Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Benzin ist zu teuer - und das ist amtlich

Bundeskartellamt bezeichnet Industriestrukturen als "Oligopol"

Von Johanna Herzing

Benzinpreiserhöhung als drastische Grafik (Stock.XCHNG)
Benzinpreiserhöhung als drastische Grafik (Stock.XCHNG)

Illegale Preisabsprachen sind den Mineralölkonzernen in Deutschland nach wie vor nicht nachzuweisen. Dass die Preise für Diesel und Benzin höher liegen als nötig, das hingegen hat das Bundeskartellamt nun festgestellt.

In ihrer Studie, die am Donnerstag veröffentlicht wird, sprechen die Wettbewerbshüter von einem Oligopol. Fünf Mineralölkonzerne beherrschen mehr als zwei Drittel des deutschen Kraftstoff-Marktes und das ist dem Wettbewerb abträglich, so ein Sprecher der Behörde. Für Automobilklubs kein überraschendes Ergebnis:

"Das wissen wir seit Jahren, die Mineralölkonzerne dementieren seit Jahren. Immer wenn Feiertag ist, immer wenn Wochenende ist, immer wenn viele Menschen unterwegs sind, explodieren die Spritpreise und werden die Autofahrer abgezockt, aber jetzt ist es mal amtlich."

… meint etwa Maxi Hartung vom ADAC. Derlei Vorwürfe hat die Mineralöl-Branche bislang stets zurückgewiesen. Von intensivem Wettbewerb und hoher Transparenz war die Rede. Auch jetzt sieht der Verband der Mineralölwirtschaft keinerlei Grund zur Selbstkritik. Nirgendwo sonst in Europa sei Sprit so günstig wie in Deutschland, die Gewinne aus dem Geschäft seien hingegen eher niedrig. Hauptgeschäftsführer Klaus Picard:

"Es ist richtig, dass vor Wochenenden, zum Beispiel am Freitag, die Erwartung – das weiß man, dass am Wochenende die Preise stark fallen. Da ist es üblich, dass ein guter Kaufmann sagt: Ich baue vor und am Freitag werden die Preise um drei Cent höher gesetzt und am Montag sind sie schon wieder so niedrig, dass wir teilweise in der Verlustzone verkaufen."

Auf Mitgefühl aus der Politik kann Picard wohl trotzdem nicht zählen. Vertreter aller Parteien sehen das Bundeskartellamt am Zug. Volker Kauder, Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag, zeigt sich durch die derzeitige Situation beunruhigt und fordert ein Eingreifen der Behörde. Auch die Opposition kritisiert das Verhalten der Branche. Christine Scheel, für die Grünen im Wirtschaftsausschuss des Bundestages sagte im Deutschlandfunk:

"Das ist ein durchorganisiertes System und da kuckt man natürlich auf die Konkurrenz und das Schlimme ist, dass in dem Moment, wo sie ihre Gewinnspannen erhöhen können, die Preise nach oben ziehen können, ziehen die Konkurrenten mit und ( ... ) wenn die Rohölpreise sinken, reagieren sie erstmal nicht, weil sie natürlich im Geschäft bleiben wollen und die Margen höher sind."

Dennoch ist unklar, ob das Bundeskartellamt tatsächlich Verfahren gegen einzelne Firmen anstrengen wird. Aussicht auf Erfolg besteht nur im Fall eines Verstoßes gegen das Wettbewerbsrecht. Die Preise bei steigender Nachfrage zu erhöhen, ist jedoch nicht verboten. Auch Maxi Hartung vom ADAC ist wenig optimistisch:

"Die Politik kann eigentlich leider nicht viel tun, weil aus dem Fenster kucken und die Preise gegenüber beobachten, ist leider nicht verboten. Die Politik muss nur dafür sorgen, dass sich diese fünf Konzerne nicht noch weiter ausbreiten und vielleicht irgendwann zu Hundert Prozent den Markt beherrschen."

