Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Banges Warten in vielen Überschwemmungsgebieten

Aufgeweichte Dämme halten bisher Wassermassen stand

Elbe bei Magdeburg steigt weiter (picture alliance / dpa / Jens Wolf)
Elbe bei Magdeburg steigt weiter (picture alliance / dpa / Jens Wolf)

Auch heute schauen die Einsatzkräfte in den Hochwassergebieten mit Sorge auf die aufgeweichten Deiche und Dämme. In Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg ist die Situation weiter kritisch. Trotzdem denken viele schon an künftige Überschwemmungen: Forderungen nach einem besseren Hochwasserschutz werden lauter.

In Sachsen-Anhalt und Sachsen ist die Lage nahezu unverändert. In Halle ist der Pegelstand der Saale seit dem Morgen um etwa 20 Zentimeter gesunken. Ein Stadtsprecher befürchtet aber weiter, dass aufgeweichte Dämme brechen könnten. Auch in Dresden und an anderen Orten wird das befürchtet. Wegen des Mulde-Hochwassers müssen Teile von Bitterfeld und der Gemeinde Friedersdorf evakuiert werden. Tausende Menschen wurden heute aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen.

Polizei befürchtet Plünderungen

Der Elbpegel steigt unterdessen in Magdeburg schneller an als erwartet. Der Pegel lag am Mittag bei über sieben Metern. Das sind etwa 30 Zentimeter mehr als bei der Jahrhundertflut. Das Elbe-Hochwasser beeinträchtigt auch den Bahnverkehr von und nach Berlin. Bei Wittenberg mussten die Gleise gesperrt werden. In den evakuierten Regionen ist die Polizei seit Tagen verstärkt im Einsatz, um nach möglichen Plünderern Ausschau zu halten. Noch haben die Behörden in Sachsen-Anhalt aber keine Hinweise auf Einbrüche in leer stehende Wohnungen und Häuser.

In dem Bundesland ist außerdem ein dritter Mensch beim Kampf gegen das Hochwasser ums Leben gekommen. Nach Angaben der Polizei handelt es sich dabei um einen freiwilligen Helfer. Der 74-Jährige sei am Abend in Wittenberg auf seinem Moped von einem Radlader erfasst worden.

"Ritt auf der Rasierklinge" in Brandenburg

Das Hochwasser bahnt sich zurzeit seinen Weg weiter Richtung Norden. In der Kleinstadt Mühlberg in Brandenburg hat es seinen Scheitelpunkt erreicht. Allerdings zieht sich der über eine so lange Strecke, dass die Deiche noch lange dem hohen Wasserstand ausgesetzt sind. Ein Sprecher des Innenministeriums sprach von einem "Ritt auf der Rasierklinge".

Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) sagte, die Lage sei schwieriger als beim Jahrhunderthochwasser 2002. Das liege daran, dass wesentlich mehr Flüsse als damals beteiligt seien, erläutert Korrespondent Axel Flemming.

Hochwasser in Deggendorf, Bayern. (picture alliance / dpa / Peter Kneffel)Hochwasser in Deggendorf, Bayern. (picture alliance / dpa / Peter Kneffel)An der Donau in Bayern sind trotz sinkender Pegelstände Tausende Menschen weiter von Hochwasser und Überschwemmungen bedroht. Besonders betroffen ist die Gegend um Deggendorf und Straubing. Die beiden Städte stehen bereits zum Teil unter Wasser. Nach Einschätzung der Behörden werden die Dämme aber wohl halten. Die Situation entwickele sich positiv.

Bundeswehr schickt weitere Soldaten

Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Christoph Unger, hat sich für eine Ablösung der Hilfskräfte in den Überschwemmungsgebieten ausgesprochen. Angesichts der steigenden Temperaturen sorge er sich um die Belastung der Helfer, die bereits seit Tagen im Einsatz seien. Sie müssten durch Einsatzkräfte aus anderen Bundesländern ersetzt werden. Die Bundeswehr kündigte weitere Unterstützung an. Etwa 2500 zusätzliche Soldaten sind nach Sachsen-Anhalt aufgebrochen, um auszuhelfen. Bisher sind dort schon 5000 im Einsatz.

Viele Helfer sind auch in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein im Einsatz. Die Länder bereiten sich auf das anstehende Hochwasser vor. Dort verstärken Rettungskräfte und freiwillige Helfer die Dämme und errichten Schutzwände.

Vorbereitungen in nördlichen Bundesländern

Während die Menschen in etlichen Regionen noch gegen das Hochwasser kämpfen, entfaltet sich eine Diskussion über einen besseren Hochwasserschutz in Deutschland. Die Umweltminister der Länder wollen sich nach dem Ende der Überschwemmungen zu einer Sonderkonferenz treffen. Dabei geht es um die Frage, welche Verbesserungen im Hochwasserschutz möglich sind und wie das finanziert werden kann. "Wir wollen keinen Schnellschuss, aber wir müssen klären, wo wir nachhaltige Lösungen brauchen", sagte Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU). Wie wirksamer Hochwasserschutz aussehen kann, erklärte Professor Dr. Emil Dister vom Karlsruher Institut für Technologie im Interview mit Deutschlandradio Kultur.

