Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Benedikts Pontifikat ist zu Ende

Sedisvakanz hat begonnen

Das Pontifikat von Benedikt XVI. ist beendet (dpa / picture alliance / Michael Kappeler)
Das Pontifikat von Benedikt XVI. ist beendet (dpa / picture alliance / Michael Kappeler)

"Grazie. Buona notte." Mit diesen schlichten Worten hat sich Benedikt XVI. von der Öffentlichkeit in Castel Gandolfo verabschiedet. Um 20 Uhr endete sein Pontifikat. Den Vatikan hatte der 85-Jährige bereits am Nachmittag verlassen.

Er sei künftig nicht mehr der Papst, sondern ein einfacher Pilger auf der letzten Etappe seiner irdischen Wanderschaft, sagte Benedikt, der künftig als emeritierter Papst bezeichnet wird. Nachdem er die wartenden Gläubigen gesegnet hatte, zog sich der 85-Jährige in den Palast von Castel Gandolfo zurück. Dort endete um 20 Uhr sein Pontifikat.

Abreise im Helikopter

Im Vatikan läuteten die Glocken, als der Helikopter von Benedikt XVI. kurz nach 17.00 Uhr vom Boden abhob. Die letzten Stunden im Amt verliefen für Papst Benedikt XVI. unspektakulär. Er nutzte sie für ein persönliches Treffen mit den Kardinälen – und für ein Versprechen an seinen Nachfolger.

Benedikt wird die nächsten Monate in der Sommerresidenz bei Rom verbringen. So lange, bis das ehemalige Kloster in den Vatikanischen Gärten, wo er künftig wohnen soll, hergerichtet ist. Knapp acht Jahre hatte der Deutsche Josef Ratzinger das höchste Amt der katholischen Kirche inne. Mit seinem Rücktritt aus freien Stücken hat er Kirchengeschichte geschrieben.

Seinem Nachfolger versprach Benedikt XVI. "bedingungslose Hochachtung und Gehorsam". Sein Mittagessen nahm er mit seinem Sekretär und anderen Mitgliedern der päpstlichen Familie ein.

Dank und kritische Worte zum Abschied

Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (AP)Robert Zollitsch (AP)Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, würdigte Benedikt im Deutschlandfunk als Brückenbauer zwischen Religionen und Völkern. "Viele seiner Schriften werden noch lange gelesen werden, weil es ihm gelungen ist, das, was die Theologie, was das Evangelium sagt, auch dann in die Sprache zu übersetzen, so dass Menschen es verstanden haben. Das ist eine große Leistung", erklärte Zollitsch. Mit Gottesdiensten in Berlin und anderen deutschen Städten bedankten sich die Gläubigen in Deutschland beim scheidenden Papst.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, sagte, bei den evangelischen Christen werde der deutsche Papst einerseits als ein großer Gelehrter in Erinnerung bleiben. Andererseits habe er eine weitere ökumenische Annäherung nicht möglich gemacht.

Die CDU-Politikerin Julia Klöckner wünscht von der katholischen Kirche nach Papst Benedikt XVI. eine stärkere Öffnung in gesellschaftlichen Fragen. Im Deutschlandradio Kultur sprach sie insbesondere die Rolle der Frauen an: "Wir können nicht darauf verzichten, dass Frauen stärker zu Wort kommen, aber auch, dass sie nicht nur dann gern gesehen sind, wenn der Altarraum mit Blumen ausgeschmückt werden soll."

Einen Termin für das Konklave gibt es noch nicht

Mit dem offiziellen Ende des Pontifikats beginnt die Zeit der Sedisvakanz, des "leeren Stuhl Petri". In dieser Zeit wird die katholische Kirche vom Kardinalskollegium geleitet. Das besteht aus den 208 derzeit lebenden Kardinälen. Sie sind allerdings gehalten, nur dringende Amtsgeschäfte und allgemeine Aufgaben zu erledigen. Den Kern der Kirchenleitung übernimmt ein Vierergremium aus dem Kardinalskämmerer und drei seiner Kollegen, die per Los bestimmt werden. Die Gesamtheit der Gläubigen sollen in dieser Übergangszeit dafür beten, dass es zu einer einmütigen und segensreichen Wahl des neuen Papstes kommt.

