniert Armin Petras "Eines langen Tages Reise in die Nacht" von Eugene O'Neill am Schauspiel Stuttgart. In der Rolle der schuldbeladenen Mutter glänzt - der Schauspieler Peter Kurth.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Sicherheitskonferenz  De Mistura plädiert für eine politische Lösung in Syrien | mehr

Kulturnachrichten

Solidaritätsaktion: Berliner Autokorso für Deniz Yücel  | mehr

Wissensnachrichten

Trump-Rede  Schweden scherzen über angeblichen Anschlag | mehr