Die Schäden durch das aktuelle Hochwasser sind immens: Nach Berechnungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags liegen die Flutschäden für die Wirtschaft bei mehr als elf Milliarden Euro. Die betroffenen Bundesländer fordern deshalb mehr Unterstützung der Bundesregierung. Die angebotenen 100 Millionen Euro Soforthilfe reichten nicht aus.


Mehr zum Thema auf dradio.de

Ausharren in Altkötzschenbroda
"Sandsäcke schleppen statt Bücher lesen" - Hochschulen bitten ihre Studierenden um Hilfe im Kampf gegen das Hochwasser
"Das war eher eine Selbstverständlichkeit" - Publizist Michael Spreng sieht in Hochwasser eine Win-win-Situation für Bundeskanzlerin Merkel
"Das System hat nicht versagt" - Bayerns Innenminister Joachim Herrmann kündigt weitere Investionen im Hochwasserschutz an
Der Hochwasserschutz "geht in die falsche Richtung" - Umweltschützer Sebastian Schönauer fordert ökologische Maßnahmen
Schifffahrtsstopp und Ernteausfall - Das Hochwasser und die wirtschaftlichen Schäden
Katastrophenhelfer: Es handelt sich um ein Jahrhunderthochwasser - Vizepräsident des Technischen Hilfswerks zieht positive Bilanz bei den Hilfsmaßnahmen
Sonntagsreden nach Hochwasserfluten - Hochwasserschutz in Deutschland
Deutschland vor der Wahl: Schröder-Tour 2002 - Wahlkampf zwischen Hochwasser und Irak


Weitere Informationen zum Thema:

Länderübergreifendes Hochwasserportal" - Eine gemeinsame Initiative der deutschen Bundesländer
Hochwassernachrichtendienst

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 16:30 Uhr Forschung aktuell

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Interpretationen

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 16:00 Uhr Einhundert

Aus unseren drei Programmen

Konföderation von Israel und Palästina"Eine Zukunft kann es nur gemeinsam geben"

Ein Grenzzaun in der Nähe der palästinensischen Stadt Beit Jala (Sabine Adler )

"Zwei Staaten - ein Heimatland" heißt eine Initiative von Israelis, die für eine Konföderation von Israel und Palästina kämpft. In echten Begegnungen lernen beide Seiten, das Recht auf Heimat des anderen anzuerkennen.

Dobrindt zur Regierungsbildung"Ich will diese Große Koalition mit der SPD"

Alexander Dobrindt telefoniert, im Hintergrund der Schriftzug CSU auf blauem Hintergrund. (dpa / Sven Hoppe)

Alexander Dobrindt begrüßt die Bereitschaft der SPD zu Sondierungsgesprächen für eine Große Koalition. Nun gehe es darum, ein Zukunftsprojekt für Deutschland zu beschreiben, sagte der CSU-Politiker im Dlf. Allerdings sei er sich nicht sicher, ob die SPD wirklich die Kraft dazu habe.

Philosophischer WochenkommentarEin Lob der Weltflucht

Ein Mann steht auf einem Steg am Gardasee in Italien, in Lazise. (imago/Westend 61)

Für Realitätsverweigerer hat Arnd Pollmann Verständnis: Sie zeichneten sich aus durch ihren Willen zur Abwesenheit. Auch wenn sie oft passiv und weltabgewandt erschienen, ihre utopischen Tagträume hätten das Potenzial ganze Welten zum Einsturz zu bringen.

InformationsgewinnungWozu noch Bibliotheken?

Blick in die Bibliothek mit Büchern auf Borden, stuckverzierten Wänden, Durchgängen und einer Empore (imago / Jürgen Ritter)

Als Informationsquelle ist das Internet schnell, vernetzt und für jeden zugänglich. Bibliotheken stehen hingegen für Dauer, Ordnung und Konzentration. Doch welchen Wert haben diese Eigenschaften im 21. Jahrhundert? Eine Spurensuche im Netz und in altehrwürdigen Gemäuern.

Schriftsteller und ihre PseudonymeDie Lizenz zur Lüge

Tippen auf einer alten Schreibmaschine (imago / Busse )

Pseudonyme sind wie kleine Menschen. Es ist gefährlich, Namen zu erfinden – ein Name lebt", schrieb Kurt Tucholsky, der unter anderem als Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel Texte veröffentlichte. Wozu dieses Versteckspiel vieler Autoren hinter Pseudonymen?

Vor 25 Jahren gestorbenGünther Anders - ein konservativer Revolutionär

Günther Anders (links) erhält bekommt 13. September 1983 den Theodor W. Adorno-Preis der Stadt Frankfurt überreicht  (picture-alliance / dpa / UPI)

Er war überzeugter Pazifist, Philosoph und Schriftsteller: Günther Anders. Von den Nazis vertrieben, protestierte er aus dem US-Exil gegen den Einsatz der Atombombe. Zurück in Europa kämpfte Anders gegen den Vietnamkrieg, initiierte die Anti-Atom-Bewegung und kritisierte die Folgen der Technologie.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

"Bild"  Deutsche leisteten 2016 fast eine Milliarde unbezahlte Überstunden | mehr

Kulturnachrichten

Anti-Belästigungskommission in Hollywood | mehr

 

| mehr