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Ben Ali und seine Reichtümer

Tunesien: Beschlagnahmte Güter sind 13 Milliarden Dollar wert

Tunesiens Ex-Präsident Ben Ali, hier bei einem Auftritt im Jahre 2007 (picture alliance / dpa / EPA)
Tunesiens Ex-Präsident Ben Ali, hier bei einem Auftritt im Jahre 2007 (picture alliance / dpa / EPA)

Immobilien, Unternehmen, Autos und auch ausländische Pässe - es ist eine lange Inventarliste, die den Besitz des früheren tunesischen Diktators Ben Ali und seiner Familie aufzählt. Die neue Regierung plant eine Versteigerung der Superlative.

"Was wir entdeckt haben, beweist, dass hier eine wahre Mafia am Werk war", sagte der zuständige Minister für staatliche Liegenschaften, Slim Ben Hmidane. Gemeinsam mit dem Chef der Konfiszierungskommission bezifferte er in Tunis den Wert, den Regierungsexperten veranschlagt haben: 13 Milliarden US-Dollar könnte der Verkauf der Ben-Ali-Besitztümer bringen, das ergab eine erste Schätzung. Für November sei eine Verkaufsschau mit Versteigerung geplant.

Von 1987 bis zu seiner Absetzung im Januar 2011 regierte Zine el-Abidine Ben Ali in Tunesien. Ein Amt, das er nutzte, um ein erkleckliches Vermögen für sich und seine Familie anzuhäufen: Zahlreiche Immobilien gehören dazu, zum Beispiel Ferienhotels am Mittelmeer, aber auch Möbelhäuser, Unternehmen wie Supermärkte und Banken. In den Garagen des Diktators und seiner Familie parkten Luxusautos, in ihren Depots einträgliche Anteilsscheine tunesischer Firmen.

Ehefrau des tunesischen Ex-Präsidenten Ben Ali (picture alliance / dpa)Auch mit umfangreichem Vermögen ausgestattet: Leila Ben Ali-Trabelsi, Ehefrau des tunesischen Ex-Präsidenten (picture alliance / dpa)Der Clan besitze noch "bedeutende Geldsummen im Ausland" und unterhalte finanzielle Beziehungen mit internationalen Netzwerken in Europa, führte Ben Hmidane weiter aus, ohne konkrete Summen zu nennen. Neben dem Vermögen, das direkt der Familie Ben Ali zugeordnet werden kann, ermitteln die tunesischen Behörden auch, welche Güter sich die frühere Staatspartei RCD unter den Nagel gerissen hatte.

Falsche Pässe und Pferde

Die anwesenden Journalisten konnten sich bei manchen der aufgezählten Posten ein Stirnrunzeln nicht verkneifen. Ein Sprengstoffgürtel sei darunter, eine Sammlung von Stempeln für Zollbescheinigungen, dazu ausländische Pässe – und 83 Pferde. Die Regierung geht davon aus, dass die Liste noch immer nicht vollständig ist. Es würden immer noch neue Güterströme und Geschäftsbeziehungen entdeckt, so der Liegenschaftenminister. Vor allem die verschachtelten Besitzstrukturen mit Strohmännern im Ausland sind offenbar schwierig zu entwirren.

Über die Einzelheiten des Verkaufs der Ben-Ali-Güter soll Mitte Oktober entschieden werden. Um viele potentielle Käufer zu erreichen, soll es nicht nur eine Präsenzausstellung, sondern auch eine virtuelle Galerie im Internet geben. Mit dem erzielten Geld könnte der Staat sein Haushaltsdefizit ausgleichen, sagte Ben Hmidane dem Radiosender Shems FM.

Ben Ali und seine Frau Leila Trabelsi flohen nach der Jasminrevolution am 14. Januar 2011 nach Saudi-Arabien. In Abwesenheit wurden sie von einem Gericht in Tunesien zu jeweils 35 Jahren Haft und Geldstrafen in Millionenhöhe verurteilt. Weitere Prozesse sind anhängig.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr

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