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Beuys-Witwe darf Ausstellung von Fotos weiter verbieten

Oberlandesgericht stärkt Rechte der Erben

Joseph Beuys 1983 in Düsseldorf (AP)
Joseph Beuys 1983 in Düsseldorf (AP)

Die Witwe von Joseph Beuys kann dem Beuys-Museum Schloss Moyland weiter die Ausstellung bestimmter Fotos verbieten. Das Oberlandesgericht Düsseldorf bestätigte ein Urteil der Vorinstanz zu 19 Fotos von einer Kunstaktion aus dem Jahr 1964.

Die Aktion ist fast 50 Jahre her, die beiden Betroffenen seit Jahren tot - doch der Streit um ihren Nachlass ist so lebendig wie nie. Im Streit um Fotos einer Kunstaktion von Joseph Beuys aus dem Jahr 1964, die das Beuys-Museum Schloss Moyland 2009 ausstellte, hat das Düsseldorfer Oberlandesgericht das Urteil der Vorinstanz bestätigt. Die Witwe Eva Beuys darf weiterhin verbieten, dass Fotos von dieser Vorführung ihres Mannes ausgestellt werden.

Es begann mit einer Fettecke

Das ZDF übertrug in seiner Sendung "Drehscheibe" 1964 die Live-Aktion von Beuys. Der umstrittene Künstler produzierte eine seiner berühmten Fettecken aus Margarine-Riegeln und verlängerte einen Spazierstock mit Fett. Mit Schokolade und Farbe schrieb er auf ein Brett die Worte "Das Schweigen von Marcel Duchamp wird überbewertet", eine Anspielung auf den französischen Maler und Objektkünstler Marcel Duchamp, der zu den Vorreitern der Avantgarde des 20. Jahrhunderts gehörte.

Von der Sendung gibt es kein Video. Allerdings machte der Fotograf Manfred Tischer Aufnahmen, von denen Schloss Moyland 19 ausstellte. Dagegen klagte Eva Beuys. Sie sieht ihr Urheberrecht verletzt. Das Landgericht Düsseldorf bestätigte ihre Sicht in der ersten Instanz: Das Museum hätte die Witwe um ihr Einverständnis bitten müssen, bevor es die Bilder ausstellte.

Diskussion ums Urheberrecht

Der Fall hat inzwischen eine Dynamik erhalten, die weit über den Streit zwischen Witwe und Museum hinausgeht. Dem Urteil zufolge sind die Rechte der Künstler-Erben stärker zu gewichten als die der Fotografen. Die Fotos seien als Bearbeitung des Kunstwerkes einzustufen, hieß es. Damit dürften weder der Fotograf noch die Besitzer der Fotografien über ihre Ausstellung entscheiden.

Simon Bergmann, der Rechtsanwalt, der Schloss Moyland vertritt, zeigte sich auf Deutschlandradio Kultur enttäuscht, aber wenig überrascht über das Urteil. Seiner Meinung nach sollte der Fall vom Bundesgerichtshof entschieden werden. Die Argumentation, bei den Fotos handele es sich um eine Bearbeitung des Originals, könne er nicht nachvollziehen. Die "wesentlichen Elemente eines Happenings" gingen verloren. Handlungsabläufe, Gesten, Klang und Worte seien auf den Bildern nicht nachzuvollziehen. Bislang sei man davon ausgegangen, dass Fotos beispielsweise von Pantomimen auf der Straße zulässig seien. "Jetzt muss man immer fragen."

Manfred Tischer kann seine Sicht der Dinge nicht mehr schildern, er ist 2008 gestorben. Joseph Beuys starb 1986. Seine Witwe steht in einer Art Dauerstreit mit Schloss Moyland. Sie wirft den Besitzern vor, nicht sachgemäß mit den Werken umzugehen. Außerdem bezweifelt sie, dass die Werke wirklich alle rechtmäßig im Besitz der Stifterfamilie von der Grinten sind.

Programmhinweis:
In der Deutschlandradio Kultur-Ortszeit berichten wir nach 17 Uhr über den Prozess und nach 23 Uhr gibt es ein Interview mit Bettina Paust, der künstlerischen Direktorin von Schloss Moyland.

Links auf dradio.de:

Streit um Beuys in Moyland eskaliert
Unprofessioneller Umgang mit dem Erbe von Joseph Beuys

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:46 Uhr

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