Das Bundeskartellamt will weitere Fusionen auf dem Tankstellenmarkt untersagen. Freie Tankstellen sollen weiter frei bleiben. Christine Scheel von den Grünen fordert hingegen ein grundsätzliches Umdenken:

"Wir brauchen mehr Transparenz, wir brauchen eine Offenlegung der Preiskalkulation und wir müssen natürlich auch dafür sorgen, uns ein Stück unabhängiger von diesen Öllieferanten zu machen."

Zum Beispiel durch spritsparende Autos.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:42 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Radionacht Information

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Nach Dresdener RedeHöcke soll nicht mehr als Lehrer arbeiten dürfen

Der AfD-Politiker Björn Höcke. (imago / Steve Bauerschmidt)

Politiker von der SPD, CDU und Grünen fordern, dass Björn Höcke in Zukunft nicht mehr als Lehrer arbeiten darf. Grund ist seine Rede in Dresden am Dienstagabend. Der AfD-Politiker ist wegen seiner Abgeordnetentätigkeit im thüringischen Landesparlament zur Zeit von seinem Lehrberuf in Hessen beurlaubt.

MenstruationDer Kampf gegen ein uraltes Tabu

Blut auf weißer Fläche (picture alliance / dpa / Fritz Schumann)

Bis heute schweigen viele junge Frauen über ihre Periode. Laut einer Studie spricht nur eine von fünf Frauen mit ihrem Partner über ihre Menstruation. Unter dem Motto "period positivity" melden sich jedoch immer mehr Frauen zu Wort und sprechen offen über ihre Erfahrungen.

Reaktionen der US-KunstszeneKunst statt Trump

Museumsbesucher betrachten ein Bild der US-Künstlers Jackson Pollock, Titel: "Blue Poles" (1952) (picture alliance / dpa / EPA / Andy Rain)

Morgen wird Donald Trump als neuer Präsident der USA vereidigt. Das linksliberale Kunstpublikum bleibt den Feierlichkeiten demonstrativ fern. Museen bieten Sonderveranstaltungen und freien Eintritt. Ein Überblick.

"Yolocaust" von Shahak ShapiraSelfies am Holocaust-Mahnmal

Italienische Touristinnen machen am Holocaust-Denkmal in Berlin ein Selbstporträt mit einem "Selfie-Stick". (picture alliance / dpa/ Felix Zahn)

Darf man am Holocaust-Mahnmal in Berlin lustige Fotos schießen? Der Satiriker Shahak Shapira hat mit der Aktion "Yolocaust" darüber eine Debatte angestoßen. Der Zuspruch ist enorm - aber auch skeptische Stimmen werden laut. Wir haben uns umgesehen.

Antilopen Gang und Fehlfarben"Das hier ist Musik für Freaks"

Die Hip-Hop-Band Antilopen Gang aus Aachen und Düsseldorf. (picture alliance / JKP / Schermer / dpa)

Das neue Album der Antilopen Gang weist nicht nur mit dem Namen "Anarchie und Alltag" auf ein legendäres Album der Fehlfarben hin. Was die Hip-Hop-Gruppe und die Düsseldorfer Punkveteranen eint und warum auf die Fressen hauen manchmal besser ist als ständig zu reden.

Journalismus"The Young Turks" versus Donald Trump

"The Young Turks": Jayar Jackson, Praveen Singh, Gründer Cenk Uyger und Jesus Godoy im Washington (Imago)

Mit Donald Trump als Präsident wird sich für sie vieles verändern, befürchten nicht wenige Journalisten in den USA. Die Macher des Online-Nachrichten-Formats "The Young Turks", haben davor keine Angst. Ihr Gründer - ein US-Bürger mit türkischen Wurzeln- rät allen Medienmachern, sich vor dem neuen US-Präsidenten bloß nicht wegzuducken.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

US-Präsidentschaft  Trump und Pence vor Vereidigung | mehr

Kulturnachrichten

Sängerin des Welthits "Lambada" ist tot  | mehr

Wissensnachrichten

Indonesien  Tierschützer prangern "Horror-Zoo" an | mehr