Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Berlusconi drückt aufs Tempo

Mitte-rechts-Bündnis siegt bei Parlamentswahl in Italien

Silvio Berlusconi (AP)
Silvio Berlusconi (AP)

Nach seinem klaren Sieg bei der Parlamentswahl will Italiens bisheriger Oppositionsführer Silvio Berlusconi innerhalb einer Woche eine Regierung bilden. Er plane ein Kabinett aus zwölf Ministern, vier Ressorts sollten von Frauen geführt werden, sagte Berlusconi in Rom.

Zu seinem Stellvertreter werde er seinen Berater Gianni Letta berufen. Außenminister solle der derzeitige EU-Justizkommissar Franco Frattini werden. Trotz seiner absoluten Mehrheit in beiden Häusern des Parlaments erklärte sich der designierte Regierungschef auch zu einer Zusammenarbeit mit den Wahlverlierern bereit.

Der 71-jährige Medienunternehmer betonte zugleich, die Probleme des Landes müssten rasch angegangen werden. Er sei auch zu einer Zusammenarbeit mit den Wahlverlierern bereit. Auf Italien kämen schwierige Monate zu, die von den Bürgern viel Mut verlangten. Die erste Kabinettssitzung werde in Neapel stattfinden, um den Müllnotstand in der Stadt anzupacken.

Berlusconi wird sich auf eine deutliche Mehrheit in beiden Häusern des Parlaments stützen können. Sein Bündnis "Volk der Freiheit" kommt im Abgeordnetenhaus auf 340 der insgesamt 617 Sitze. Die Mitte-links-Allianz des früheren römischen Bürgermeisters Walter Veltroni erhält 239 Mandate. Auch im Senat verfügt Berlusconis Sammelbewegung künftig mit 168 Sitzen über die absolute Mehrheit.

Die Wahlen waren vorgezogen worden, weil die Mitte-links-Regierung des scheidenden Ministerpräsidenten Romano Prodi im Januar ihre knappe Mehrheit im Senat verloren hatte. Berlusconi wird nun zum dritten Mal Ministerpräsident des Landes.

"Man hofft, es wird wohl nicht so schlimm kommen"

Michl Ebner, Mitglied der Südtiroler Volkspartei und Europaparlamentarier, glaubt, Silvio Berlusconi siegen konnte, weil er in den Augen der italienischen Bevölkerung für eine gewisse Kontinuität in der Parteienlandschaft steht. Einen Ausweg aus der wirtschaftlichen und politischen Krise könnte es geben, wenn Walter Veltroni von der Partito Democratico und Berlusconi in einem bipolaren System zusammenarbeiten würden, sagte Ebner im Deutschlandfunk. (Text / MP3-Audio)

Der Sprecher der Südtiroler Volkspartei im italienischen Parlament, Siegfried Brugger, traut Berlusconi zu, nötige Reformen anzugehen. Er erwarte, dass das Mitte-rechts-Bündnis dafür auch mit der Opposition zusammenarbeiten werde, sagte Brugger im Deutschlandradio Kultur. Die wichtigste Reform sei die Umgestaltung des Landes hin zu einem Bundesstaat. (Text / MP3-Audio)

Grünen-Politikerin spricht von Blamage für Italien

Monica Frassoni, EU-Parlamentarierin der Grünen, bezeichnete das Ergebnis als Blamage für Italien. Gerade die Beteiligung der rechten Lega Nord an dem Berlusconi-Bündnis sei erschreckend, betonte Frassoni im Deutschlandfunk. Der Sieg Berlusconis sei nicht nur auf dessen Medienmacht, sondern auch auf die Schwäche der Linken und der Grünen zurückzuführen. (Text/ MP3-Audio)

Schulz: Schwierige Zeiten für Europa

Nach dem klaren Sieg für Berlusconi rechnet der SPD-Europaabgeordnete Martin Schulz mit negativen Auswirkungen auf die Europapolitik. Bei der Neuauflage einer Regierung mit Berlusconi an der Spitze werde auf EU-Ebene in all jenen Bereichen nicht mit Italien zu rechnen sein, in denen es bereits während der letzten Amtszeit des ehemaligen Ministerpräsidenten Konflikte zwischen Rom und Brüssel gegeben habe, sagte Schulz dem "Tagesspiegel".

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:28 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:35 Uhr Kultur heute

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:07 Uhr Studio 9

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

"Ehe für alle" im Bundestag"Das Grundgesetz sagt nicht, wie Familie konkret definiert wird"

Ein miteinander verpartnertes lesbisches Paar sitzt am 24.06.2016 in Bremen mit seinem Sohn auf dem Sofa und liest in einem Buch.  (dpa / picture alliance / Carmen Jaspersen)

Über die vorgeschlagene Gesetzesänderung des Ehegrundrechts wird in der Großen Koalition weiter gestritten. "Dafür muss das Grundgesetz nicht extra geändert werden", sagte Stefan Mielchen vom Verein "Hamburg Pride" im DLF. Das Verständnis von Familie habe sich grundlegend gewandelt - dem müsse Politik Rechnung tragen.

Wissenschaft und ArbeitsmarktViel Erfolg bei der Studienwahl!

Studierende der Georg-August-Universität in Göttingen sitzen in einem Hörsaal. (dpa / picture alliance / Swen Pförtner)

Mit neu designeten Studiengängen wie Fitnessökonomie buhlen die Unis um Studienanfänger. Und kehren dabei ihren Auftrag um, kritisiert Martin Tschechne: Sie lehren nicht mehr das selbstständige Denken, sondern legen die jungen Leute in fertig eingezäunten Feldern fest.

Koch-TrendsVerbranntes Gemüse für das Aroma

Wir haben alle gelernt: Verbranntes Essen ist nicht gut. Aber jetzt machen es die Gourmet-Köche. Sie lassen das Gemüse anbrennen - so richtig.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Cyber-Angriffe  Computer in mehr als 60 Ländern betroffen | mehr

Kulturnachrichten

Erfinder von Paddington Bär gestorben  | mehr

 

| mehr