Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Beate Klarsfeld bringt sich gegen Gauck in Stellung

Wahl des Bundespräsidenten: "Nazi-Jägerin" könnte am 18. März auf die Stimmen der Linken zählen

Beate Klarsfeld (AP)
Beate Klarsfeld (AP)

Vor 44 Jahren ohrfeigte sie Bundeskanzler Kiesinger und nannte ihn einen "Nazi". Nun ist Beate Klarsfeld erneut auf dem Weg ins Rampenlicht: Die 73-jährige Publizistin ist allem Anschein nach bereit, für das Amt der Bundespräsidentin zu kandidieren.

Die Linke erwägt, die in Frankreich lebende Journalistin und "Nazi-Jägerin" Beate Klarsfeld als Gegenkandidatin zu Joachim Gauck aufzustellen. Aus Parteikreisen verlautete, es habe Gespräche der Linken-Führung mit der 73-jährigen gebürtigen Berlinerin gegeben. Die Linkspartei will am morgigen Donnerstag entscheiden, ob sie einen eigenen Kandidaten für die Wahl am 18. März benennen will. In der Bundesversammlung verfügt die Linke über 124 oder 125 Stimmen, das sind etwa zehn Prozent aller Wahlmänner und -frauen.

Laut Spiegel Online hat Klarsfeld bereits mit Parteichefin Gesine Lötzsch telefoniert und ihre Bereitschaft zur Kandidatur erklärt. Die Parteispitze will offenbar die Entscheidung, ob es einen Linken-Kandidaten geben soll, trotzdem noch intern abwägen. Andere mögliche Kandidaten wie der Kabarettist Georg Schramm waren nur kurz ventiliert worden. Schramm sagte schnell ab. Die TV-Journalistin Luc Jochimsen, die 2010 gegen Christian Wulff angetreten war, riet der Linken zu einem Boykott der Wahl: "Man hat uns parteiübergreifend klargemacht, dass man uns nicht will und auch nicht braucht", sagte sie stern.de.

Beate Klarsfeld war 1968 bekannt geworden, nachdem sie den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger wegen seiner NSDAP-Mitgliedschaft geohrfeigt und ihm "Tritt zurück, Nazi!" zugerufen hatte. Klarsfeld hat schon früh das Aufdecken ungeahndeter Nazi-Verbrechen zu ihrer Lebensaufgabe gemacht. Es war unter anderem ihr zu verdanken, dass der ehemalige Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie, 1983 von Bolivien ausgeliefert und in Frankreich verhaftet wurde. Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk im März 2010 begrüßte sie die Verurteilung des ehemaligen SS-Mannes Heinrich Boere zu lebenslanger Haft durch ein Gericht in Aachen.

Ihr Mann, der Historiker Serge Klarsfeld, sagte der WAZ-Mediengruppe: "Meine Frau steht als Kandidatin zur Verfügung." Ein Duell mit Gauck habe vor allem wegen der unterschiedlichen Rollen bei der Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit ihren Reiz. Gauck stehe für die Aufarbeitung der Stasi-Tätigkeit, seine Frau für die Aufarbeitung der Nazi-Zeit.

Weitere Beiträge im Deutschlandradio zu Gauck und der Wahl des Bundespräsidenten:

Bartsch: Gauck ist mit seinen Positionen für die Linke nicht wählbar
Nicht alle lieben Gauck: Kritik an seinen Äußerungen zu Sarrazin und Occupy
Pfarrer, Politiklehrer und designierter Bundespräsident Porträt über Joachim Gauck
Krachende Niederlage für Merkel: Joachim Gauck soll Bundespräsident werden
Historische Entscheidung:Der Freiheitskämpfer Joachim Gauck wird Bundespräsident

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:47 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 16:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 16:00 Uhr Nachrichten

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Entscheidung im NPD-VerbotsverfahrenExtremismus-Experte: "Verfahren wichtig und richtig"

Vor Beginn der mündlichen Verhandlung vor dem Bundesverfassungsgericht über ein Verbot der rechtsextremen NPD am 01.03.2016 in Karlsruhe (Baden-Württemberg) liegen Aktenordner auf einem Tisch.  (dpa / picture alliance / Uwe Anspach)

Unabhängig vom Ausgang sei das NDP-Verbotsverfahren richtig gewesen, sagte Eric Wallis vom RAA-Regionalzentrum Mecklenburg-Vorpommern im DLF. Solch Verfahren seien ein wichtiges Werkzeug des Rechtsstaats, um zu prüfen, ob Politik möglicherweise mit Gewalt durchgesetzt werden soll.

NPD-VERBOTSVERFAHREN"Die AfD wäre der große Profiteur"

Ob die rechtsextreme NPD verboten wird oder nicht, darüber entscheidet erneut das Bundesverfassungsgericht. 2003 war der erste Versuch aus formalen Gründen gescheitert. Vom NPD-Verbot profitieren würde vor allem die AfD, sagt der Rechtsextremismus-Experte Olaf Sundermeyer.

"Hard Brexit" Ifo-Chef: "Noch nicht das Ende der Verhandlungen"

Der Präsident des ifo Instituts, Clemens Fuest, posiert vor einem Schild mit der Aufschrift "ifo". (picture alliance / dpa / Christina Sabrowsky)

Der Präsident des ifo-Instituts, Clemens Fuest, geht fest davon aus, dass die britische Premierministerin Theresa May am Mittag Pläne für einen "harten Brexit" präsentieren wird. Die Europäer hätten ihr keine andere Wahl gelassen, sagte Fuest im Deutschlandfunk. Dies sei aber der Beginn der Verhandlungen.

PriesterausbildungDie Angst vor der Einsamkeit im Pfarrhaus

(Marc Herwig / picture alliance / dpa )

Nur etwa ein Drittel der Priesteramtsanwärter in Deutschland lässt sich später auch tatsächlich zum Priester weihen. Das Zölibat und die Angst vor dem Verlust der privaten sozialen Kontakte gehören mit zu den Gründen, warum junge Männer dem Priesterberuf den Rücken kehren.

Wahl des neuen EU-ParlamentspräsidentenLambsdorff: "Ein völlig offenes Rennen"

Der Europapolitiker Alexander Graf Lambsdorff (FDP) (dpa / picture-alliance / Roland Weihrauch)

Sieben Abgeordnete bewerben sich heute um das Amt des EU-Parlamentspräsidenten. "Es ist ein völlig offenes Rennen", sagte der FDP-Europapolitiker, Alexander Graf Lambsdorff, im Deutschlandfunk. Es gebe einen echten Wettbewerb um Inhalte, und die Fraktionen würden in einen Dialog treten müssen.

Wahl des EU-ParlamentspräsidentenAuftakt für mehr Transparenz?

Blick in den Saal des EU-Parlaments während einer Abstimmung am 20.5.15 (dpa/Patrick Seeger)

Das Europäische Parlament wählt heute einen neuen Präsidenten. Bislang wurde das Amt stets zwischen Sozialdemokraten und Konservativen "ausgekungelt". Doch diesmal gibt es sieben Kandidaten. Für die EU-Abgeordnete Gabi Zimmer (Linke) ist das neue Verfahren eine Stärkung der Demokratie.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Brexit-Pläne  May: "kein halb drinnen, halb draußen" | mehr

Kulturnachrichten

"Schlümpfe"-Zeichner Pascal Garray gestorben  | mehr

Wissensnachrichten

Visafrei Reisen  Mit deutschem Pass kein Problem | mehr