Bis zum 20. März, vermutlich aber schon früher, soll das Konklave zusammentreten, also die Kardinalsversammlung, die über Benedikts Nachfolger entscheidet. Wahlberechtigt sind die Kardinäle unter 80 Jahren.


Mehr auf dradio.de:

Jubel - Austritte - Rücktritt - Eine Bilanz des Pontifikats Benedikts XVI.
Wer folgt auf Papst Benedikt? - Bis Ostern soll ein neuer Papst bestimmt werden
Papst Benedikt XVI. tritt zurück - Joseph Ratzinger will Pontifikat am 28. Februar niederlegen
Tag für Tag - Bilanz eines Pontifikats

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:07 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 23:10 Uhr Das war der Tag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Fazit

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Vierte Amtszeit für die Kanzlerin?"Merkel wird das Wort Obergrenze in den Mund nehmen müssen"

Der Journalist und Politikberater Hans-Hermann Tiedje (picture alliance / dpa / Revierfoto)

Für Hans-Hermann Tiedje steht fest: Angela Merkel braucht die Zustimmung von CSU-Chef Horst Seehofer, will sie 2017 erneut als Kanzlerkandidatin antreten. "Ohne Seehofer geht es nicht", sagte der ehemalige "Bild"-Chefredakteur im DLF. In der entscheidenden Flüchtlingsfrage habe dieser seine Partei hinter sich - sowie die Mehrheit der Gesellschaft.

Radio in GroßbritannienProgramm-Perlen nur via DAB

Ein Radio mit Digitalempfang steht am 09.05.2016 auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig (Sachsen). (picture alliance / dpa / Jan Woitas)

Das Fernsehen ist längst digital geworden, Radio aber zu einem guten Teil noch nicht. Während der Übergang zur digitalen DAB-Technik in Deutschland nur schleppend vorangeht, ist DAB in Großbritannien ein Erfolg. In britischen Haushalten stehen bereits 30 Millionen DAB-Empfänger. Und das hat seinen Grund.

Ausbau des Digitalradios"Das ist auch Aufgabe der Politik"

(Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)

Die öffentlich-rechtlichen Radiosender in Deutschland treiben den Ausbau des Digitalstandards DAB+ voran. Private Sender sträuben sich - zu hoch sind für sie die Umrüstungskosten. Deutschlandradio-Intendant Willi Steul fordert deswegen Politik und Regulierungsbehörden zur Mithilfe auf - denn DAB+ sei längst auch international der technische Standard für qualitativ hochwertiges Radiohören, sagte er im DLF.

Vollverschleierung"Ein Symbol für die Unterdrückung der Frau"

Der Bundesvorsitzende der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, steht am 30.06.2016 vor einem Polizeibus in Köln. (imago / Eibner)

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, hält ein Verbot der Vollverschleierung in Deutschland für sinnvoll. Im DLF sagte er, man müsse es nicht dulden, dass häusliche Gewalt in aller Öffentlichkeit praktiziert werde. Die Burka nannte er ein Symbol der Unfreiheit der Frau.

AlleinerziehendeRecht für Väter ist Pech für Mütter

Eine Mutter sitzt mit ihren zwei Kindern auf einer Bank und hält ein Buch in den Händen. (Deutschlandradio / Sabine Demmer)

Alleinerziehende werden in Deutschland allein gelassen. Es gibt noch zu viele bürokratische Lücken, die Unterhaltszahlungen aushebeln, meint die Schriftstellerin und Journalistin Susanne Schädlich. Die Konsequenzen tragen vor allem Mütter und Kinder.

GlobalisierungDer "große Schub" ist vorbei

Chinesische Arbeiter bauen eine Smart-Watch zusammen. (AFP)

Die Globalisierung schreitet immer weiter voran. Wer würde daran zweifeln? Stefan Bielmeier beispielsweise. Der Chefvolkswirt der DZ Bank erklärt, warum die Globalisierung kein zwangsläufiger Prozess ist - und auch kein aktueller Trend mehr.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Schwerin  Merkel: "CDU darf im Kampf um AfD-Wähler ihren Kern nicht aufgeben" | mehr

Kulturnachrichten

Hochdotierter Comic-Preis für Zeichnerin PoinT  | mehr

Wissensnachrichten

Mexiko  Avocado-Hunger beschleunigt Abholzung | mehr