Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Berliner Abgeordnete diskutieren über Rocker

Abgeordnetenhaus beschäftigt sich mit Hells Angels und Bandidos

Von Dieter Nürnberger

Die Berliner Rockerszene ist nervös. Am 10. Juni 2012 wurde ein Führungsmitglied auf offener Straße angeschossen.
Die Berliner Rockerszene ist nervös. Am 10. Juni 2012 wurde ein Führungsmitglied auf offener Straße angeschossen. (AP)

Erst eine verpatzte Polizeiaktion gegen die Berliner Hells Angels, dann eine Diskussion um ein bundesweites Verbot der Rocker - über die Motorrad-Clubs, die mit Drogen- und Rotlichtmilieu in Verbindung gebracht werden, wird derzeit viel berichtet. Im Berliner Abgeordnetenhaus fiel die Diskussion aber eher zurückhaltend aus.

Seit Wochen verstärkt die Polizei den Druck auf die kriminelle Berliner Rockerszene. Club- und Hausdurchsuchungen sowie Beschlagnahmungen und auch Verhaftungen sorgen derzeit dafür, dass die Verunsicherung innerhalb und auch unter den Gruppierungen wächst. Das zumindest ist die Einschätzung von Christian Steiof, dem Chef des Berliner Landeskriminalamtes. Das sei sicherlich positiv zu bewerten, doch einfacher werde die Arbeit der Ermittlungsbehörden dadurch nicht:

"Es ist unglaublich. Also, wir kommen als Sicherheitsbehörden kaum noch hinterher. Diese ganzen Veränderungen, Namensumbenennungen, Wechsel und so weiter, vernünftig aufzuklären und die Informationen darüber zu bekommen. Die Hells Angels haben sich aber nach diesen Übertritten ganz klar als die stärkste Struktur hier in dieser Region Berlin und Brandenburg dargestellt."

Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Rockerbanden gibt es schon seit Jahrzehnten. Doch im Moment scheint die Lage zu eskalieren. Gestern Morgen wurde der langjährige Präsident einer Berliner Ortsgruppe der Hells Angels auf offener Straße durch mehrere Schüsse niedergestreckt. Er soll derzeit noch in Lebensgefahr schweben. Das Opfer ist für die Behörden kein Unbekannter, er galt intern sogar als möglicher Kandidat für die vor der Neugründung stehenden Hells Angels in der Hauptstadt.

Ende Mai hatte Berlins Innensenator den bisherigen regionalen Ableger der Rockergruppe, den MC Berlin City, verboten. MC steht recht verharmlosend für Motorrad Club. Seit Wochen geht die Polizei auch gegen den zweiten wichtigen Rockerclub in der Stadt, die Bandidos, vor.

Das Landskriminalamt ordnet die Rockergruppen längst als Teil der organisierten Kriminalität ein. LKA-Chef Christian Steiof:

"Deliktsfelder im Bereich des Rauschgifthandels, der Schutzgelderpressungen. Wobei hier eine besondere Schwierigkeit besteht. Das ist ähnlich wie bei der sizilianischen Mafia, bei der Camorra, das Schweigegelübte. Das haben die Hells Angels mit der Muttermilch aufgesogen, genauso die Bandidos. Tötungsdelikte hatten wir auch. 1.532 Straftaten in den Jahren 2004 bis 2011 sind das, was in meinem Dezernat bearbeitet wurde im Bezug auf das Rockermilieu."

Im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses sollte es heute um den aktuellen Stand der kriminellen Machenschaften der Rockerclubs gehen. Doch das Thema wurde weitgehend verschoben - offizielle Begründung: Zeitmangel. Allerdings hält dies die Berliner Opposition aus Grünen. Linken und Piraten für vorgeschoben. Hintergrund: Bei der Polizeiaktion, die dem Verbot der Hells Angels in Berlin folgte, gab es eine undichte Stelle. Offensichtlich konnte durch eine Warnung vorab Beweismaterial beiseite geschafft werden. Berlins Innensenator Frank Henkel:

"Es war ein Erfolg mit einem Wermutstropfen, weil es ganz offensichtlich so war, dass Details der Einsatzplanung an die Öffentlichkeit gelangt sind und wir haben bei der Frage " Gibt es ein Leck oder nicht?" unmittelbar reagiert, indem wir ein Verfahren angestrebt haben gegen Unbekannt, wegen des Verdachts des Geheimnisverrats."

Deshalb sind die Behörden wohl besonders vorsichtig, was Informationen über das Milieu angeht. Das LKA Berlin bestätigt, dass derzeit auch bundesweit überlegt werde, die Hells Angels und andere Rockergruppen zu verbieten. Allerdings ist das - das zeigen die Berliner Erfahrungen - nicht so einfach. Da sich die regionalen Gruppen recht schnell wieder neu formieren und unter anderen Namen und verdeckt ihren kriminellen Geschäften nachgehen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:53 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 08:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 08:00 Uhr Nachrichten

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Dokumente der WocheDie Wende im Deutschlandfunk

Das Deutschlandfunk-Funkhaus bei Nacht.

Der Deutschlandfunk erinnert an die Umbruchzeit in Deutschland und in Europa vor 25 Jahren. In der Reihe "Dokumente der Woche" kommen DLF-Journalisten und Akteure von 1989 zu Wort.

HochgeschwindigkeitszügeEcho, Falke und Sturmwind

Ein Shinkansen fährt in den Bahnhof von Tokio ein (16 September 2013).

Am 1. Oktober 1964 wurde er in Betrieb genommen: Der Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen fuhr bis zu 320 Kilometer schnell und katapultierte Japan in die Gemeinschaft der industrialisierten Länder.

Genforschung und Tierversuche Millionen Mäuse für die Medizin

Das Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin in Berlin betreibt Forschung im Dienste der Diagnose und Therapie von Krankheiten. Rund 150.000 Lebewesen werden dort Jahr für Jahr "verbraucht" – zu viel, kritisieren Tierschützer. 

Gemüseanbau unter Plastikfolie Umweltsünde Spargel?

Körbe mit frischem weißem und grünem Spargel

Der massenhafte Anbau von Spargel unter Folie in Brandenburg stößt auf Widerstand bei Umweltschützern. Sie sehen eine industriemäßig betriebene Versiegelung der Landschaft, die gestoppt werden muss - aus zwei Gründen.

Flüchtlinge Asyl ist nicht gleich Asyl

Was wir unter Asyl verstehen und wie wir mit Flüchtlingen umgehen, hängt auch davon ab, in welcher Zeit wir leben, erklärt Jochen Oltmer. Er ist Professor für Migrationsgeschichte an der Universität Osnabrück.

Windräder bei Nacht Leuchtfeuer nur bei Bedarf

Windfeld aus Windrädern in Klanxbüll (Schleswig-Holstein)

Windräder von über 100 Meter Höhe müssen über Blinklichter verfügen, um nachts für Flugzeuge sichtbar zu sein. Doch das "Leuchtfeuer" genannte permanente Blinken nervt vor allem Anwohner. 

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Erster Ebola-Fall  in den USA festgestellt | mehr

Kulturnachrichten

Bayerische Staatsoper ist Oper des Jahres | mehr

Wissensnachrichten

Filmbranche  Netflix will Kinofilm mitproduzieren | mehr