Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Bayer wird 150 Jahre alt

Kleine Farbenfabrik mausert sich zum "Global Player"

Bayer-Logo in Berlin (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)
Bayer-Logo in Berlin (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer feiert sein 150-jähriges Jubiläum. Zu den Gratulanten gehört auch die Bundeskanzlerin. Vom Gehilfen der Nazi-Vernichtungsmaschinerie zum Arbeitgeber für Hunderttausende – das Unternehmen kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken.

Wird Bayer heute nahezu unzertrennlich mit der Stadt Leverkusen und dem Medikament Aspirin assoziiert, war das bei der Gründung vor 150 Jahren noch anders: Am 1. August 1863 ging das Unternehmen in Wuppertal an den Start. Die Gründer, der Kaufmann Friedrich Bayer und der Färber Johann Friedrich Weskott, wollten damals mit Farben Geld verdienen.

Unternehmen wird durch Aspirin weltweit bekannt

Bayer gehörte damit zu den Pionieren in der deutschen Chemieindustrie: Wenige Monate zuvor war in der Nähe von Frankfurt eine Teerfarbenfabrik entstanden, aus der später ein weiterer Chemieriese hervorging: Hoechst. Zwei Jahre später entstand das Unternehmen BASF. In der darauffolgenden Zeit begann Bayer, im Ausland zu produzieren – das Unternehmen wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Im Jahr 1899 ließ Bayer das Schmerzmittel Aspirin als Warenzeichen registrieren. Das Medikament bringt das Unternehmen daraufhin zu weltweiter Bekanntheit, es wird bis heute verkauft.

1912 zog das Unternehmen von Wuppertal nach Leverkusen, nachdem es auch in der Agrarchemie und im Pharmabereich Fuß gefasst hatte. Es folgte ein Kapitel, das die Konzern-Chronik wie die vieler anderer Unternehmen in der Chemieindustrie alles andere als schmückt: Auch Bayer wurde zum Komplizen der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten. Das Unternehmen hatte schon vor der Machtergreifung der Nazis seine Selbstständigkeit eingebüßt: 1925 war Bayer in der IG Farben aufgegangen, zu der auch Hoechst, BASF und weitere Firmen gehörten.

Bayer unterstützte NS-Kriegsmaschinerie

Friedrich Bayer gründete 1863 eine Farbenfabrik. (picture alliance / dpa / akg-images)Friedrich Bayer gründete 1863 eine Farbenfabrik. (picture alliance / dpa / akg-images)Die IG Farben war zusammen mit dem Chemieunternehmen Degussa an Degesch beteiligt, dem Hersteller des Giftgases Zyklon B, mit dem die Nazis in den Vernichtungslagern Millionen Menschen ermordeten. Und Bayer unterstützte die Kriegsmaschinerie noch in einem anderen Punkt: Eigenen Angaben des Konzerns zufolge beschäftigte das damalige IG-Werk Leverkusen im Herbst 1922 rund 4300 Zwangsarbeiter – in der deutschen Industrie damals nichts Ungewöhnliches. Der Historiker Peter Hayes schreibt über die IG Farben: Ein großer Teil des Unternehmenswachstums habe sich während des Krieges ereignet und sei auf Kosten der Opfer des Nationalsozialismus gegangen.

Nach dem Krieg wurde die IG Farben zerschlagen und Bayer wurde im Dezember 1951 neu gegründet. Fünfzig Jahre später muss der Konzern das Blutfett senkende Medikament Lipobay zurücknehmen. Es wird mit dem Tod von Patienten vor allem in den USA in Zusammenhang gebracht.

Heute ist Bayer ein globaler Pharma- und Chemiekonzern mit 110.000 Mitarbeitern und knapp 40 Milliarden Euro Umsatz – fast die Hälfte davon entfällt auf den Gesundheitsbereich. Daneben setzt das Unternehmen auf die Bereiche Pflanzenschutz sowie Kunststoffe und investiert mehr als drei Milliarden Euro pro Jahr in Forschung und Entwicklung.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Bayer will im Jubiläumsjahr durchstarten - Kosten für Rechtsfälle drücken aber den Gewinn

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:14 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 19:05 Uhr Kommentar

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 19:05 Uhr Zeitfragen. Wirtschaft und Umwelt

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 18:15 Uhr Redaktionskonferenz

Aus unseren drei Programmen

Europäische Ambitionen in PragKoordination des Galileo-Navigationssystems

Einweihung des neuen Hauptquartiers der Agentur für das Europäische GNSS in Prag im September 2012. Die Zentrale war von Brüssel nach Prag verlegt. (DPA/Vit Simanek)

In den USA, in Russland und China unterstehen Navigations-Satelliten dem Militär. Anders läuft es in Europa: Das Galileo-System wird von einer zivilen Behörde geführt. Die Zentrale der europäischen Agentur ist in Prag und steht seit ihrer Eröffnung 2012 in der Kritik.

Mietexplosion in den StädtenSelbst Besserverdienende geraten unter Druck

"Hier entstehen exklusive Eigentumswohnungen" steht auf einem Werbebanner im Bezirk Mitte in Berlin. (dpa / Wolfram Steinberg )

Bezahlbarer Wohnraum in den Städten wird knapp. Ein Gegenmittel: mehr sozialer Wohnungsbau. Der Mittelschicht hilft das allerdings nicht. Auch Krankenschwestern und Feuerwehrleute fänden immer schwerer Wohnungen, warnt die Soziologin Christine Hannemann. Sogar Besserverdienende seien inzwischen betroffen.

WillkommenskulturWo bleibt der Stolz auf die Flüchtlingshelfer?

Eine Helferin gibt am 06.09.2015 in Dortmund (Nordrhein-Westfalen) in einem Gebäude in der Nähe von Hauptbahnhof einer Mutter Kindermilch. (picture alliance / dpa / Maja Hitij)

Viele der Helfer, die sich 2015 um die Geflüchteten in Deutschland kümmerten, sind noch immer aktiv. Doch in der Öffentlichkeit wird das Engagement kaum gewürdigt, sondern eher schlechtgeredet. Die Journalistin Sieglinde Geisel erkennt die Gründe – und sieht weitreichende Folgen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

"KoKo"  Union gegen Idee einer Kooperationsregierung | mehr

Kulturnachrichten

Andreas Beck geht ans Bayerische Staatsschauspiel  | mehr

 

| mehr