Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Bersani soll Italiens neue Regierung bilden

Suche nach einem Koalitionspartner dürfte schwierig werden

Pier Luigi Bersani soll als Spitzenkandidat eines Mitte-Links-Bündnisses die neue italienische Regierung bilden
Pier Luigi Bersani soll als Spitzenkandidat eines Mitte-Links-Bündnisses die neue italienische Regierung bilden (AP)

Der Sozialdemokrat Pier Luigi Bersani hat von Italiens Präsident Giorgio Napolitano den Auftrag zur Regierungsbildung erhalten. Mögliche Koalitionspartner wären das Mitte-Rechts-Lager des früheren Regierungschefs Berlusconi oder die Partei "Fünf Sterne" des früheren Komikers Grillo.

Der Norditaliener Pier Luigi Bersani, Chef der Mitte-Links-Partei PD (Partito Democratico), hat nach den Parlamentswahlen Ende Februar jetzt den Auftrag erhalten, eine Regierungsmehrheit für Italien zu suchen und das Land aus der Krise zu führen. Er ist aussichtsreicher Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten in der Nachfolge von Mario Monti. Mit seinem Mitte-Links-Bündnis hatte er zwar die Wahlen im Februar gewonnen und verfügt im Abgeordnetenhaus über eine klare Mehrheit. Im Senat braucht er allerdings einen Regierungspartner, berichtet unser Korrespondent Gregor Hoppe im Deutschlandfunk.

Bersani: "Mehr Fairness, mehr Rechte und mehr Jobs"

"Ich habe Bersani gebeten zu prüfen, ob er im Parlament die notwendige Unterstützung zur Bildung einer neuen Regierung erhält", sagte Italiens Staatschef Giorgio Napolitano am Freitag in Rom nach zweitägigen Beratungen mit führenden Parteipolitikern. Bersani werde "so schnell wie möglich" ein Ergebnis mitteilen.

Bersani kündigte umgehende Gespräche mit anderen Parteien an. Er strebe eine reformorientierte Regierung an, die so ausgewogen und entschlossen wie möglich sein solle, erklärte Bersani. Eine von seiner Partei geführte Regierung werde versuchen, "mehr Fairness, mehr Rechte und mehr Jobs zu schaffen". Sonst bleibe das Land im Notstand.

Bersani hat die Qual der Wahl: Koalition mit Grillo oder Berlusconi

Komiker und Politiker Beppe GrilloKomiker und Politiker Beppe Grillo (picture alliance / dpa / Riccardo Antimiani)Seit der Wahl im vergangenen Monat herrscht in der italienischen Volksvertretung ein Patt. Bersani warb in der Vergangenheit wiederholt um die Unterstützung der Protestbewegung "Fünf Sterne" des Komikers und Bloggers Beppe Grillo, die drittstärkste Kraft geworden war. Grillo erteilte einer Koalition mit Bersani aber eine Absage.

Das hinter Bersani auf dem zweiten Platz gelandete Mitte-Rechts-Bündnis von Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi wäre zu einer großen Koalition mit Bersani bereit. Während Bersani dies bislang ablehnte, schien er am Donnerstag erstmals eine Bereitschaft dazu erkennen zu lassen, da nicht nur die Italiener, sondern auch Europa "politische Stabilität" wünschten.

Die Zeitung "Corriere della Sera" kommentierte dazu, zwar wäre eine Koalition zwischen Rechts und Links keine "organische Allianz". Gleichwohl seien die Differenzen zwischen beiden Lagern «nicht so riesig», als dass eine Zusammenarbeit gänzlich ausgeschlossen sei.

