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Bezahlbar wohnen in Ottensen

Schwerpunkt: Wahlen in Hamburg, Teil 4

Von Heidrun Wimmersberg

Bezahlbarer Wohnraum ist auch in Ottensen ein Wahlkampfthema. (picture alliance / dpa)
Bezahlbarer Wohnraum ist auch in Ottensen ein Wahlkampfthema. (picture alliance / dpa)

Der Altonaer Stadtteil Ottensen war früher ein traditioneller Arbeiterbezirk, später dann ein gefragtes Viertel für Ausländer und Studenten wegen der billigen Wohnungen. Doch das Viertel wird hat sich zum Hort der Kreativen entwickelt, die auch in der Lage sind, andere Mieten zu zahlen.

"Altona ist durchgemixt von jung bis alt. Es ist sehr tolerant, muss ich sagen, so was ich mitbekomme. Es ist lebhaft, lebendig und offen. So, das ist mein erster Eindruck, ich weiß natürlich nicht, was kommt."

Der Student ist erst vor Kurzem nach Altona gezogen. In den inzwischen sehr begehrten Stadtteil Ottensen mit seinen schmalen, verwinkelten Straßen, den angesagten Cafés, Kneipen und Läden westlich vom Altonaer Bahnhof. Die Wohnung – verrät sein Kumpel – haben sie nur mit Vitamin B bekommen. Denn bezahlbarer Wohnraum ist knapp geworden in dem ehemals traditionellen Arbeiterbezirk und späteren Studentenviertel. Altona, speziell Ottensen, hat sich stark verändert:

"Am Anfang war das ja ein völlig runtergekommener Bezirk, wo die Hausbesitzer darauf gesetzt haben, dass hier eine Autobahn gebaut wird und dann haben sie die schrottigen Wohnungen für billiges Geld an Ausländer damals vermietet. Es gab keine soziale Perspektive, und dann sind ja jüngere Leute hingekommen, die hier gewohnt und gelebt haben. Die Häuser sind aufgewertet worden, in allen Zeitungen steht seit zehn Jahren, dass Ottensen ertragreich ist und deshalb wird hier investiert."

Diese Entwicklung findet der ergraute Sponti mit der dunkelblauen Kapitänsjacke nicht gut. Er selbst zählt zu den damals jungen Leuten, die vor 35 Jahren in billige Wohnungen in Altona eingezogen sind. Die findet man – sagt er - heute kaum noch:

"Die Mieten werden teurer, Ottensen ist eines der teuersten Pflaster, die es überhaupt gibt, und das ist eine soziale Verdrängung, die nicht gut ist, weil so ein Mischmasch, den wir hatten, der war gut, aber so eine Isolierung und das Auseinderdriften von Gesellschaft ist nix Gutes."

Alles hat sich hier verändert, der Bezirk ebenso wie die Menschen – findet eine ältere Frau am Spritzenplatz in Ottensen, die seit 50 Jahren mit ihrem Mann in Altona wohnt:

"Der Normalbürger können das nicht mehr bezahlen, wir kriegen hier nur noch die obere Schicht. Also, wenn Du kein Akademiker bist, dann bist Du auch kein Mensch mehr, so wird hier schon gehandelt, so nach dem Motto."

Dieses Auseinanderdriften stört auch Mithat Capar. Der SPD-Kandidat für die Bezirksversammlung Altona, in der seit knapp sieben Jahren eine schwarz-grüne Koalition das Sagen hat, ist hier geboren und aufgewachsen. Für ihn ist Altona ein bunter Bezirk, in dem die unterschiedlichen Generationen und Nationen zusammenleben. Und das möchte er erhalten:

"Ich hoffe, dass wir im Rahmen dessen, wenn wir an die Regierung kommen, den Senat stellen oder auch im Bezirk regieren, dass wir dann dagegen etwas unternehmen können, dass wir wenigstens diesen Stadtteil so kulturell erhalten können, so wie er auch in der Vergangenheit war."

Junge Familien mit Kindern, die sich die höheren Mieten leisten können, leben in Ottensen ebenso wie Menschen aus der Werbe-, Design- und Medienbranche.

Der große Biosupermarkt in der Nähe vom Altonaer Bahnhof ist an diesem Samstag proppenvoll, die schicken Cafés in der Nähe sind ebenfalls gut besucht. In die Cafés geht eine Radfahrerin aus Altona hin und wieder auch ganz gern, aber die dortige Preisentwicklung passt ihr nicht.

"Na ja, es wird schon, wie soll man es sagen. Es kommen viele Geschäfte, die teurer sind. Es ist anders geworden. Wenn ich Kaffee trinken gehe, werden die Kuchenstücke kleiner und der Preis höher, es wechselt schon ein bisschen, finde ich."

Das schreckt Hamburger aus anderen Stadtteilen nicht ab. Der junge Vater mit der dunkelgrünen Wachsjacke kommt gern nach Ottensen:

"Das ist ein sehr lebhafter Stadtteil mit vielen kleinen, individuellen Geschäften, und dadurch auch sehr schön. Sehr teuer geworden auch inzwischen, zum Wohnen, das kann sich kaum noch einer leisten. Aber es ist sehr schön und immer einen Besuch wert."

Auf solche Besucher legt ein junger Mann im schwarzen Kapuzenpulli keinen Wert. Er beobachtet die Veränderungen in seinem Viertel mit großer Skepsis:

"Also es wird mehr Schickimicki einfach, gerade Samstag, heute regnet es nun, aber sonst ist ja sehr viel los, kommen von außen ganz viele Leute. Ich habe oft den Eindruck, dass es nicht nur die Leute sind, die hier wohnen, sondern es zieht auch andere Leute an mittlerweile, weil hier viel eingekauft wird. Aber das gefällt mir nicht so nicht. Das brauchen wir eigentlich nicht."

Übersicht zur Serie im Deutschlandfunk:

Vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr

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