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Baustopp ausgeschlossen

Stuttgart 21: Sondierungsgespräch ohne Erfolg

Demonstrationen gegen den Abriss (AP)
Demonstrationen gegen den Abriss (AP)

Der Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21 kommt nicht zur Ruhe. Allerdings stellen sich Bahn und Politik stur. Ein erstes Sondierungsgespräch zwischen Gegnern und Befürwortern blieb ergebnislos und wird wohl auch nicht fortgesetzt.

Als Vermittler hatte der Stuttgarter Stadtdekan Michael Brock ein erstes Sondierungsgespräch zwischen den zerstrittenen Bürgern, einem Bahnvertreter und einem Vertreter der Landesregierung für den heutigen Vormittag organisiert. Nun erwarten die Gegner des umstrittenen Bahnprojekts ein Signal - ein "Innehalten", wie sie sagen -, das wohl nicht kommen wird.

Denn sowohl Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus als auch Bahnchef Rüdiger Grube lehnen einen Baustopp bei Stuttgart 21 kategorisch ab. Seine Hand sei zwar ausgestreckt, sagte Mappus. Einen Baustopp werde es aber nicht geben.

Bahnchef Rüdiger Grube hatte bereits vor dem Treffen im Hörfunksender HR-Info einen Baustopp am Stuttgarter Hauptbahnhof ausgeschlossen. Den Bürgerprotest hält er für eine Ländersache Baden-Württembergs, die Entscheidung zum Neubau des Bahnhofs für definitiv.

Während die Gegner des Bahnhofsneubaus seit Wochen mit Aktionen gegen das Projekt kämpfen, machen nun auch die Befürworter mobil. Rund 2000 von ihnen hatten sich gestern zu einem Lauf durch den Stuttgarter Schlosspark getroffen. Und sie wollen ihre Kundgebung an den kommenden Donnerstagabenden wiederholen.

Pfarrer Joachim Bräuchle, der Gründer der Initiative "Prosit" - der Name steht für "Pro Stuttgart 21 Tiefbahnhof" - betonte im Deutschlandfunk: "Aus alt wird jetzt neu, und das ist schön." Das veranschlagte Geld für den Neubau des Stuttgarter Hauptbahnhofs sei sonst weg, wenn nicht gebaut werde. Gerechterweise fließe damit Geld aus dem Länderfinanzausgleich nach Baden-Württemberg zurück. Bei dem Streit lasse ihn "das Freund-Freind-Denken" erschrecken.

Das umstrittene Bahnprojekt hat unterdessen eine neue Führungsspitze bekommen. Der ehemalige Stuttgarter Regierungspräsident Udo Andriof von der CDU und der Leonberger IT- Unternehmer Wolfgang Dietrich werden das milliardenschwere Bauprojekt in der Öffentlichkeit vertreten.

Der 68-jährige ehemalige Regierungspräsident Andriof hatte zuletzt die Expertenkommission der Landesregierung zum Amoklauf von Winnenden geleitet. Sein Vorgänger, Wolfgang Drexler, war in der vergangenen Woche von dem Posten zurückgetreten. Drexler hat ein SPD-Parteibuch und sah sich nicht mehr in der Lage die Bauarbeiten am Hauptbahnhof zu verteidigen. Denn die SPD tritt für einen sofortigen Baustopp ein.

Stuttgart soll einen futuristischen Bahnhof von gigantischen Dimensionen bekommen. Das Bauwerk wird dabei vom Kopf- zum Tunnelbahnhof umgestaltet und unter die Erde verlegt. Die Kosten werden auf etwa sieben Milliarden Euro beziffert. Die Polizeieinsätze zur Sicherung der Protestkundgebungen gegen den Abriss des Stuttgarter Hauptbahnhofs schlagen inzwischen mit 4,1 Millionen Euro zu Buche.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:38 Uhr

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