Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Bildungsstudie: Grundschüler im Süden lesen und rechnen am besten

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert Umkehr in der Bildungsforschung

Lesen, Rechnen, Zuhören: Diese Schulkompetenzen waren Gegenstand der Studie (Sascha Schuermann/dapd)
Lesen, Rechnen, Zuhören: Diese Schulkompetenzen waren Gegenstand der Studie (Sascha Schuermann/dapd)

In Sachen Bildung hat Bayern erneut die Nase vorn: Die Grundschüler des Freistaates können bundesweit am besten lesen und rechnen. Das ist das Ergebnis eines Leistungsvergleichs zwischen den 16 Bundesländern. Doch die Studie ist nicht unumstritten.

"Sie jetzt zum x-ten mal immer dieselben Ranking-Listen präsentiert, immer sind die gleichen Länder vorne und die gleichen hinten", kritisiert Marianne Demmer, die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die neue Bildungsstudie der Kultusministerkonferenz (KMK). Insgesamt tue sich nichts. Die Erkenntnisse seien einfach nicht neu, so Demmer im Deutschlandfunk.

Völlig unerforscht sei etwa, welche Maßnahmen ergriffen werden müssten, um die Qualität der Lernprozesse zu verbessern. Man solle zudem ähnliche Gegende miteinander vergleichen und nicht unterschiedliche Regionen in einen Topf werfen, rügte Demmer.

Ähnlich kommentiert das auch Wirtschaftsjournalist Manfred Götzke im Deutschlandfunk: "Es wurden schlicht mal wieder Äpfel mit Birnen miteinander verglichen: Auf der einen Seite wohlhabende Flächenländer mit wenig Arbeitslosigkeit und einem geringen Zuwandereranteil, auf der anderen Seite arme Stadtstaaten mit höherem Migrantenanteil, hoher Arbeitslosigkeit und mehr sogenannten bildungsfernen Elternhäusern."

Höchste Punktzahlen im Süden Deutschlands

Für die Untersuchung wurden 2011 mehr als 30.000 Viertklässler an über 1.300 Grund- und Förderschulen getestet - in den Disziplinen Lesen, Zuhören und Mathematik. Die Schüler der südlichen Bundesländer schneiden insgesamt am besten ab. Beim Lesen liegen in der Spitzengruppe Bayern (515 Punkte), Sachsen (513), Sachsen-Anhalt (511) und Thüringen (510) dicht beieinander. Dazwischen gibt es ein breites Mittelfeld. Die Schlusslichter Hamburg (478), Berlin (467) und Bremen (463) liegen dagegen deutlich unter dem Bundesschnitt von 500 Punkten. Rund 60 Punkte entsprechen dem Lernfortschritt eines Schuljahres.

In der Mathematik bilden Bayern (519), Sachsen und Sachsen-Anhalt (beide 517) sowie Baden-Württemberg (512) die Spitzengruppe. Klar unter dem Mittelwert von 500 Punkten liegen dagegen Brandenburg (491), Schleswig-Holstein (487) und Hessen (484) sowie die Stadtstaaten Hamburg (470), Bremen (452) und Berlin (451). Getestet wurde auch, wie gut Schüler aus Gehörtem Informationen ziehen können. Nur Bayern erzielt dort Werte, die deutlich oberhalb des Mittelwertes liegen.

Kinder aus bildungsfernen Familien müssen besser gefördert werden

"Die Ergebnisse sind insgesamt erfreulich, dennoch bleibt viel zu tun", sagte der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD), bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Insgesamt belegten die Resultate einen hohen Leistungsstand der Grundschüler, es gebe aber auch Defizite. "Insbesondere Kinder aus bildungsfernen Familien müssen besser gefördert werden", mahnte Rabe.

Die Untersuchung bestätigt frühere Erkenntnisse, dass Jungen besser rechnen, die Mädchen dagegen besser lesen und schreiben können. Dies wird besonders bei der Orthografie deutlich: Dort sind die Mädchen den Jungen im Schnitt um 32 Punkte voraus - was dem Lernfortschritt eines halben Schuljahres entspricht. Die Untersuchung ergab auch, dass Kinder aus Zuwandererfamilien bei ihren Leistungen im Rückstand sind.

