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Bessere Pflege – aber wie?

Bundesgesundheitsminister Rösler lud zum "Pflegedialog"

Ein Pfleger hilft im Seniorenzentrum des Deutschen Roten Kreuzes in Stuttgart einer alten Dame beim Gang über den Flur. (AP)
Ein Pfleger hilft im Seniorenzentrum des Deutschen Roten Kreuzes in Stuttgart einer alten Dame beim Gang über den Flur. (AP)

Angesichts des Fachkräftemangels in der Pflege hat sich Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) mit Spitzenvertretern der Branche getroffen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie der immer schneller wachsende Bedarf an professionellen Alten- und Krankenpflegern gedeckt werden kann.

Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts werden in 15 Jahren mindestens 112.000 Vollzeit-Pfleger fehlen. "Bislang konnte der Bedarf an Pflegepersonal noch über ungelernte und angelernte Pflegekräfte kompensiert werden", mahnen die Statistiker. Dies werde den Hochrechnungen zufolge aber ab 2018 nicht mehr ausreichen, um den steigenden Bedarf zu decken.

Bundesgesundheitsminister: Pflegeberufe attraktiver machen

Philipp Rösler, Bundesminister für Gesundheit (FDP) (Deutschlandradio - Bettina Straub)Philipp Rösler, Bundesminister für Gesundheit (FDP) (Deutschlandradio - Bettina Straub) Kurz vor dem anberaumten "Pflegedialog" hat
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler im Deutschlandradio Kultur eine bessere Bezahlung von Pflegekräften und ein attraktiveres Berufsbild insgesamt gefordert. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, müsse die Ausbildung attraktiver gestaltet werden. Die Ausbildungswege von Kranken- und Altenpflege könnten deswegen zusammengefasst werden.

Rösler will auch zukünftig umgeschulte Arbeitslose als Pfleger einsetzen lassen. Mit Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) habe er bereits darüber gesprochen, wie das entsprechende Programm weitergeführt werden könne, gab Rösler nach dem Spitzentreffen in Berlin bekannt.

Heim- und Kostenträger knausern laut Wohlfahrtsverbänden bei den Personalausgaben. Der Berufsverband für Pflegeberufe erschreckte die Öffentlichkeit vor Kurzem mit dem freimütigen Hinweis auf Pflegebetrug. Demnach werden Pflegeleistungen oft nur notiert.

Noch keine Lösung zur Finanzierung in Sicht

Zur zukünftigen Finanzierung der Pflege wollte sich Bundesgesundheitsminister Rösler nicht äußern. Es sei derzeit noch überhaupt nicht geklärt, wie eine neue, ergänzende Zusatzversicherung aussehen solle. "Das kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht sagen", betonte Rösler. Mutmaßungen darüber seien unseriös.

Ein Pflegebedürftiger wird in Euskirchen bei Köln von einer Altenpflegerin gefüttert. (AP)Ein Pflegebedürftiger wird gefüttert. (AP) Im Finanzteil liegt allerdings der Zündstoff der Pflegereform. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, hält an der vorgesehenen Kapitaldeckung für die Pflegeversicherung fest, fordert aber gleichzeitig einen sozialen Ausgleich über Steuergelder. "Wie das aufgebaut werden kann, ist noch völlig offen. Wir haben es bei der Krankenversicherung gesehen, wenn wir dort einen Kapitalbeitrag machen, muss ein Sozialausgleich über die Steuer stattfinden", sagte Kauder am Sonntagabend in der ARD.

Lauterbach: Den Patienten in den Mittelpunkt stellen

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte im Deutschlandfunk erklärt, dass der Pflegebegriff sich ändern und der Patient in den Mittelpunkt gestellt werden müsse. Einen massiven Finanzierungsbedarf sieht er nicht: "Die Kosten steigen bei Weitem nicht so stark wie im Gesundheitssystem," erklärte er und forderte einen stärkeren Beitrag der bisher privat Versicherten, die nicht genug ins System einzahlten.

Auch die Präsidentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe, Gudrun Gille, forderte im Deutschlandfunkein Überdenken des bisherigen Pflegeansatzes. Eine Vollzeitbeschäftigung sei unter den aktuellen Bedingungen kaum auszuhalten: "Unsere Ausfallquote durch Krankheit liegt bei 20 Prozent, das ist extrem hoch."

Dass die Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus ost- und mitteleuropäischen EU-Ländern ab Mai 2011 den Engpass bei den Pflegekräften lösen könnte, glaubt sie nicht: "Deutschland ist nicht attraktiv für die Menschen aus den anderen Ländern. Da ist im europäischen Raum und auch in Richtung USA und Kanada natürlich vieles viel attraktiver für Pflegekräfte."

Mehrere Treffen geplant

Im Bundesgesundheitsministerium trafen sich zu dem Gespräch unter anderem Spitzenvertreter von Pflegeverbänden, des Kassenverbands, des Verbands der Verbraucherzentralen, der kommunalen Spitzenverbände und der Gesundheitsministerkonferenz der Länder. Das Treffen ist als Auftakt mehrerer Gesprächsrunden zur Vorbereitung der geplanten Pflegereform angesetzt worden.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

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