Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Bangladesch: Behörden schließen 18 Textilfabriken

Zahl der Todesopfer nach Einsturz auf über 800 gestiegen

Am 24. April stürzte das Hochhaus ein -  es beherbergte mehrere Textilfabriken. (picture alliance / dpa/ Abir Abdullah)
Am 24. April stürzte das Hochhaus ein - es beherbergte mehrere Textilfabriken. (picture alliance / dpa/ Abir Abdullah)

Nach dem verheerenden Fabrikeinsturz in Bangladesch hat die Regierung dort 18 Textilwerke aus Sicherheitsgründen geschlossen. Auch die Arbeit in weiteren Fabriken soll eingestellt werden. Unterdessen stieg die Zahl der Todesopfer der Katastrophe auf über 800.

Insgesamt 16 Fabriken seien in der Hauptstadt Dhaka und zwei weitere in der Stadt Chittagong im Südosten des Landes geschlossen worden, erklärte Textilminister Abdul Latif Siddique. Damit will Bangladesch die Standards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) einhalten. Viele Fabriken hätten sich nicht an die Bauvorgaben gehalten, sagte er nun. Abdul Latif Siddique sitzt einem neu eingerichteten Komitee vor, das die rund 4500 Fabriken des Landes überprüfen soll, um weitere Unglücke zu vermeiden.

Zahl der Todesopfer steigt weiter an

Unterdessen stieg die Zahl der Todesopfer: Wie die Armee heute mitteilte, wurden mittlerweile 790 Leichen aus den Trümmern des Gebäudes in Savar, einem Vorort von Dhaka, geborgen. 13 weitere Menschen seien in Krankenhäusern an ihren Verletzungen gestorben. Die Armee rechnet damit, dass noch weitere Leichen in den Trümmern gefunden werden. Bislang seien rund 70 Prozent der Überreste des Gebäudes abgetragen. Mit schwerem Gerät würden derzeit die Trümmer des dritten Geschosses beseitigt, hieß es. Viele Leichen werden demnach in Abschnitten gefunden, in denen sich Treppenhäuser befanden, die als Fluchtwege dienten.

Kik-Kleidung in den Fabriktrümmern gefunden

Der Textildiscounter Kik hat den Bezug von Kleidung aus der eingestürzten Bekleidungsfabrik in Bangladesch bis kurz vor der Katastrophe eingeräumt. Nach neuen Medienberichten über Funde von Kik-Kleidung in den Fabriktrümmern erklärte die Handelskette, dass ein Importeur des Unternehmens bis Anfang des Jahres dort produziert habe. "Die Textilfunde stammen aus dieser Zeit", erklärte das Unternehmen zu einem Bericht des NDR-Magazins "Panorama". Das hätten Nachforschungen ergeben. Kik blieb allerdings bei seiner Darstellung, es habe seit 2008 keine direkten Geschäftsbeziehungen zu der Produktionsstätte gegeben. Zum Unglückszeitpunkt seien keine neuen Aufträge über den Importeur platziert gewesen, hieß es in der Mitteilung.

Erschütterungen führten zum Einsturz

Das Hochhaus, das mehrere Textilfabriken beherbergte, war am 24. April eingestürzt. Zum Zeitpunkt des Unglückssollen sich etwa 3000 Menschen darin aufgehalten haben. Zwölf mutmaßliche Verantwortliche wurden festgenommen, darunter der Besitzer des Gebäudes und leitende Mitarbeiter mehrerer Textilfirmen. Arbeiter hatten angegeben, trotz sichtbarer Schäden am Gebäude zur Arbeit gezwungen worden zu sein. Den Ermittlungen zufolge führten durch große Generatoren hervorgerufene Erschütterungen zu dem Einsturz. Das Unglück sorgte für massive Proteste gegen die Arbeitsbedingungen und mangelnden Sicherheitsvorkehrungen in den Textilfabriken Bangladeschs. Am Dienstag forderten etwa 400 Menschen in Dhaka die Auszahlung von Löhnen und Entschädigungen.


