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Benedikt XVI. will Einheit der Christen

Erste Messe des neuen Papstes

Joseph Ratzinger zelebriert seine erste Messe als Papst Benedikt XVI. in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan (AP)
Joseph Ratzinger zelebriert seine erste Messe als Papst Benedikt XVI. in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan (AP)

Der neue Papst Benedikt XVI. hat die Einheit der Christenheit sowie den Dialog in den Mittelpunkt seines Amtes gesetzt. In seiner ersten Predigt nach seiner Wahl versicherte der bisherige Joseph Kardinal Ratzinger in der Sixtinischen Kapelle in Rom, er werde den Kurs seines Vorgängers fortsetzen.

Der theologische Dialog sei ebenso notwendig wie die "Reinigung des Gedächtnisses", betonte das Kirchenoberhaupt. Er sei entschlossen, Kontakte und das Einverständnis mit Vertretern der verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften zu fördern.

Er erklärte "die Bereitschaft aller Katholiken, an einer echten sozialen Entwicklung mitzuarbeiten, die die Würde jedes Einzelnen respektiert". In diesem Zusammenhang stehe dieVerständigung mit den Zivilisationen, die er weiter vorantreiben werde, um so die Bedingungen für eine bessere Zukunft für alle zu schaffen.

Besondere Aufmerksamkeit schenkte der neue Papst in seiner Rede der Jugend. Er kündigte seine Teilnahme am Weltjugendtag im August in Köln an und lud explizit die Jugendlichen dazu ein: "Ihnen gilt meine herzliche Umarmung."

Der Dialog auch zu den nichtchristlichen Religionen solle ebenfalls fortgesetzt werden: "Die katholische Kirche will mit ihnen weiterhin einen offenen und aufrichtigen Dialog fortsetzen, auf der Suche nach dem echten Wohl des Menschen und der Gesellschaft", so der Papst wörtlich.
Interview mit Reinhard Baumgarten zum Thema Kirche und Islam

Glückwünsche für Papst Benedikt XVI.


Überwiegend mit Freude und Zustimmung haben Katholiken sowie Staats- und Regierungschefs in aller Welt auf die Wahl von Joseph Kardinal Ratzinger zum neuen Papst reagiert. US-Präsident George W. Bush würdigte den Deutschen als Mann großer Weisheit und Kenntnis. UNO-Generalsekretär Kofi Annan beglückwünschte Ratzinger. Dieser benötige Kraft und Mut für die gewaltige Verantwortung.

Bundespräsident Horst Köhler gratulierte dem 78-Jährigen von ganzem Herzen. An dessen neues Amt seien hohe Erwartungen geknüpft. Er gehe davon aus, dass Ratzinger diesen mit Klugheit begegnen werde, erklärte Köhler. Köhler ergänzte, die Wahl eines Landsmanns erfülle die Deutschen mit Freude und mit ein wenig Stolz.

Bundeskanzler Gerhard Schröder sprach von einem weltweit geachteten Theologen, dessen Wahl auch Deutschland ehre. Ähnlich äußerte sich CDU-Chefin Angela Merkel. Sie verwies darauf, dass schwierige Aufgaben bevorstünden.

Bischofskonferenz sagt Unterstützung zu


Die deutschen Kardinäle Sterzinsky, Lehmann und Meisner auf einer Pressekonferenz nach der Papstwahl (AP)Die deutschen Kardinäle Sterzinsky, Lehmann und Meisner auf einer Pressekonferenz nach der Papstwahl (AP)Karl Kardinal Lehmann, der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, nannte die Entscheidung für Ratzinger eine Zäsur für die Bundesrepublik. Dass 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges ein Deutscher in dieses Amt habe gewählt werden können, sei ein wichtiges Zeichen für die endgültige Rückkehr in die Völkergemeinschaft. Lehmann sagte dem neuen Papst seine Unterstützung zu.

Der kirchenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Hermann Kues, sagte im Deutschlandfunk, bei aller Reserve in Detailfragen könne er mit der Wahl Ratzingers ganz gut leben. Dieser differenziere auch sehr viel stärker, als dies in der Öffentlichkeit wahrgenommen werde. Interview mit Hermann Kues

Bischof Marx: Benedikt XVI. bringt "positive Impulse"


Der Trierer Bischof, Reinhard Marx, erwartet "positive Impulse" vom neuen Papst Benedikt XVI., dem deutschen Joseph Ratzinger. Er hoffe, dass die katholische Kirche die Herausforderungen der modernen Zeit annehmen und sich nicht in Kirchen und Sakristeien verschließen wird.
Interview mit Bischof Marx

Kritiker befürchten Rückschlag für Reformbestrebungen


Kirchenkritiker äußerten sich jedoch skeptisch. Sie befürchten einen Rückschlag für die Reformbestrebungen innerhalb der Kirche. Ratzinger gilt als Verfechter einer konservativen Glaubenslehre. Auch die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen hat Bedenken gegenüber dem neuen Papst geäußert. Joseph Ratzinger habe Angst vor dem Zeitgeist und davor, dass Ortskirchen selbstständig werden. Sie wünsche sich hingegen, dass Kirche vor Ort gelebt werde und die Menschen ihre Verantwortung selber wahrnähmen, ohne dabei nur nach Rom zu schauen.
Interview mit Maria Jepsen

Ratzinger innerkirchlich umstritten


Regensburg feierte mit den Domspatzen die Wahl von Kardinal Josef Ratzinger zum Papst. Ratzinger hatte in Regensburg einige Jahre an der Universität gelehrt (AP)Regensburg feierte mit den Domspatzen die Wahl von Kardinal Josef Ratzinger zum Papst. Ratzinger hatte in Regensburg einige Jahre an der Universität gelehrt (AP)Joseph Ratzinger wurde am 16. April 1927 im bayerischen Marktl am Inn geboren. 1977 berief Paul der Sechste den Theologieprofessor zum Erzbischof von München und Freising. 1981 wechselte er, bereits als Kardinal, in die römische Kurie. Sein Wirken als Leiter der Glaubenskongregation ist auch innerkirchlich umstritten, nicht zuletzt bei den deutschen Katholiken. Die kritischen Theologen Küng und Hasenhüttl sowie die Bewegung "Kirche von unten" nannten die Wahl enttäuschend. Viele andere wären besser gewesen als Ratzinger, sagte Küng im ARD-Fernsehen. Man dürfe den neuen Papst jedoch nicht vorverurteilen, sondern müsse ihm eine Chance geben, betonte Küng.

Der 78-Jährige deutsche Kurienkardinal war am Dienstag im Vatikan in Rom in einem der kürzesten Konklave zum Nachfolger des verstorbenen Johannes Paul II. bestimmt worden und hat den Namen Benedikt der Sechzehnte angenommen. Nach seiner Wahl zeigte er sich den Gläubigen auf dem Petersplatz und erteilte den Segen "urbi et orbi". In einer kurzen Ansprache würdigte er Johannes Paul II.

Erster deutscher Papst seit dem 11. Jahrhundert

Benedikt XVI. ist im strengen Sinne der erste deutsche Papst seit dem 11. Jahrhundert. Gemeinhin wird aber auch der aus Utrecht stammende Hadrian VI. vor knapp 500 Jahren zu den Päpsten aus Deutschland gezählt.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:09 Uhr

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