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Benedikt XVI. appelliert an moralische Verantwortung der Politik

Papstrede vor dem Deutschen Bundestag

Papst Benedikt XVI. appellierte im Bundestag an die Verantwortung der Politik für Gleichheit und Frieden.
Papst Benedikt XVI. appellierte im Bundestag an die Verantwortung der Politik für Gleichheit und Frieden. (AP / Markus Schreiber)

In einer Rede vor dem Bundestag hat Papst Benedikt XVI. die Politik zu mehr Verantwortung für Gleichheit und Frieden aufgerufen. Die Rede im Rahmen des viertägigen Staatsbesuches hatte im Vorfeld für hitzige Diskussionen gesorgt. Zahlreiche Abgeordnete erschienen nicht im Parlament.

Der Papst bedankte sich zu Beginn seiner Rede für die Einladung. Diese "gilt mir als Papst, als Bischof von Rom. Sie anerkennen damit die Rolle, die dem Heiligen Stuhl als Partner innerhalb der Völker- und Staatengemeinschaft zukommt", sagte Benedikt XVI. Besonders appellierte der 84-Jährige in seiner knapp 20-minütigen Rede an die Verantwortung der Politik für Gleichheit und Frieden. Letzer Maßstab und Grund für die Arbeit eines Politikers dürfe nicht der Erfolg und schon gar nicht materieller Gewinn sein.

Der Papst habe seinen Zuhörern Einiges abverlangt, berichtet Korbinian Frenzel im Deutschlandradio Kultur. "Es war keine Rede der Herzlichkeit, sondern eher ein philosophisches Traktat". Die Abgeordneten hatten den Papst mit Beifall empfangen. Ein Teil der Abgeordneten war der Rede des Papstes ferngeblieben Sie hatten im Vorfeld kritisiert, dass die Rede des Papstes vor dem Bundestag die Trennung von Staat und Kirche verletze.

Kontroverse um Papstrede

Im Vorfeld des Auftritts des Papstes hatte es Streit darum gegeben, ob dieser vor dem Bundestag reden dürfe. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hält die Kritik am Auftritt Benedikts vor dem Parlament für überzogen. "Die kommen mir vor wie kleine Kinder, die sich die Ohren zuhalten", sagte Friedrich im Deutschlandfunk. Der Papst sei Staatsoberhaupt des Vatikans und der Vertreter einer Weltkirche. Abgeordnete, die die Rede boykottierten, verstießen gegen parlamentarische Pflichten. Grünen-Politikerin Christa Nickels, die Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist, stimmt dem Bundesinnenminister zu: Zur besonderen kirchenrechtlichen Konstruktion in Deutschland gehöre die Möglichkeit, eine herausgehobene Persönlichkeit wie den Papst im Bundestag sprechen zu lassen, sagte Nickels im Deutschlandfunk.

Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele widersprach dem Minister und seiner Parteifreundin. Der Papst sei Oberhaupt eines Kleinstaates und nicht mal demokratisch gewählt. Diesen Mann im Deutschen Bundestag besonders zu ehren, halte er für nicht vertretbar. Daher sei es "keine normale Sitzung des Deutschen Bundestages, zu der ein Abgeordneter verpflichtet ist hinzugehen", erklärte Ströbele ebenfalls im Deutschlandfunk.

Papst Benedikt XVI. und Bundespräsident Christian WulffMit Salutschüssen begrüßt: Papst Benedikt XVI. und Bundespräsident Christian Wulff (dpa / picture alliance / Marcus Brandt)

Dritter Deutschlandbesuch Benedikts

Am Vormittag war Benedikt XVI. in Berlin eingetroffen. Es ist der dritte Deutschlandbesuch von Josef Ratzinger, seit er Papst ist.

"Willkommen zuhause, Heiliger Vater", hatte Bundespräsident Christian Wulff das Oberhaupt der katholischen Kirche am Flughafen Tegel begrüßt. Zuvor gab es Salutschüsse vom Wachbataillon der Bundeswehr.

Im menschlichen Miteinander gebe es keine Freiheit ohne Solidarität, sagte Benedikt XVI. beim Empfang im Schloss Bellevue. Der Papst betonte zugleich, die Bundesrepublik sei durch die - von der Verantwortung vor Gott und voreinander gestaltete - Kraft der Freiheit zu dem geworden, was sie heute sei.

Im Vorfeld gab es Verwirrungen, wer den Papst eigentlich eingeladen habe. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Stefan Müller, erklärte im Februar im Deutschlandfunk:

"Der Bundestagspräsident hat im Ältestenrat erklärt, dass der Wunsch des Papstes an ihn herangetragen worden ist. Also, es war der Wunsch des Vatikan, dass der Papst im Bundestag reden kann. Dieser Wunsch sei über den Vorsitzenden der Bischofskonferenz an den Bundespräsidenten weitergegeben worden. Und das Präsidium des Bundestages hat dann entschieden, diesem Wunsch zu entsprechen und den Papst während seiner Deutschlandreise einzuladen."

Protestkundgebungen gegen Papstbesuch

Während der Papstrede haben sich gut 2.500 Demonstranten am Potsdamer Platz versammelt. Sie kritisieren vor allem die Sexualpolitik der katholischen Kirche sowie ihren Umgang mit Homosexuellen.

Der Papst hatte den angekündigten Protesten gelassen entgegengesehen: "Das ist normal in einer freien Gesellschaft", erklärte er auf dem Flug nach Berlin.

Am Abend wird der Papst eine Messe im Berliner Olympiastadion zelebrieren, zu der 70.000 Besucher erwartet werden. Während des Papstbesuches gilt die höchste Sicherheitsstufe.

Im Fokus: Missbrauchsskandale und Ökumene

Durch die in den vergangenen Jahren publik gewordenen Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen kam es im letzten Jahr zu einer Austrittswelle: Über 180.000 Gläubige kehrten der Kirche den Rücken. Es wird erwartet, dass der Papst sich auch zu diesem Thema äußern wird.

Auf seinem Flug nach Deutschland erklärte Benedikt, die Kirche müsse lernen, solche Skandale auszuhalten und jeden Missbrauch entschieden bekämpfen.

Auch der ökumenische Dialog wird eine Rolle spielen. Der Papst wird am zweiten Tag seines Besuches mit Vertretern der evangelischen Kirche in Erfurt zusammentreffen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, erwartet vom Papstbesuch auch entsprechend eine Ermutigung für die Ökumene.

Thementag DRadio Wissen zum Papstbesuch:

Die finanzielle Verflechtung von Staat und Kirche
Ob katholisches Krankenhaus oder Evangelischer Kindergarten - an der Finanzierung dieser Einrichtungen ist die Kirche oft nur mit geringen Mitteln beteiligt. Den weitaus größeren Anteil an der Finanzierung machen Gebühren, Beiträgen und Steuergeldern aus.

Reden fürs Geschichtsbuch
Noch bevor der Papst das erste Wort gesprochen hat, sorgt seine Rede für Aufregung. Nicht alle Abgeordneten sind damit einverstanden, dass der Papst vor dem deutschen Bundestag spricht. Gute Voraussetzungen dafür, dass auch diese Rede des Papstes wieder Geschichte schreibt.

Papstbesuch in Deutschland - <br> Alle Sendungen auf einen Blick

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:44 Uhr

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