Mehr zum Thema:

Lochbihler: Kleiderproduktion in Bangladesch ist Sklavenarbeit - Grüne EU-Politikerin fordert Druck auf Textilindustrie

"Wir können von den Unternehmen Transparenz fordern" - Lehren aus dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch

Festnahmen nach Gebäudekatastrophe in Bangladesch - Die Wut auf die Fabrikbesitzer ist riesig

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:11 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:05 Uhr Kulturfragen

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:05 Uhr Studio 9 kompakt

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 16:00 Uhr Einhundert

Aus unseren drei Programmen

Ruben Östlund über seinen Film "The Square" Der Kunstszene den Spiegel vorhalten

Ein einen Affen mimender Künstler (Terry Notary) steht auf einem Tisch, die chic gekleideten Gäste blicken erschrocken zu ihm auf (Alamode-Film)

Die Kunstszene interessiere sich nur noch für das, was in ihrem Kosmos passiere, kritisiert der schwedische Regisseur Ruben Östlund. Das nehme er mit seinem Film "The Square" auf die Schippe. Ebenso den harten Kampf der Künstler um die kurze Aufmerksamkeit ihres Publikums.

Alltäglicher Sexismus"Dumme Sprüche sind Teil einer Vergewaltigungskultur"

Stefanie Lohaus, Missy Magazine (Deutschlandradio Kultur )

Bei sexualisierter Gewalt gehe es um die Ausübung von Macht, sagte die Kulturwissenschaftlerin Stefanie Lohaus im Dlf. Es diene dazu, Frauen sozusagen auf ihren Platz zu verweisen, sie zu verunsichern. Hier grundsätzlich etwas zu verändern, werde sehr lange dauern, ein Hashtag werde da so schnell nichts ändern.

Zeitreise von Amerikas Sklaven zu #blacklivesmatterBlack America

Menschen demonstrieren in Ferguson gegen die Ermordung des Schwarzen Michael Brown. (dpa / picture alliance / Larry W. Smith)

Bei seiner Wahl begrüßte das schwarze Amerika Barack Obama wie einen lang ersehnten Heilsbringer. Auf einer ehemaligen Sklavenplantage in Georgetown und in der Chicagoer South Side geht der Autor der Frage nach: Hat sich in der Obama-Zeit etwas verändert oder nicht?

Der jüdische EruvWas die Schnur an Manhattans Straßenlaternen bedeutet

Straße in Manhattan, durch die Luft gespannt und an einer Laterne befestigt ist ein dünner Nylonfaden. (Kai Clement)

Der Eruv spannt sich in einem Teil Manhattans von Laternenmast zu Laternenmast. Der Nylonfaden ist fast unsichtbar und erleichtert doch das Leben vieler orthodoxer Juden, die hier leben. Korrespondent Kai Clement war bei der wöchentlichen Kontrolle dabei.

Die Krim nach der AnnexionLeben mit Sanktionen

Ein Bogen wird an der Brücke über die Meerenge von Kertsch errichtet. Die Brücke soll einmal 19 Kilometer lang werden und Russland mit der Halbinsel Krim verbinden. (imago / Sergei Malgavko / TASS)

Das Leben auf der Krim dreieinhalb Jahre nach der russischen Annexion: Güter müssen aufgrund der Sanktionen per Flugzeug oder Fähre aus Russland angeliefert werden, was sie teuer macht. Die Tourismussaison war ein Flop. Doch die meisten Menschen sind guter Dinge. Gegen Kritiker wird allerdings mit aller Härte vorgegangen.

Pro Quote Bühne "Das Publikum hat ein Recht auf Qualität und Vielfalt"

Die Schauspieler Marcel Kohler und Lorna Ishema bei einer Fotoprobe zum Theaterstück "Unterwerfung" 2016 im Deutschen Theater in Berlin (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)

Theater werden zu 80 Prozent von Männern geleitet. Nur bei den Souffleusen, also im Niedriglohnbereich, ist das Verhältnis umgekehrt. Angelika Zacek vom Verein Pro Quote Bühne fordert die Häuser auf, in der nächsten Spielzeit 50 Prozent Regisseurinnen zu engagieren.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Berlin  Tausende bei Demo gegen Rassismus im Bundestag | mehr

Kulturnachrichten

Künstler fordern Freiheit für Serebrennikow | mehr

 

| mehr