Bersani wird in den nächsten Tagen sondieren müssen, mit wem er zumindest Absprachen über einige Kernprojekte und Reformen wie etwa ein überarbeitetes Wahlgesetz sprechen kann. Napolitano dürfte dann prüfen, ob Bersani die Mehrheit auch im Senat hinter sich hat. Das könnte in drei bis vier Tagen der Fall sein, wird in Rom spekuliert.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Italien nach der Wahl -
Von Siegern ohne Mehrheit
"Beppo Grillo ist Antisystem schlechthin" -
Südtiroler Politiker über den Ausgang der Italienwahl
Vom Protest ins Establishment -
Die Ähnlichkeit von Beppe Grillos Partei mit der Lega Nord
Berlusconi ante Portas?
Italiens politische Landschaft vor der Parlamentswahl

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:05 Uhr Klassik-Pop-et cetera

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:05 Uhr Im Gespräch

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Abel Gance Zwischen Heroisierung und Anklage

Der französische Regisseur Abel Gance (r) während der Dreharbeiten zu seinem Film "Napoleon" im Jahr 1926.

Vor 125 Jahren wurde der französische Filmpionier Abel Gance geboren. Er drehte den ersten Antikriegsfilm der Geschichte, später allerdings auch ein verklärendes Epos über Napoleon. Schon damals sah er im Film "das größte Medium des menschlichen Geistes".

IndienDas Milliardengeschäft mit dem Sandraub

Eine Mann watet aus dem Wasser, auf dem Rücken trägt er einen Eimer voll Sand.

Wer baut, braucht Sand. In einem Land wie Indien mit stets wachsenden Super-Metropolen ist illegaler Sandabbau ein lukratives Geschäft. Das Geld fließt schnell. Alles, was notwendig ist, sind ein Lkw und ein paar Männer. Doch wird das zum Problem für Mensch und Umwelt. 

Milliarden-Nachzahlung"Briten wussten, was auf sie zukommt"

Monika Hohlmeier, Tochter des ehemaligen Verteidigungsministers und Ministerpräsidenten von Bayern, Franz-Josef Strauß.

Die CSU-Europapolitikerin Monika Hohlmeier hat kein Verständnis für den Unmut des britischen Premiers Cameron. Er lehnt die von der EU-Kommission geforderte Nachzahlung in Höhe von 2,1 Milliarden Euro ab. Großbritannien habe selbst jahrelang von der Regelung profitiert, sagte Hohlmeier im DLF.

AusstellungEin Minimalist schaut auf sich selbst

Der Künstler Imi Knoebel 2014 vor seinen Werken "Aliaaa" (l, 2002) und "Ich Nicht X" (2006) in der Ausstellung "Imi Knoebel. Werke 1966-2014" im Kunstmuseum in Wolfsburg.

Der Beuys-Schüler Imi Knoebel gehört zu den wichtigsten Vertretern der Minimal Art in Deutschland. Zum 75. Geburtstag des Künstlers zeigt das Kunstmuseum Wolfsburg eine umfassende Werkschau, inszeniert von Imi Knoebel selbst.

Jean in HamburgEndlich angekommen

Jean kommt aus Kamerun. Von dort muss er fliehen. Wohin, ist ihm erstmal egal, Hauptsache er findet einen Platz, an dem er angenommen wird. Es beginnt eine lange, beschwerliche Reise. Bis er nach Hamburg kommt.

Homo floresiensis10 Jahre Streit um Hobbits

Peter Brown, einer der Entdecker des Homo floresiensis, fotografiert den Schädel des Fossils.

Das Jahr 2004 markiert in der Paläoanthropologie einen der größten Einschnitte, die es je in dieser Disziplin gegeben hat. Forscher hatten die Knochen einer neuen Menschenart präsentiert, die sie Homo floresiensis nannten. Die Überraschung bestand darin, dass diese Spezies in keine der gängigen Stammbaumtheorien passte.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Thüringer SPD  wählt neue Führungsspitze | mehr

Kulturnachrichten

Peter Ruzicka neuer Chef  der Salzburger Osterfestspiele | mehr

Wissensnachrichten

Ello  Anti-Facebook schreibt Werbe-Verzicht fest | mehr