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Benedikt XVI: "Betet weiterhin für mich"

Erste Papst-Audienz nach Rücktrittsankündigung

Papst Benedikt auf dem Balkon des Petersdoms
Papst Benedikt auf dem Balkon des Petersdoms (picture alliance / dpa / OSSERVATORE ROMANO EDITORIAL USE ONLY)

Papst Benedikt XVI. hat sich im Vatikan vor Tausenden Menschen zu den Motiven seines angekündigten Rücktritts geäußert. Es sei ihm klar geworden, dass er nicht mehr in der Lage sei, "das Petrusamt mit der erforderlichen Kraft auszuüben", sagte er. Zu Ostern soll der Nachfolger feststehen.

Bei der ersten Generalaudienz nach seiner Rücktrittsankündigung hat Papst Benedikt XVI. Tausende von Gläubigen im Vatikan empfangen. Mit großem Jubel wurde das Oberhaupt der katholischen Kirche begrüßt. Zu den Motiven seiner Entscheidung sagte der Papst: "Ich habe dies in voller Freiheit für das Wohl der Kirche getan." Er habe vorher lange sein Gewissen geprüft - dabei sei ihm klar geworden, dass er nicht mehr in der Lage sei, "das Petrusamt mit der erforderlichen Kraft auszuüben." Benedikt bat die Gläubigen, für ihn, die Kirche und den künftigen Papst zu beten.

Juristen und Protokollexperten bemühen sich unterdessen zu klären, welche Regularien beim erklärten Amtsverzicht eines Papstes eingehalten werden müssen. Dies beginnt mit der Frage, was mit dem Siegel und dem Fischerring Benedikts XVI. geschehen soll. Der Ring werde nach dem Ende des Pontifikats vermutlich zerbrochen. "Man befindet sich in einer völlig neuen ungewohnten Situation", sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Das gilt auch für den künftigen Titel, den Benedikt führen wird. Er werde nicht in den Rang eines Kardinals zurückgestuft, betonte Lombardi. Aber ob er dann als "zurückgetretener Papst" oder "emeritierter Bischof von Rom" bezeichnet wird, muss noch eruiert werden.

Lombardi wies Berichte zurück, wonach sich der Papst nach einer Herzoperation vor rund drei Monaten zu seinem Rücktritt entschlossen habe. Der Papst habe sich bei einem Routineeingriff die Batterien seines Herzschrittmachers ersetzen lassen, sagte Lombardi. Der Eingriff habe aber nichts mit der Entscheidung zu tun.

Ein Papst aus Afrika?

Peter Kardinal Turkson, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und FriedenPeter Kardinal Turkson, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)In Rom kursieren bereits die Namen möglicher Nachfolger. Einer der Favoriten stammt aus Ghana. Peter Turkson gilt als aussichtsreichster Kandidat aus Afrika. Turkson leitet das vatikanische Büro für Frieden und Gerechtigkeit. Damit ist er so etwas wie das soziale Gewissen der Kirche. Ein Ziel, für das er sich einsetzt, ist eine globale Finanzreform.

Genannt wird auch Francis Arinze aus Nigeria. Der 80-Jährige galt als Favorit noch vor Joseph Ratzinger: Drei zu eins lautete die Wettquote britischer Buchmacher am 18. April 2005. Arinze wurde als Angehöriger des Volkes der Ibo geboren - als "Heidenkind", wie man damals sagte. Sein Eintreten für Versöhnung zwischen christlichen und muslimischen Bevölkerungsgruppen empfahl ihn Johannes Paul II. 1985 für die Leitung des päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. Zunächst Präfekt der Gottesdienstkongregation, ernannte Benedikt XVI. ihn 2009 zum Leiter der Fastenexerzitien für die Römische Kurie.

Aus Lateinamerika wird vor allem der Erzbischof von Sao Paulo, Kardinal Odilo Scherer, als einer der Favoriten gehandelt. Erneut sind auch zwei Italiener im Gespräch: Der Mailänder Erzbischof Angelo Scola hätte Chancen, heißt es, aber auch Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. Im Wahlgremium haben noch immer die Europäer die Mehrheit. Etwa die Hälfte der Kardinäle, die an der Papst-Wahl teilnehmen können, stammt aus Europa. In der Vergangenheit kamen die katholischen Kirchenoberhäupter in der Regel aus Italien, auch wenn die "Tradition" zuletzt mit dem Polen Johannes Paul II. und mit dem Deutschen Benedikt XVI. gebrochen wurde.

Mehr:
"Er war einfach nicht der geistige Führer" - Hans Küng über die Bilanz der Amtszeit von Benedikt XVI.
Glück würdigt Papst Benedikt XVI. als "bedeutende Persönlichkeit" - ZdK-Präsident: Scheidender Pontifex ist ein Mann der Frömmigkeit und des Gebetes
Zum Ende eines Pontifikats - Papst Benedikt XVI. und sein Vermächtnis

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr

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