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"Behörden nicht wirklich auf Augenhöhe mit Kriminellen im Internet"

1000 Experten berieten in Berlin über Gefahren im Netz

Auf die Finger geschaut: Die Polizei arbeitet gegen zunehmende Hacker-Angriffe. (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
Auf die Finger geschaut: Die Polizei arbeitet gegen zunehmende Hacker-Angriffe. (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)

Gehackte Banküberweisungen, Datenklau, digitale Erpressung oder Verbreitung von Kinderpornos: Die Entwicklung der Internet-Kriminalität macht Ermittlern große Sorgen. Einige Innenminister sehen deutliche Defizite beim Kampf gegen die Umtriebe im Netz.

Nach Angaben der EU werden weltweit jeden Tag eine Million Menschen Opfer von Internetkriminalität. Der Schaden beläuft sich demnach pro Jahr rund um den Globus auf etwa 290 Milliarden Euro. Je mehr Regionen und Länder auf der Welt Zugang zum Internet hätten, desto größer würden die Risiken, erklärte Troels Oerting vom neuen EU-Zentrum zum Kampf gegen Cyberkriminalität beim 16. Europäischen Polizeikongress in Berlin zum Thema "Schutz und Sicherheit im digitalen Raum". Die Sicherheitsbehörden in verschiedenen Ländern müssten deshalb enger zusammenarbeiten und sich austauschen. Polizei, Ermittler und Richter müssten besser ausgebildet werden. Oerting weiter: Auch Kinder und Jugendliche müssten früh lernen, wie sie sich im Internet bewegen, um nicht in die Fänge von Kriminellen zu geraten.

In Deutschland rund 60.000 Fälle von Cyberkriminalität

In Deutschland gab es 2011 rund 60.000 Fälle von Cyberkriminalität, wie aus dem jüngsten Lagebild des Bundeskriminalamts (BKA) hervorgeht. Fünf Jahre zuvor waren es noch halb so viele. BKA-Vizepräsident Jürgen Maurer betonte darüber hinaus, diese Zahlen ließen keinen Schluss auf die tatsächliche Gefahren zu: "Das ist das Hellfeld. Es entspricht nicht im Ansatz der Problemlage, mit der wir es zu tun haben."

Der nordrhein-westfälische Innenminister, Ralf Jäger (SPD), beklagte, es fehlten klare rechtliche Grundlagen, um im Netz zu ermitteln. Nötig seien auch mehr Mittel und Personal. Der Staat müsse Geld in die Hand nehmen, um spezialisierte Polizisten zu bezahlen. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) führte aus, die Sicherheitsbehörden seien nicht wirklich auf Augenhöhe mit den Kriminellen im Internet. Bislang könnten sie "gerade mal ein Stück weit gegenhalten". Die Länder müssten enger zusammenarbeiten, um schlagkräftiger zu sein.

Polizei nutzt soziale Netzwerke immer erfolgreicher

Allzu sicher dürfen sich Kriminelle aber wohl auch nicht fühlen: Die Polizei nutzt zunehmend erfolgreicher soziale Netzwerke beim Aufspüren von Straftaten und Verdächtigen. Das unterstrich Helmut Picko vom Landeskriminalamt NRW: Und dabei gehe es nicht nur um Facebook-Partys mit massenhaften Einladungen. Den Beamten komme zugute, dass die meisten Täter digitale Spuren hinterließen - auch wenn sie die durchaus geschickt zu verschleiern wüssten.

Der neue Präsident des Bundesverfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)Verfassungsschutzchef Maaßen warnte vor zunehmender Nutzung des Internets durch Extremisten (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)Auf die wachsenden Gefahren durch Extremisten verwies Bundesverfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen. Das Internet biete ihnen eine enorme Reichweite bei minimalem finanziellen Aufwand. Die Extremisten nutzten soziale Netzwerke, Chaträume und Video-Foren, um neue Anhänger zu rekrutieren und ihre Propaganda zu verbreiten. Auch für die Radikalisierung von Einzeltätern spiele das Netz eine wichtige Rolle. Das gelte für islamistische wie für rechtsextreme Gruppierungen. Auch Cyber-Angriffe auf kritische Infrastrukturen wie Netzwerke von Energieversorgern, Banken oder Börsen seien eine zunehmende Gefahr für die innere Sicherheit, betonte Maaßen.

Bei dem Polizeikongress berieten mehr als 1000 Sicherheitsexperten aus 60 Nationen zwei Trage lang über kriminelle Umtriebe im Netz. Demonstrationen linker Gruppen am Rande der Tagung blieben nach Polizeiangaben friedlich.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr

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