Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Bangladesch: Brand in Textilfabrik mit mindestens acht Toten

Regierung schließt Betriebe

Am 24. April stürzte das Hochhaus ein -  es beherbergte mehrere Textilfabriken. (picture alliance / dpa/ Abir Abdullah)
Am 24. April stürzte das Hochhaus ein - es beherbergte mehrere Textilfabriken. (picture alliance / dpa/ Abir Abdullah)

Nach dem verheerenden Fabrikeinsturz in Bangladesch ist die Zahl der Todesopfer dort offiziell auf mehr als 900 gestiegen. Aus Sicherheitsgründen haben die Behörden des Landes 18 Textilwerke geschlossen. Auch in weiteren Fabriken soll die Arbeit eingestellt werden.Dennoch kam es erneut zu einem Unglück.

Mindestens acht Menschen kamen ums Leben, als ein Feuer in einer Textilfabrik in einem Gewerbegebiet der Hauptstadt Dhaka ausbrach. Das Unglück geschah in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. Die meisten Angestellten des Betriebs waren zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Heimweg. Was den Brand verursacht hat, ist noch unklar.

Die Behörden von Bangladesch hatten gestern Insgesamt 16 Fabriken in Dhaka und zwei weitere in der Stadt Chittagong im Südosten des Landes geschlossen, erklärte Textilminister Abdul Latif Siddique. Damit wolle Bangladesch die Standards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) einhalten. Viele Fabriken hätten sich nicht an die Bauvorgaben gehalten, sagte er nun. Abdul Latif Siddique sitzt einem neu eingerichteten Komitee vor, das die rund 4500 Fabriken des Landes überprüfen soll, um weitere Unglücke zu vermeiden.

Zahl der Todesopfer steigt weiter an

Unterdessen stieg die Zahl der Todesopfer nach dem verheerenden Zusammenbruch eines Fabrikgebäudes vor etwa zwei Wochen: Wie die Armee mitteilte, wurden mittlerweile 912 Leichen aus den Trümmern des Gebäudes in Savar, einem Vorort von Dhaka, geborgen. 13 weitere Menschen seien in Krankenhäusern an ihren Verletzungen gestorben. Die Armee rechnet damit, dass noch weitere Leichen in den Trümmern gefunden werden. Bislang seien rund 70 Prozent der Überreste des Gebäudes abgetragen. Mit schwerem Gerät würden derzeit die Trümmer des dritten Geschosses beseitigt, hieß es. Viele Leichen werden demnach in Abschnitten gefunden, in denen sich Treppenhäuser befanden, die als Fluchtwege dienten.

Kik-Kleidung in den Fabriktrümmern gefunden

Der Textildiscounter Kik hat den Bezug von Kleidung aus der eingestürzten Bekleidungsfabrik in Bangladesch bis kurz vor der Katastrophe eingeräumt. Nach neuen Medienberichten über Funde von Kik-Kleidung in den Fabriktrümmern erklärte die Handelskette, dass ein Importeur des Unternehmens bis Anfang des Jahres dort produziert habe. "Die Textilfunde stammen aus dieser Zeit", erklärte das Unternehmen zu einem Bericht des NDR-Magazins "Panorama". Das hätten Nachforschungen ergeben. Kik blieb allerdings bei seiner Darstellung, es habe seit 2008 keine direkten Geschäftsbeziehungen zu der Produktionsstätte gegeben. Zum Unglückszeitpunkt seien keine neuen Aufträge über den Importeur platziert gewesen, hieß es in der Mitteilung.

Erschütterungen führten zum Einsturz

Das Hochhaus, das mehrere Textilfabriken beherbergte, war am 24. April eingestürzt. Zum Zeitpunkt des Unglückssollen sich etwa 3000 Menschen darin aufgehalten haben. Zwölf mutmaßliche Verantwortliche wurden festgenommen, darunter der Besitzer des Gebäudes und leitende Mitarbeiter mehrerer Textilfirmen. Arbeiter hatten angegeben, trotz sichtbarer Schäden am Gebäude zur Arbeit gezwungen worden zu sein. Den Ermittlungen zufolge führten durch große Generatoren hervorgerufene Erschütterungen zu dem Einsturz. Das Unglück sorgte für massive Proteste gegen die Arbeitsbedingungen und mangelnden Sicherheitsvorkehrungen in den Textilfabriken Bangladeschs. Am Dienstag forderten etwa 400 Menschen in Dhaka die Auszahlung von Löhnen und Entschädigungen.