Anders als bei den internationalen Schulleistungsstudien PISA, IGLU und TIMSS wurden die Testaufgaben für den nationalen Vergleich allein aus den von den Kultusministern verabredeten neuen bundesweiten Bildungsstandards entwickelt. Sie beschreiben, was ein Schüler am Ende der jeweiligen Jahrgangsstufe können soll.


Mehr zum Thema:

OECD: Schlechte Noten für deutsche Bildung - Bildungsministerin weist Studie als abwegig zurück
"Die Bildungssysteme in Deutschland sind besser geworden"
Bildungsexperte der Bertelsmann-Stiftung über die Folgen von PISA und PISA-E
Zu viel gefördert, zu wenig gefordert - Hochbegabtenförderung in der Praxis
Abwertungsspirale in den Problemstadtteilen - Wissenschaftler untersuchen die Entstehung verrufener Stadtteile
Rundumschlag gegen das deutsche Bildungssystem Bernd Siggelkow/Wolfgang Büscher: "Deutschlands verlorene Kinder. Warum unser Bildungssystem Verlierer produziert"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr Konzertdokument der Woche

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 22:00 Uhr Musikfeuilleton

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Dortmund Die einzig wahre Bierstadt

Bierkrüge, Flaschen und Gläser werden im Brauerei-Museum in Dortmund in einer Vitrine präsentiert. (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)

Dortmund besinnt sich auf seine Tradition - die größte Bierstadt Europas zu sein. Das war sie einmal. Das Ende der Zechen und Stahlhütten läutete auch das Ende der Dortmunder Biere ein. Heute kehrt das Bier nach Dortmund zurück.

HörsaalIch zitiere mich mal selbst

Wer sich selbst zitiert, der kann damit noch lange keine wissenschaftliche Arbeit verfassen. In der Antike freilich war das alles einmal ganz anders. Und auch über das Mittelalter hinaus bis in die Neuzeit hinein musste sich die rechte und richtige Kunst des Zitierens erst noch entwickeln. 

RotterdamEine Markthalle als überdimensionales Hufeisen

Blick in die Markthal von Rotterdam. (picture alliance / dpa / Jerry Lampen)

Die Markthal im niederländischen Rotterdam ist 40 Meter hoch, 60 Meter breit und 100 Meter tief. Sie bietet 100 internationalen Ständen Platz und auch 230 Wohnungen. Und durch ihre Hufeisenform ist sie ein echter architektonischer Hingucker.

Die Dichterin Marie NoëlDer erloschene Himmel

Als die Sonne verschwand, blickte die Band nicht an den Himmel - sie spielte (NASA)

"Ich habe mich nie erholt von dem Anruf Gottes", schrieb die französische Dichterin Marie Noël. Ihr ganzes sprachmächtiges Werk pendelte zwischen den Polen, sich ihm nah oder auch sehr fern zu fühlen.

GrünstreifenWie HopHop Battles

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk auf der einen Seite, Privatsender auf der anderen. Unseren New Yorker Jim Kavanaugh erinnert das an den HipHop-Streit Eastcoast gegen Westcoast. Nur ohne Waffen.ich-gegen-privat

Sommer, Sonne, RegenschauerWenn die Seele baumelt

Touristen aus dem spanischen Barcelona stehen am 13.06.2015 vor dem Brandenburger Tor in Berlin bei Temperaturen um die 30 Grad im Regen. Foto: /dpa (picture-alliance / dpa / Stephanie Pilick)

Ob Regen oder Sonnenschein, Hagelschauer oder sanfte Brise, den Sommer lassen wir uns nicht nehmen - komme er, wie auch immer er wolle. Um eine Jahreszeit als seelischen Zustand dreht sich diesmal alles im Rätselmagazin "Sonntagmorgen".

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Türkei  Grünen-Chef Özdemir fordert mehr internationalen Druck auf Erdogan | mehr

Kulturnachrichten

Britische Sängerin Cilla Black ist tot  | mehr

Wissensnachrichten

Burn-Out  Keine Gefahr bei Hang zu gesundem Perfektionismus | mehr