Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Beschneidungsgesetz im Bundestag

Mehrheit für straffreie Beschneidung erwartet

Zwei Gesetzentwürfe zur Beschneidung liegen dem Bundestag vor. (AP)
Zwei Gesetzentwürfe zur Beschneidung liegen dem Bundestag vor. (AP)

Die Abgeordneten des Bundestages debattieren heute abschließend, ob männliche Kinder aus religiösen Gründen beschnitten werden dürfen. Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger will die Eltern über den Eingriff entscheiden lassen.

Die Diskussion war im Juni aufgekommen, als das Landgericht Köln die Beschneidung als strafbare Körperverletzung wertete - sofern sie nicht medizinisch nötig sei. Viele Juden und Muslime waren entgeistert, nannten das Urteil "unsensibel". In beiden Religionen werden Jungen an der Vorhaut beschnitten.

Dem Bundestag liegen heute zwei Gesetzentwürfe vor. Das Papier der Regierung ist unter Federführung von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) entstanden. Sie verteidigte im Deutschlandfunk, den den Eltern weiterhin das entscheidende Wort in der Frage der Beschneidung zu geben. Wenn die Vorhautentfernung nach den "Regeln der ärztlichen Kunst" durchgeführt und das Kindeswohl nicht gefährdet werde, dürfen sie im Rahmen der elterlichen Sorge einwilligen.

Zweiter Gesetzentwurf von 66 Abgeordneten von SPD, Grünen und Linken

Ein zweiter Entwurf wurde von 66 Abgeordneten aus den Reihen von SPD, Grünen und Linken vorgelegt. Er geht in eine ähnliche Richtung, will die Beschneidung aber erst bei Jungen erlauben, die mindestens 14 Jahre alt sind und bewusst zustimmen.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier warf der Regierung am Nachmittag mangelnde Gesprächsbereitschaft bei der Debatte vor. Es sei verwunderlich, dass die Koalition in einer so sensiblen Frage nicht mehr Wert auf eine gemeinsame Lösung gelegt habe. Die Zustimmung zum Regierungsentwurf würde einigen Abgeordneten sicher leichter gefallen sein, wenn Schwarz-Gelb an einigen Punkten Bereitschaft zur Diskussion gezeigt hätte, sagte Steinmeier.

Weitere Themen: Patriots und Panzer

Das Beschneidungsgesetz bildet den Auftakt zu den letzten drei Sitzungstagen vor der parlamentarischen Weihnachtspause. Zu den weiteren Themen gehört eine Aktuelle Stunde über die Entsendung von "Patriot"-Raketen in das türkisch-syrische Grenzgebiet. Daran sollen sich nach dem Willen der Bundesregierung auch deutsche Soldaten beteiligen. Über den betreffenden Antrag soll am Freitag abgestimmt werden. Zudem hat die SPD eine Debatte über mögliche Panzerlieferungen an Saudi-Arabien beantragt.

Mehr auf dradio.de:
Leutheusser-Schnarrenberger: Beschneidungsgesetz ist nicht durchgepeitscht worden - Bundesjustizministerin betont Anhörung auch kritischer Stimmen
Landgericht Köln: Religiöse Beschneidungen sind strafbar- Urteil löst Verunsicherung aus
Vorschau auf die letzte Plenarwoche 2012 (Bundestag)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:02 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 20:10 Uhr Das Feature

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 20:00 Uhr Eine Stunde Liebe

Aus unseren drei Programmen

Erstes deutsch-israelisches Fußballspiel"Der Sport schlägt Brücken"

Deutsch-israelische Freundschaft - hier bei einem Fußball-Länderspiel im Mai 2012 in Leipzig (dpa / picture alliance / Jens Wolf)

Vor 30 Jahren trafen die israelische und die deutsche Fußballnationalmannschaft erstmals in einem Freundschaftsspiel in Tel Aviv aufeinander. Der Weg dahin war beschwerlich, aber förderlich für die Annäherung zwischen den beiden Staaten.

Europäische Atomgemeinschaft EuratomDer große Förderer der Kernenergie wird 60

Wasserdampf steigt am 9.9.2016 in Emmerthal (Niedersachsen) aus den Kühltürmen des Kernkraftwerk Grohnde. (dpa / Sebastian Gollnow)

Der Vertrag über die Europäische Atomgemeinschaft Euratom ist einer der drei Römischen Verträge, die vor 60 Jahren geschlossen wurden. Das damals ausgegebene Ziel, die Entwicklung der Atomkraft zu fördern, erscheint vielen heute nicht mehr zeitgemäß.

Deutscher Arbeitsmarkt 2017Abstiegsangst trotz Rekordbeschäftigung?

Udo, ein Obdachloser, sitzt in Berlin an der Spree im Regierungsviertel und bittet um Unterstützung. (dpa / picture alliance / Kay Nietfeld)

Die Arbeitslosenquote in Deutschland sinkt immer weiter auf inzwischen 6,3 Prozent, dazu eine Rekordbeschäftigung von 43,4 Millionen. Warum fühlen einige gleichzeitig Abstiegsängste und Unsicherheit?

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Gesundheitsreform  US-Republikaner ziehen Gesetzentwurf zurück | mehr

Kulturnachrichten

Alfred-Kerr-Darstellerpreis für Imogen Kogge  | mehr

 

| mehr