Mehr zum Thema:

Lochbihler: Kleiderproduktion in Bangladesch ist Sklavenarbeit - Grüne EU-Politikerin fordert Druck auf Textilindustrie

"Wir können von den Unternehmen Transparenz fordern" - Lehren aus dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch

Festnahmen nach Gebäudekatastrophe in Bangladesch - Die Wut auf die Fabrikbesitzer ist riesig

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:11 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 07:05 Uhr Information und Musik

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 07:30 Uhr Kakadu für Frühaufsteher

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Cate Blanchett: "Der Moment der Wahrheit"Star ohne Paparazzi

Die Schauspielerin Cate Blanchett  (picture alliance / dpa / Frédéric Dugit)

In ihrem neuen Film "Der Moment der Wahrheit" spielt Cate Blanchett eine investigative Journalistin. Anna Wollner hat mit der zweifachen Oscarpreisträgerin, über den Film und das Leben als Star gesprochen.

Chinas ExpansionskursDer Konflikt im Südchinesischen Meer

Pag-asa Island ist von den Philippinen besetzt. Die Ansprüche im Südchinesischen Meer sind umstritten. (picture alliance / dpa / Maxppp)

Mehrere Staaten erheben Anspruch auf das Südchinesische Meer. Seitdem China dort Atolle aufschüttet und militärische Einrichtungen baut, steigt das Konfliktpotenzial. Die USA betrachten das Meer als neuralgischen Punkt.

Szenen aus einer beunruhigten WeltLeben im Ausnahmezustand

Eine Frau hält den Kopf in den Händen. (imago / Science Photo Library)

Die Echtzeit präsentiert Szenen aus einer beunruhigten Welt: Was bedeutet es etwa, im Ausnahmezustand zu leben? Damit ist keine Wertung gemeint, sagen die, um die es in der Echtzeit geht. Sie machen einfach das Beste daraus.

NeurologieDie Macht der Musik

Musik hören und Musik machen ist nicht nur schön, sondern es verändert uns auch. Unter anderem kann Musik uns schlauer und kooperativer machen. Musik regt sogar neuroplastische Veränderungen in unserem Gehirn an.

Arbeitsbedingungen an TheaternSchauspieler am Limit

Blick in einen leeren Theatersaal mit geschlossenem Vorhang. (dpa/picture alliance/Stefan Sauer)

"Es ist Zeit für eine Theaterreform", fordert Lisa Jopt, Schauspielerin und Mitbegründerin des "Ensemble Netzwerk". Die Initiative will bessere Arbeitsbedingungen und eine gerechtere Bezahlung für Schauspieler und Theatermacher durchsetzen.

Zustand der Linken"Rot-Rot-Grün steht 2017 nicht zur Debatte"

Der Politologe Eckhard Jesse in seinem Haus in Niederbobritzsch bei Freiberg (dpa / picture alliance / Wolfgang Thieme)

Ein rot-rot-grüner Kanzlerkandidat sei aus Sicht der Linkspartei eine "Schnapsidee", sagte der Politikwissenschaftler Eckhard Jesse im Deutschlandfunk. Das müsse auch Gregor Gysi akzeptieren. Die Wählerschaft der Partei sei dabei zum Teil nicht links - und dadurch verliere die Partei Stimmen an die AfD.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Parteitag  Die Linke will ihren außenpolitischen Kurs bestimmen | mehr

Kulturnachrichten

Schauspieler Giorgio Albertazzi gestorben  | mehr

Wissensnachrichten

Mehr-Jahres-Studie  Kann Handystrahlung Krebs erzeugen? | mehr