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Barroso drängt Griechenland zur Umsetzung der Sparmaßnahmen

EU-Kommissionschef spricht sich für Verbleib Athens in Eurozone aus

EU-Komissionschef José Manuel Barroso in Athen
EU-Komissionschef José Manuel Barroso in Athen (picture alliance / dpa / Simela Pantzartzi)

Griechenland unter Druck: Bei seinem Besuch in Athen hat EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso die Regierung aufgefordert, zügig die Spar- und Reformauflagen anzupacken. Ein Treffen von Regierungschef Samaras mit der Troika ging heute ohne konkrete Ergebnisse zuende. Unterdessen mehren sich die Stimmen für einen Austritt Griechenlands aus dem Euro.

Versprechen allein seien nicht genug, Athen müsse diese auch "einhalten, einhalten, einhalten", forderte José Manuel Barroso gestern Abend nach einem Treffen mit dem griechischen Regierungschef Antonis Samaras in Athen. "Verzögerungen darf es keine mehr geben." Gleichzeitig sprach der EU-Kommissionspräsident den Griechen Mut zu: Viele Griechen glaubten, jede Hoffnung sei verloren. Das stimme nicht. Richtig sei vielmehr, "die Reformen durchzuführen, um eine Zukunft zu haben", sagte er im griechischen Fernsehen. "Die Griechen sind nicht allein", betonte Barroso. Der Verbleib des Landes im Euroland sei der einzige Weg, den Schwächeren zu helfen, sagte der EU-Kommissionschef.

Griechen wollen 11,5 Milliarden Euro sparen

Anfang Juli waren die Experten von IWF, EZB und EU-Kommission zuletzt in Athen.Vertreter der Gläubigertroika in Athen (picture alliance / dpa / Pantelis Saitas)Unterdessen machte der griechische Finanzminister Yannis Stournaras den Chefinspektoren der Gläubigertroika klar, dass die Griechen so viel sparen wollen, wie es nur irgend geht, um weitere Finanzhilfen von ihnen zu bekommen. Stournaras ist einer der Köpfe, die den Euro-Beitritt mit geschönten Bilanzen ermöglicht hatten.

Die Gläubigervertreter von EU, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank hörten Berichten zufolge, dass die Griechen mehr als 11,5 Milliarden Euro in den kommenden beiden Jahren sparen wollen. Es sei aber noch keine abschließende Einigung erzielt worden, hieß es. Man sei aber auf gutem Wege. Derzeit überprüft die Troika, ob das von der Pleite bedrohte Euro-Land seine Sparzusagen und andere Vereinbarungen zum Hilfspaket einhält. Daran gibt es angesichts des politischen Stillstands während des langen Wahlkampfes im Frühjahr Zweifel.

Ein Treffen der Troika mit Ministerpräsident Samaras war heute ohne Ergebnis zuende gegangen. Ein positives Fazit der Prüfer - voraussichtlich im September - ist Voraussetzung dafür, dass die nächste Tranche von 30 Milliarden Euro aus dem zweiten Hilfspaket ausgezahlt wird.

Der Sparplan muss noch von den drei Koalitionsparteien gebilligt werden, die die Regierung in Athen tragen. Doch so schnell kommt eine Einigung wohl nicht zustande. "Wir sind noch nicht fertig", sagte der Parteichef der gemäßigten Linken, Fotis Kouvelis. Die Gespräche sollen am Montag fortgesetzt werden.

Draghi deutet EZB-Eingriffe am Anleihemarkt an

EZB-Präsident Mario DraghiEZB-Präsident Mario Draghi (picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)Am Nachmittag signalisierte EZB-Präsident Mario Draghi weitere Unterstützung für die Krisenstaaten der Eurozone. "Die EZB wird im Rahmen ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten", sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) bei einer Rede in London. "Und glauben Sie mir - es wird ausreichen."

Die Finanzmärkte reagierten gestern regelrecht euphorisch auf die Äußerungen. Der Eurokurs schoss um mehr als 1,5 Cent in die Höhe und übersprang die Marke von 1,23 US-Dollar. Der deutsche Leitindex Dax legte zeitweise um rund 3 Prozent zu. Auch die Anleihemärkte der Euro-Krisenländer Spanien und Italien, die zuletzt ein bedrohliches Rendite-Niveau erreicht hatten, entspannten sich.

Der Chefsvolkswirt der Deka-Bank, Ulrich Kater, glaubt, dass die Märkte die Aussage überinterpretieren. "Ich rechne nicht damit, dass jetzt unlimitierte Aktienkäufe verkündet werden", erklärte Kater im Gespräch mit dem Deutschlandfunk.

Söder warnt vor "Fass ohne Boden"

Markus SöderMarkus Söder (Christlich-Soziale Union in Bayern)Unterdessen mehren sich die Stimmen, die einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zohne fordern. Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) etwa hält dagegen gar nichts von den ständigen Bemühungen und Zusagen aus Athen. "Da wir darauf nicht warten können, was in Griechenland passiert, und da es Griechenland nicht schaffen kann und wahrscheinlich auch nicht schaffen will, macht es nur einen Sinn, Griechenland eben den Weg aus der Eurozone zu ebnen, weil umgekehrt es ein Fass ohne Boden wird", sagte Söder im Deutschlandfunk.

Söder ist nicht der erste Politiker, der an Staatsbankrott und Euro-Austritt denkt. Der Finanzexperte Wolfgang Gerke pflichtet Söder bei. Brüssel oder Athen müssten endlich die Konsequenz ziehen. "Das geht nicht ohne Dominoeffekte, die werden auftreten, man wird andere Länder testen, es wird Deutschland auch über 80 Milliarden kosten. Aber wenn man so weitermacht, wird die Rechnung viel, viel teurer., sagte Gerke im Deutschlandfunk.

Ein möglicher Austritt Griechenlands aus der Eurozone hätte nach Ansicht von Sozialisten-Chef Evangelos Venizelos ein Ende des gemeinsamen Währungsraums zur Folge. Wer glaube, Griechenland müsse geopfert werden, der irre sich. "Es wird der Selbstmord der Eurozone werden", sagte Venizelos in Anspielung auf jüngste Aufforderungen vor allem deutscher Politiker. "Unsere Partner müssen uns helfen, in dem sie die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen in Griechenland verstehen."


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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

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